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Grabentaschen in Erfelden - erste orientierende Untersuchungen

Bericht im Auftrag der Stadt Riedstadt

Dr. Egbert Korte & Dipl. Biol. Wolfram Sondermann

Büro für fischökologische Studien - BFS
Plattenhof
64560 Riedstadt-Erfelden
Tel./Fax: 06158-748624
bfs-korte(at)web.de

Riedstadt im Dezember 2001

Inhalt

Einleitung

Flußauen sind prägende Bestandteile der Landschaft. Im natürlichen Zustand werden sie von der Abflußdynamik des Flusses geprägt. Diese ermöglicht die Existenz einer Vielzahl terrestrischer, amphibischer und aquatischer Lebensräume unterschiedlicher Sukzessionsstadien. Daher ist es auch nicht verwunderlich, daß Flußauen mit zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas zählen.

Hochwasserschutzmaßnahmen, Schiffbarmachung und Wasserkraftnutzung hatten zur Folge, daß natürliche Flußauen in Mitteleuropa nur noch in Relikten vorhanden sind. Besonders deutlich ist diese Entwicklung am Rhein, dem großen Strom Mitteleuropas, nachzuvollziehen. Durch die vielfältigen anthropogenen Eingriffe hatten weitreichende Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften des Rheins und seiner Aue. Durch den Bau von Kläranlagen und der damit einhergehenden Verbesserung der Wasserqualität kam es in den letzten 20 Jahren, zumindest im limnischen Bereich, zu einer teilweisen Regeneration der Lebensgemeinschaften (Lelek & Buhse 1992, Korte 1999). Der Verlust von Habitatstrukturen durch anthropogen bedingte Flußregulierungs- nd Ausbaumaßnahmen kann heute als Hauptgrund für die Bedrohung vieler Fischarten in Europa angesehen werden (Bless et al. 1994, Lelek & Lusk 1962, Peter 1991, Schiemer & Spindler 1988)

Als besonders gefährdete Arten im Bereich der hessischen Rheinaue sind phytophile (pflanzenlaichende) Fischarten wie Karausche, Schlammpeitzger, Schleie, Moderlieschen, Rotfeder und Hecht zu nennen (Korte 1999). Sie bewohnen in der Regel stark verkrautete und verlandende Gewässer der Auen und sind auf die Existenz von Wasserpflanzen angewiesen. Heute kommen sie meist nur noch in stark isolierten Restpopulationen in Sekundärlebensräumen,, den kulturhistorisch entstandenen Grabensystemen und kleinen Weiher vor (Korte 1999), die jedoch räumlich begrenzt sind und zudem in den Sommermonaten häufig kein Wasser führen und somit als Fischfallen fungieren. 

Daher ist das Vorhaben der Stadt Riedstadt, mit der Anlage von Grabentaschen den Fischen weiteren Refugialräume zu schaffen nur zu begrüßen und dokumentiert das umweltpolitische Bemühen der Gemeinde, nicht nur weithin intakte Naturbereiche zu erhalten, sondern beeinträchtigte Lebensräume wieder aufzuwerten. Neben den zu erwartenden positiven Auswirkungen für die Fischfauna können die Grabentaschen auch wichtige Habitatstrukturen für Amphibien und Wirbellose bereitstellen.

Um das Besiedlungspotential der Gräben zu erfassen und die spätere Funktion der Grabentaschen abschätzen zu können, wurden vor Anlage der Grabentaschen erste orientierende Untersuchungen durchgeführt, die weitergeführt werden sollen.

Die Untersuchung und Bewertung der Grabentaschen orientiert sich dabei an drei Schlüsselfragen:

  1. Welche ökologischen Funktionen nehmen die neu geschaffenen Strukturen großmaßstäbig für das angeschlossene Gewässernetz ein? - Dieser Frage wird unter Betrachtung der Fische nachgegangen werden, welche im Gewässernetz größermaßstäbige Ortsbewegungen und ± häufige Habitatwechsel vollziehen.

