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Theater, Film und Vorträge

BüchnerLand-Festival findet im zweiten Teil am Goddelauer Büchnerhaus statt – Eintritt frei!

Theaterszene aus „Leonce und Lena”
Theaterszene aus „Leonce und Lena”

Nach einem erfolgreichen Start des diesjährigen BüchnerLand-Festivals unter den Linden des evangelischen Kirchgartens in Leeheim, folgt nun der zweite Teil rund ums Goddelauer Büchnerhaus. Dort in der Weidstraße 9 in Goddelau findet im Rahmen des Festivals erstmals eine Theaterpremiere der BüchnerBühne Riedstadt statt (Samstag, 23. Juli). Dank öffentlicher Förderung des Landes Hessen ist der Eintritt für sämtliche Veranstaltungen frei.  

Das Programm startet bereits am Donnerstag, 21. Juli um 19:00 Uhr, wenn der Historiker und Publizist Reinhard Pabst über seine jahrzehntelange „Detektivarbeit“ in Sachen Georg Büchner und seinem Umfeld berichtet (wir haben berichtet). Unter dem Titel „Büchnerrevolution“ geht es um unbekannte Geschichten der Familie Büchner (1789 bis 1848).  

Am Freitag, 22. Juli ab 15:00 Uhr wird eine neue Ausstellung im Außenbereich von Büchners Geburtshaus eröffnet. Das Institut für Geschichtliche Landeskunde Mainz befasst sich hierbei mit dem „Weg zur modernen Demokratie“. Auf insgesamt 16 Tafeln werden der frühe Einsatz für Grund- und Menschenrechte, Demokratisierung und politische Teilhabe sowie Integration und Gleichberechtigung beschrieben. Zur Ausstellungseröffnung wird der Historiker Alexander Maser sprechen, der selbst an der Ausstellungskonzeption mitgewirkt hat.  

Einen interessanten Einblick in die kulturelle Arbeit der Büchnerstadt Gießen möchte ein Gespräch vermitteln, das Tanja Marcotte vom Verein BüchnerFindetStatt mit Gerhard Merz am Freitag, 22. Juli 2022 um 18:00 Uhr führen wird. Der im Programmheft genannte Gesprächspartner Dr. Stefan Neubacher, Leiter des Gießener Kulturamtes, musste seine Teilnahme leider kurzfristig absagen. Gerhard Merz lebt selbst seit rund 50 Jahren in Gießen und ist dort seit gut 40 Jahren kommunalpolitisch engagiert. Bei dem Gespräch wird im Mittelpunkt stehen, welche Rolle Georg Büchner, der in Gießen studierte, im kulturellen Leben der Stadt Gießen heute spielt und welche Formen der lebendigen Erinnerung es gab und gibt. Nicht zuletzt geht es auch über Perspektiven, wie ein Austausch zwischen Geburts- und Studienort zukünftig aussehen könnte. 

Ein Höhepunkt des zweiten Festivalwochenendes wird sicher die für Samstag, 23. Juli um 18:00 Uhr geplante Theaterpremiere der Neuinszenierung von „Leonce und Lena“ direkt an Büchners Geburtshaus sein.  

Die einzige Komödie Büchners ist eine beißende Satire auf die deutschen Kleinstaaten zu seiner Zeit und erzählt die Geschichte einer hoffnungslosen Jugend, die sich nicht vorstellen will, in die Fußstapfen ihrer Elterngeneration zu treten, um am Ende – auf dem Höhepunkt persönlichen Liebesglücks – eben dort zu laden.  

Die Neuinszenierung in neuer Besetzung schickt alle Figuren auf die Suche nach dem persönlichen Glück und stellt die Frage, wo sich Lust und Leid begegnen und ob es vielleicht das Eine gar nicht ohne das Andere geben kann.  

Das Samstagprogramm endet um 20:00 Uhr mit einer Filmvorführung des DDR-Fernsehfilms „Lieb Georg“ aus dem Jahre 1988. Der dokumentarische Film mit Ulrich Mühe ist eine sensible Spurensuche zu Georg Büchners einstigen Lebensstationen und dabei von Zuneigung, Verstehen und Geistesverwandtschaft getragen. Bilder von authentischen Schauplätzen aus Büchners kurzem Leben werden mit kritischen Texten kontrastiert. Ergänzt wird der Film durch Aussagen namhafter Dramatiker wie Friedrich Dürrenmatt, Volker Braun und Heiner Müller.

Gezeigt wird die Geschichte eines frühen deutschen Demokraten, teilweise gedreht im „kapitalistischen Ausland“, während im Hintergrund bereits die Fundamente des SED-Staates wankten. Ein interessantes Dokument der Filmgeschichte und eine sehenswerte Dokumentation zur Büchners Leben und Wirkung bis in die heutige Zeit.  

Das BüchnerLand-Festival endet am Sonntag, 24. Juli 2022 um 14:00 Uhr mit einer Aufführung der BüchnerBühne: „Die Statue der Freiheit“ widmet sich dabei der ersten Hessischen Verfassung von 1820, die 2020 ihren 200. Geburtstag feierte.   

Mit Originalauszügen aus der ersten Hessischen Verfassung, des Hessischen Landboten, Szenenauszügen aus Dantons Tod und musikalischen Beiträgen geht die Produktion der Frage nach, wann wir frei und mündig sind, wer uns dazu ermächtigt und wieviel Freiheitskampf eine Gesellschaft verträgt.  

Gedacht war die Inszenierung eigentlich als Flashmob für die Darmstädter Innenstadt mit dem mobilen satirischen Verfassungsdenkmal, das Büchnerhaus und BüchnerBühne zum 200. Verfassungsjubiläum von dem Düsseldorfer Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jaques Tilly hatten bauen lassen. Doch die Pandemie machte alle Pläne von Aufführungen auf öffentlichen Plätzen zunichte.  

Der Motivwagen zeigt den Großherzog, der auf einem mundtot gemachten Bauern sitzt und die Verfassung in Händen hält. Damit ist er der satirische Gegenentwurf zum „Langen Ludwig“ – der Großherzog von Darmstadt steht im wahrsten Sinne des Wortes so hoch über dem Volk, dass man mit bloßem Auge kaum erkennen kann, dass er die erste hessische Verfassung in Händen hält.  

Das Catering-Angebot der Veranstalter wird diesmal von den Jungs von „Schorsch-Town“ und einem Weinhändler aus Gernsheim unterstützt.