Tauragė (Litauen)
Seit dem 15. Juli 1994 verbindet Riedstadt eine Städtepartnerschaft mit der litauischen Kreisstadt Tauragė. Sie entstand wenige Jahre nach der Wiedererlangung der litauischen Unabhängigkeit und steht bis heute für Freundschaft, Verständigung und den europäischen Gedanken.
Tauragė liegt im Westen Litauens am Fluss Jūra, unweit der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Die Stadt ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Rajons, der eine Fläche von 1.179 km² umfasst. In der Stadt leben heute rund 21.500 Einwohner, im gesamten Rajon etwa 38.000 Menschen.
Die Geschichte Tauragės reicht viele Jahrhunderte zurück. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung der Region bereits in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Tauragė im Jahr 1507 im Zusammenhang mit der Gründung der ersten katholischen Kirche. Durch seine Lage an einer bedeutenden Handels- und Grenzroute entwickelte sich der Ort früh zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Ost- und Mitteleuropa.
Europäische Bedeutung erlangte Tauragė durch die Konvention von Tauroggen vom 30. Dezember 1812. Der preußische General Ludwig Yorck von Wartenburg erklärte damals gegenüber dem russischen General Hans Karl von Diebitsch die Neutralität seines Korps und löste damit die Bindung Preußens an Napoleon. Dieses Ereignis gilt als wichtiger Ausgangspunkt der Befreiungskriege und als bedeutender Schritt auf dem Weg zur späteren deutschen Einigung.
In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich Tauragė zu einer modernen und zukunftsorientierten Kreisstadt entwickelt. Mit Unterstützung nationaler und europäischer Förderprogramme wurden zahlreiche öffentliche Gebäude saniert, Straßen und Plätze neugestaltet sowie Schulen, Sport- und Kultureinrichtungen modernisiert. Gleichzeitig investiert die Stadt kontinuierlich in eine leistungsfähige Infrastruktur und in die Digitalisierung ihrer Verwaltung.
Auch wirtschaftlich hat Tauragė eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen. Seit der Eröffnung des Tauragė Industrial Park im Jahr 2007 haben sich zahlreiche internationale Unternehmen angesiedelt. Heute sind mehr als fünfzehn Unternehmen mit ausländischer Beteiligung im Landkreis tätig und schaffen qualifizierte Arbeitsplätze in den Bereichen Produktion, Kunststoffverarbeitung, Medizintechnik, Automobilzulieferung und industrielle Fertigung. Die Stadt unterstützt Neuansiedlungen durch eine investitionsfreundliche Wirtschaftspolitik und gezielte Fördermaßnahmen.
Besonders hervorzuheben ist die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Seit 2015 verfolgt Tauragė das Ziel, sich als „grünster Landkreis Litauens“ zu etablieren. Erneuerbare Energien spielen dabei eine zentrale Rolle: Der Landkreis verfügt über einen der größten Windparks Litauens, nutzt Biomasse für die Wärmeversorgung, setzt auf Solarenergie und fördert den Ausbau der Elektromobilität. Der öffentliche Nahverkehr wurde weitgehend auf Elektrobusse umgestellt und die Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED-Technik umgerüstet.
Diese Entwicklung fand auch europaweit Anerkennung. Die Europäische Kommission wählte Tauragė als eine von nur 100 europäischen Städten – neben der litauischen Hauptstadt Vilnius – für die Mission „100 Climate-Neutral and Smart Cities by 2030“ aus. Damit gehört Tauragė zu den Modellkommunen Europas, die innovative Lösungen für Klimaneutralität und nachhaltige Stadtentwicklung erproben.
Mit dem aktuellen Stadtentwicklungsprogramm für den Zeitraum 2025 bis 2030 werden weitere Investitionen unter anderem in energieeffiziente öffentliche Gebäude, sozialen Wohnungsbau, nachhaltige Mobilität, Wasser- und Abwasserinfrastruktur, Grünflächen sowie Kultur- und Sporteinrichtungen umgesetzt. Die Europäische Investitionsbank unterstützt dieses Programm mit einem Darlehen über 20 Millionen Euro.
Tauragė pflegt zahlreiche internationale Städtepartnerschaften.
Die Städtepartnerschaft zwischen Riedstadt und Tauragė lebt von regelmäßigen Begegnungen. Bürgerinnen und Bürger sowie kommunale Vertreterinnen und Vertreter gestalten den Austausch aktiv mit. Delegationsbesuche, kulturelle Veranstaltungen und persönliche Freundschaften tragen dazu bei, die Verbindung zwischen beiden Städten kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Patrick Fiederer (Verein Freunde von Tauragé)