    Je vielfältiger sich die ökologischen Funktionen (Jungfisch-, Freß-, Laichhabitat) für möglichst viele gerade der gefährdeten Fischarten in den Gewässerneuanlagen erweisen, desto höher kann der Erfolg der Maßnahme beurteilt werden. Die Untersuchung der Fischfauna ermöglicht, über die Beurteilung der eigentlichen Grabentaschen hinaus, eine Bewertung von deren Integration in das angeschlossene Gewässernetz.
  2. Welche ökologischen Funktionen nehmen die neu geschaffenen Strukturen mittelmaßstäbig in ihrer Verzahnung mit den umgebenden Landlebensräumen ein? - Dieser Frage wird unter der Betrachtung der Amphibien nachgegangen werden, Organismen mit saisonalem Wechsel zwischen terrestrischen und limnischen Habitaten.

    Die Untersuchung der Amphibienfauna ermöglicht, über die Beurteilung der eigentlichen Grabentaschen hinaus, eine Bewertung von deren Integration in das terrestrische Umland. In der Bundesrepublik Deutschland sind alle Amphibienarten durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.

  3. Welche Besiedlungsmöglichkeiten bieten die Gewässerneuanlagen kleinmaßstäbig und an und für sich, unter weitgehender Ausblendung des terrestrischen und limnischen Umfeldes? Dieser Frage wird unter Betrachtung von Organismen nachgegangen werden, welche einerseits ihre komplette Entwicklung im Gewässer selbst durchleben, andererseits aber in der Lage sind, innerhalb des Untersuchungszeitraumes aktiv in die Gewässerneuanlagen einzuwandern. Als Gegenstand der Untersuchungen bieten sich für diesen dritten Aspekt daher die sog. hollimnischen Wasserinsekten an, also solche, die ihre sämtlichen aktiven Lebensstadien (Larven, Adulte) im Wasser verbringen. Dieses sind die Wasserwanzen und Wasserkäfer. Die meisten Arten beider Gruppen sind darüber hinaus gut flugfähig und besiedeln neu angelegte Gewässer in kürzester Zeit auf dem Luftweg. Vor allem unter den Wasserkäfern findet sich eine hohe Zahl ausgesprochen auentypischer Arten, von denen die meisten in der Bundesrepublik Deutschland in ihren Beständen gefährdet sind. 

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Untersuchungslokalität

Für die ersten orientierenden Untersuchungen wurden drei Lokalitäten ausgewählt, die einen Überblick über das vorhandene Artenpotential in der Umgebung geben. 

Untersuchungsgebiet mit den eingetragen Lokalitäten

Abb. 1: Untersuchungsgebiet mit den eingetragen Lokalitäten

Hauptgraben Wächterstadt

Allg. Beschreibung: Größerer Entwässerungsgraben
Umland/Nutzung: Acker, Grünland
Substrat: Schlamm Ausdehnung/Profil: Breite bis. 7 m breit, Tiefe bis < 150 cm
Wasserführung: ausdauernd

 

Erfelder Hauptgraben

Allg. Beschreibung: Mittelgroßer Entwässerungsgraben
Umland/Nutzung: Grünland, Acker
Substrat: Schlamm Ausdehnung/Profil: Breite ca. 3 m, Tiefe bis < 60 cm
Wasserführung: in trockenen Jahren ohne Wasserführung

 

Pumpwerk Kammerhof

Allg. Beschreibung: Entwässerungsgraben am Pumpwerk
Umland/Nutzung: Acker
Substrat: Schlamm 
Ausdehnung/Profil: Breite ca. bis 5 m, Tiefe bis < 100 cm
Wasserführung: permanent

 

Für die sich anschließenden Untersuchungen werden neben den Grabentaschen weitere Lokalitäten in die Untersuchung mit einbezogen. Die Auswahl der weiteren Lokalitäten erfolgt im Frühjahr 2002.

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Material und Methoden

3.1 Beprobungszeitpunkt

Bei der Durchführung der ersten orientierenden Untersuchungen konnte auf Grund der Witterungslage nur eine Beprobung im September 2001 stattfinden.

Es wurden nur die Fische und Wasserinsekten berücksichtigt, da verwertbare Aussagen zum Vorkommen von Amphibien im Herbst nicht möglich sind. Desweiteren wurden Wasser- und Sumpfpflanzen mit aufgenommen.

3.2 Untersuchte Gruppen

3.2.1 Makrophyten

Am 13.09.2001 wurden an den drei Lokalitäten die Wasser- und Sumpfpflanzenflora qualitativ und quantitativ erfaßt. Die den Pflanzenarten beigegebenen Zahlenwerte beziehen sich auf den Deckungsgrad der jeweiligen Pflanzenart. 

3.2.2 Makrozoobenthos

Das Makrozoobenthos wurde mit einem Wasserkescher mit einem Durchmesser von 40 cm und einer Maschenweite von 1 mm erfaßt. Dabei wurden alle an den Grabenabschnitten befindlichen Habitatstrukturen in relativer Intensität zu ihrer Repräsentanz beprobt. Die Gewässerabschnitte wurden solange beprobt, bis keine makroskopisch im Gelände zu differenzierenden neuen Taxa mehr aufgefunden wurden, um zu einer möglichst vollständigen Momentaufnahme zu gelangen. Makroskopisch bestimmbare Taxa wurden im Gelände gezählt und wieder in das jeweilige Gewässer verbracht. Taxa, welche nur mit optischen Hilfsmitteln oder präparativer Methoden determinierbar waren, wurden in 70%iges Ethanol verbracht und im Labor bestimmt. Die Egel wurden vor dem Verbringen in 70%iges Ethanol in 5-10%igem Ethanol betäubt. Die Bestimmung aller Taxa erfolgte, soweit der Entwicklungszustand der Tiere dies erlaubte, auf Artniveau. Die den Tierarten beigegebenen Zahlenwerte stellen die festgestellten Individuenzahlen dar.

3.2.3 Fische

Die fischökologische Untersuchung wurden mittels Elektrofischerei durchgeführt. Dabei wurde ein tragbares Impulsstromgerät vom Typ DEKA 3000 der Firma Mühlenbein verwandt. Mehrere Helfer kescherten die betäubten Fische ab, überführten sie in Wannen und versorgten die Tiere mit Frischwasser. Hauptgraben beim Pumpwerk Wächterstadt, wurde die Befischung vom Boot aus durchgeführt.

Von den gefangenen Fischen wurde die Länge Totallänge (TL) ermittelt. Dazu wurden die gefangenen Fische, soweit dies möglich war, direkt im Freiland mit Hilfe eines Messbretts auf 1 mm genau vermessen und wieder ins Gewässer zurückgesetzt.

Datenauswertung

Dominanz

Die Dominanz (relative Häufigkeit) beschreibt den Anteil einer Fischart am Gesamtfang in einem bestimmten Zeitintervall oder Untersuchungsgebiet.

Di = ni/N *100[%]      (Mühlenberg 1989)

Di = Dominanz der Art i

ni = Individuenzahl der Art i

N = Gesamtzahl der Individuen

Es wird dabei folgende Einteilung der Dominanzwerte in Klassen benutzt:

Tabelle 1a und 1b: Häufigkeitsklassen nach Engelmann (1978) (zitiert aus Mühlenberg 1989)

                       

1a) Hauptarten
Häufigkeit%
eudominant 32,0 - 100 % 
dominant 10.0 - 31,9 % 
subdomina 3,2 - 9,9 % 

                       

1b) Begleitarten 
Häufigkeit%
rezedent 1,0 - 3,1 % 
subrezedent 0,32 - 0,99 % 
sporadisch unter 0,32 % 

Ökologische Gruppierung der Arten

Bei der Zuordnung einzelner Arten zu ökologischen Gruppen, wurde folgende allgemein anerkannte Einteilung herangezogen:

Reproductive guilds nach Balon (1975, 1985, 1991)

Die nach Balon (1975, 1985, 1991) entwickelte Klassifizierung hinsichtlich der Reproduktionsbiologie (reproductive guilds) der Arten berücksichtigt die Nutzung bestimmter Laichsubstrate, die Form der Eiablage und bestimmte Merkmale der Larven (Pigmentierung, Dottersackgröße, Haftdrüsen, Respirationsstrukturen). Meistens wird diese Gilden-Einteilung dazu verwendet, um die Bevorzugung ei­nes bestimmten Laichsubstrates zu kennzeichnen. Auch in der vorliegenden Ar­beit wird eine vereinfachende Zusammenfassung angewandt. Dabei werden fol­gende Gruppen unterschieden:

lithophile Arten = Arten, die auf kiesigem Substrat ablaichen (Kieslaicher). Typische bei uns vorkommende Arten sind z. B. Barbe, Nase und Hasel.

phyto-lithophile Arten (zusammengefaßt mit den psammophilen) = Arten, die sowohl auf sandigem, kiesig-steinigem als auch auf pflanzlichem Substrat oder auf Holz ablaichen. Diese Arten sind recht indifferent (unspezifisch) in der Wahl ihres Laichsubstrates. Typische Vertreter dieser Gruppe sind Rotauge, Flußbarsch und Zander.

phytophile Arten = Arten, die auf pflanzlichem Substrat (submerse und emerse Vegetation, überflutete terrestrische Vegetation) ablaichen und speziell daran angepaßt sind. Hecht, Wildkarpfen, Schleie und Rotfeder sind typische Vertreter dieser Gruppe.

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4 Ergebnisse

4.1 Makrophyten 

Die Makrophytenbestände an den drei Lokalitäten variieren recht stark, wobei am "Pumpwerk Kammerhof" das Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus) und der Wasserstern (Callitriche spec.) dominiert. Das Kamm-Laichkraut ist für seine ausgedehnten Vorkommen in stark eutrophen bis hypertrophen Gewässern bekannt, in denen nur noch wenige andere Wasserpflanzen gedeihen können.

Vorkommen des Kamm-Laichkrautes in artenreichen Wasserpflanzengesellschaften sind eher selten, dies wird auch durch das Fehlen der Art an den Standorten "Hauptgraben Wächterstadt" und "Erfelder Hauptgraben" dokumentiert.

Im "Hauptgraben Wächterstadt" und dem "Pumpwerk Kammerhof" ist das Verhältnis von Sumpfpflanzen (Helophyten) zu echten Wasserpflanzen (Hydrophyten) stark zugunsten der Wasserpflanzen verschoben. 

Verantwortlich hierfür sind die Faktoren Wasserführung, Sichttiefe und Strömung. Aus größerer Wassertiefe vermögen Sumpfpflanzen nicht heranzuwachsen, da sie die Hauptmasse der Photosynthese betreibenden Pflanzenmasse erst über dem Wasserspiegel entfalten und bis dahin aus den in den Rhizomen gespeicherten Energievorräten wachsen. Diese sind allerdings begrenzt. Wassertrübung begünstigt in nicht zu tiefem Wasser die Sumpfpflanzen, da sie sich mit ihren Assimilationsorganen über die Wasseroberfläche erheben. Strömung begünstigt in der Regel die Wasserpflanzen, da die Sumpfpflanzen unter derartigen Bedingungen nicht gerade zum Wasserspiegel heraufwachsen können. Austrocknung eines Gewässers schließt fast alle Wasserpflanzen aufgrund fehlendem Verdunstungsschutz und rückgebildeten Leitungssystemen von einer Besiedlung aus.

Im "Pumpwerk Kammerhof" sind Sumpfpflanzen nur an der äußersten Peripherie des Gewässers vorhanden: die Wassertiefe nimmt hier schnell zu. Die zeitweise deutlich vorhandene Strömung mit Wassertiefen bis über 80 cm verhindert auch im "Hauptgraben Wächterstadt" weitgehend de Bewuchs mit Sumpfpflanzen.

Der ""Erfelder Hauptgraben"" wird angesichts seiner geringen Wassertiefe stark von Sumpfpflanzen dominiert; geschlossene Wasserpflanzenbestände sind hier nur inselartig und überwiegend entlang der Mittelrinne an Störstellen ausgebildet. Die dominierenden Sumpfpflanzen, Glyceria cf. plicata und Igelkolben (Sparganium spec.) dokumentieren eine gewisse Durchströmung des Untergrundes.

Nach floristischen und vegetationskundlichen Gesichtspunkten beurteilt stellt der ""Erfelder Hauptgraben" unter den quantitativ nur verhältnismäßig wenig vorkommenden Wasserpflanzen ? den interessantesten Standort dar: Hier findet sich das verschmutzungsempfindliche Dichte Fischkraut (Groenlandia densa), welches in Deutschland im Oberrheingebiet einen Verbreitungsschwerpunkt aufweist. Die stellenweise Vorkommen von Armleuchteralgen (Characeae) weisen auf Störungen der Gewässersohle hin, wie sie etwa bei Grabenräumungen auftreten. Das Vorkommen solcher konkurrenzschwacher Armleuchteralgen ist stets zu begrüßen, da sie nicht nur obligatorische Nahrungsgrundlage mancher Wasserinsekten darstellen, sondern durch ihre Feingliedrigkeit auch ein besonderes, von zahlreichen aquatischen Wirbellosen genutztes Strukturelement darstellen. Die an den Frasflächen des Grabens stellenweise siedelnde Riccia spec. konnte nicht auf Artniveau bestimmt werden, doch sind die amphibischen Arten der Gattung in Deutschland durchgängig selten und in ihren Beständen rückläufig. Eine Übersicht über die nachgewiesenen Arten und ihrem Deckungsgrad gibt Tabelle.

Tabelle 2: Hydro- und Sumpfpflanzen 

pr1 = Probestelle Hauptgraben

pr2 = Probestelle "Erfelder Hauptgraben"

pr3 = Probestelle "Pumpwwerk Kammerhof"

                                                                                                                                             

Plantae (Pflanzen)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
Wasserstern Callitriche spec. 1,5  
Gemeines Hornblatt Ceratophyllum demersum 2,5   
Armleuchteralgen Characeae gen. spec. 3,5  
 Drepanocladus spec.  1,5 0,5 
Nutalls Wasserpest Elodea nuttallii   
 Glyceria cf. plicata 4,5 
Dichtes Fischkraut Groenlandia densa  1,5  
Kleine Wasserlinse Lemna minor 0,5   
 Leptodictyum riparium  0,5 
Ähriges Tausendblatt Myriophyllum spicatum   
Wassrknöterich Polygonum amphibium 1,5   
Krauses Laichkraut Potamogeton crispus   
Spiegelndes Laichkraut Potamogeton lucens   
Schmalblättriges Laichkraut Potamogeton cf. zizii   
Kamm-Laichkraut Potamogeton pectinatus   4,5 
 Riccia spec.  0,5  
 Sparganium spec.   
 Spirodela polyrhiza 0,5  

4.2 Makrozoobenthos

Innerhalb des Makrozoobenthos treten drei Gruppen durch besonderen Artenreichtum hervor: Die Wasserschnecken (Gastropoda), die Wasserwanzen (Heteroptera) und die Wasserkäfer (Coleoptera). Dabei muß davon ausgegangen werden, daß das Artenspektrum zum jetzigen Stand der Untersuchungen noch nicht vollständig erfaßt ist.

Schnecken brauchen zum Aufbau ihrer Schalen einen gewissen Kalkgehalt des Wassers, so daß die oberrheinischen Auen mit ihren die Wasserchemie prägenden kalkreichen Flußschottern für viele Arten besonders adäquate Naturräume darstellen. Die von uns an den Grabenabschnitten festgestellten Wasserschnecken gehören zu den häufigen und weit verbreiteten Arten an. Ähnliches läßt sich über die Wanzen und Käfer sagen.

Tabelle 3a, 3b und 3c: Makrozoobenthos außer Insekten an den Lokalitäten 

pr1 = Probestelle Hauptgraben

pr2 = Probestelle "Erfelder Hauptgraben"

pr3 = Probestelle "Pumpwwerk Kammerhof"

3a) Weichtiere (Mollusca)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
 Anisus spirorbis 82
 Anisus vortex35162
 Bathyomphalus contortus7  
 Bithynia tentaculata448 
SpitzschlammschneckeLymnaea stagnalis 4 
 Musculium lacustre1  
PosthornschneckePlanorbarius corneus  1
 Planorbis planorbis3  
 Radix ovata  1
 Segmentina nitida  1
 Stagnicola palustris 12 

 

3b) Fischegel (Hirudinea)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
 Erpobdella spec.6  
FischegelPiscicola geometra21 
 Theromyzon tessulatum 1 

 

3c) Krebse (Crustacea)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
WasserasselAsellus aquaticus1206575
 Gammarus fossarum72  

In besonderem Maße für den Naturraum seltene oder gefährdete Arten wurden bei den ersten orientierenden Untersuchungen nicht festgestellt. Da der Naturraum "Oberrheinisches Tiefland" auf dem Gebiet der BRD einen einzigartigen und begrenzten Naturraum darstellt, innerhalb dessen wiederum naturnahe Auenbereiche ausgesprochen selten geworden sind, sind diverse an den Lokalitäten vorgefundenen Arten, ausgesprochen auentypisch und im NSG Kühkopf-Knoblochsaue wohl mehr oder minder häufig. So ist Berosus frontifoveatus ein Wasserkäfer mit deutlichem bundesweitem Verbreitungsschwerpunkt in den naturnahen Auenbereichen des Oberrhein-Tieflandes. Auentypisch sind darüber hinaus Hygrotus versicolor, Porhydrus lineatus, Hydaticus transversalis, Ochthebius minimus und Limnebius atomus. In diesem Sinne stellen alle drei Lokalitäten repräsentative, permanent wasserführende Stillgewässer mit habitat- und naturraumtypischem Arteninventar dar und sind als für das Studium von Auswirkungen von Grabentaschen-Anlagen auf das Makrozoobenthos als geeignet anzusehen.

Für einige der nur als Larven im Wasser lebenden (merolimnischen) Insektenordnungen war der Untersuchungstermin im Herbst ungünstig, da zu dieser Jahreszeit lediglich unbestimmbare Junglarven angetroffen werden.

Tabelle 4a-f: Makrozoobenthos (Insekten) der Probestellen

pr1 = Probestelle Hauptgraben

pr2 = Probestelle "Erfelder Hauptgraben"

pr3 = Probestelle "Pumpwwerk Kammerhof"

4a) Springschwänze (COLLEMBOLA)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
   Podura aquatica340300120
4b) Eintagsfliegen (Ephemeroptera)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
 Cloeon dipterum242614
4c) Netzflügler (Planipennia)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
SchlammfliegeSialis lutaria8 3
4d) Libellen (Odonata)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
Frühe AdonislibellePyrrhosoma nymphula 5 
4e) Wanzen (Heteroptera)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
 Corixa punctata181
 Hesperocorixa linnaei 191
 Hesperocorixa sahlbergi 2 
SchwimmwanzeIlyocoris cimicoides 17
 Nepa cinerea 1 
Gewöhnlicher RückenschwimmerNotonecta glauca204412
 Plea leachi  2
 Sigara striata 14 
 Gerris argentatus1 2
 Gerris lacustris2  
 Microvelia reticulata12 22

 

4f) Wasserkäfer (Coleoptera)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
 Haliplus confinis 2 
 Haliplus fluviatilis742
 Haliplus fulvus1  
 Haliplus immaculatus2882
 Haliplus lineatocollis  1
Tropfenförmiger WassertreterHaliplus ruficollis4152
 Peltodytes caesus244
 Noterus clavicornis 23 
 Noterus crassicornis11216
 Hydroglyphus geminus  3
 Hydroporus angustatus  5
 Hydroporus palustris1238
 Hygrotus impressopunctatus  1
 Hygrotus inaequalis 134
 Hygrotus versicolor  1
 Hyphydrus ovatus18 4
 Porhydrus lineatus11  
 Laccophilus hyalinus2  
 Laccophilus minutus1 2
Dunkler TeichschwimmerColymbetes fuscus11 
 Rhantus suturalis  5
 Hydaticus transversalis1 3
 Limnebius atomus 11
 Ochthebius minimus1 58
Gerandeter WasserkäferAnacaena limbata1  
 Berosus frontifoveatus  1
 Enochrus bicolor  1
 Enochrus quadripunctatus  2
 Helochares lividus  3
 Helochares obscurus  1
Braunfüßiger WasserkäferHydrobius fuscipes 1 
 Laccobius minutus  2
4g) Köcherfliegen (Trichoptera)
dt. Bezeichnunglat. Bezeichnungpr1pr2pr3
 Holocentropus spec. 1 

4.3 Fische

Artenspektrum

Im Rahmen der Untersuchung konnten insgesamt 10 Fischarten nachgewiesen werden, wobei alle zehn Arten an der Lokalität "Hauptgraben Wächterstadt" und jeweils zwei Arten an den anderen Lokalitäten nachgewiesen wurden. 

Unter diesen zehn Arten befinden sich drei Arten die zur ihrer erfolgreichen Reproduktion pflanzlichen Bewuchs benötigen.

Der Hecht ist ein typischer Bewohner pflanzenreicher Gewässer.

Abb.5: Der Hecht ist ein typischer Bewohner pflanzenreicher Gewässer.

Ihr Vorkommen ist in der hessischen Rheinaue räumlich begrenzt (Schleie, Rotfeder) bzw. hängt stark vom Wasserstand des Rheins ab (Hecht).

Dies sind Hecht, Schleie und Rotfeder. Die zwei Arten die an den Lokalitäten "Erfelder Hauptgraben" und "Pumpwerk Kammerhof" nachgewiesen wurden waren Hecht und Schleie. 

Tabelle 5: Nachgewiesene Fischarten und Ihr Vorkommen an den untersuchten Lokalitäten

pr1 = Probestelle Hauptgraben Wächterstadt

pr2 = Probestelle "Erfelder Hauptgraben"

pr3 = Probestelle "Graben Kammerhof"

Fischart (Taxon) pr1pr2pr3
AalAnguilla anguillaJaNeinNein
HechtEsox luciusJaJaNein
BrachsenAbramis bramaJaNeinNein
BlickeAbramis bjoerknaJaNeinNein
RotaugeRutilus rutilusJaNeinNein
RotfederScardinius erythophtalmusJaNeinNein
UkeleiAlburnus alburnusNeinNeinNein
SchleieTinca tincaJaJaJa
RapfenAspius aspiusJaNeinNein
FlußbarschPerca fluviatilisJaNeinNein

Lokalität "Hauptgraben Wächterstadt"

Am "Hauptgraben Wächterstadt" wurden 10 Arten nachgewiesen, wobei das Rotauge mit 46, 4 % die dominierende Fischart (eudominant) ist. Weitere häufige Arten sind Schleie (13,1 %) und Hecht (10,4 %). Beide Arten sind auf Grund ihrer Häufigkeit an dieser Lokalität als dominant einzustufen. Arten die in größeren Individuenzahlen im Fang vertreten waren Brachsen ((9,3 %), Ukelei (7,1 %), Fluß-barsch (5,5 %) und Rapfen (4,4 %). Diese Arten sind als sub-dominant einzustufen. Die Blicke kam nur mit wenigen Individuen vor, von Aal und Rotfeder wurde jeweils nur ein Exemplar nachgewiesen. 

Fischartenzusammensetzung an der Lokalität

Abb. 6: Fischartenzusammensetzung an der Lokalität "Hauptgraben Wächterstadt" (n = 183)

"Erfelder Hauptgraben"

Im "Erfelder Hauptgraben" der schon deutlich kleiner ist als der "Hauptgraben Wächterstadt", wurden im September 2001 mit Schleie und Hecht nur zwei Arten nachgewiesen. Die Anzahl der gefangenen Individuen liegt mit n = 24 niedrig, was auf die schlechte Befischbarkeit des stark verkrauteten Grabens zurückzuführen ist. Es wird jedoch deutlich, das gerade die phytophilen Arten in diesen stark verkrauteten Gräben sich erfolgreich fortpflanzen und hier einen Refugialraum finden. 

Fischartenzusammensetzung an der Lokalität

Abb.7: Fischartenzusammensetzung an der Lokalität ""Erfelder Hauptgraben"" (n=24)

"Pumpwerk Kammerhof"

Auch an dieser Lokalität wurden nur die beiden phytophilen Arten Hecht und Schleie nach-gewiesen. Es wurden nur wenige Individuen ge-fangen, so daß keine repäsentative Aussage zum Arteninventar dieses dem Schusterwörther Altrhein sehr nahe-gelegenen Grabens ge-macht werden kann. 

Fischartenzusammensetzung an der Lokalität

Abb.8: Fischartenzusammensetzung an der Lokalität "Pumpwerk Kammerhof" (n=16)

5 Bewertung

Die Anlage von sogenannten "Grabentaschen" im Grabensystem des Erfelder-Astheimer Entwässerungsverbandes wurde im Rahmen der Agenda 21 (externer Link) von der Gruppe "Außenrum" angedacht und steht nun vor kurz vor der Ausführung. Sinn der Grabentaschen soll es sein, das Grabensystem ökologisch aufzuwerten. Die Grabentaschen sollen dabei schwerpunktmäßig den Fischen als Refugialraum, Laich- und Aufwuchshabitat dienen. Ein besonderer Augenmerk wird dabei auf dies phytophilen (pflanzenlaichenden) Arten gelegt, die in der hessischen Rheinaue nur noch wenige geeignete Lebensbedingungen finden. Aber auch für viele wirbellose Tiere und für einige Amphibienarten sind positive Effekte zu erwarten.

Um zu erfahren was für ein Arteninventar die Gräben beherbergen und welche Besiedlung zu erwarten ist, wurden im Jahr 2001 erste orientierende Untersuchungen durchgeführt. Hierzu wurden drei unterschiedliche Lokalitäten ausgewählt. Leider konnte nur eine Beprobung stattfinden die jedoch erste interessante Ergebnisse bezüglich des Arteninventars und somit auf das Entwicklungspotential und die ökologische Funktion der Grabentaschen im Grabensystem liefert.

Die wichtige ökologische Funktion, die die Grabentaschen haben sollen, soll anhand der ersten fischökologischen Ergebnisse kurz erläutert werden.

Jungfischaufkommen im Schusterwörther Altrhein 1994-1997 (aus Korte 1999 verändert)

Abb. 9: Jungfischaufkommen im Schusterwörther Altrhein 1994-1997 (aus Korte 1999 verändert)

Wie schon dargelegt finden nur wenige phytophile Fischarten im Bereich der hessischen Rheinaue geeignete Reproduktionsbedingungen.

Häufig ist der Fortpflanzungserfolg eng mit dem Wasserstand des Rheins verbunden (z.B. Hecht). Ansonsten finden diese Arten nur noch in den Gräben und abgeschlossenen pflanzenreichen Weihern geeignete Bedingungen. Abb. 9 zeigt das Jungfischaufkommen im Schusterwörther Altrhein, im Zeitraum 1994-1997. Man erkennt deutlich wie gering der Reproduktionserfolg der pflanzenlaichenden Arten Hecht, Schleie und Rotfeder im Schusterwörther Altrhein war. Ähnliche Befunde wurden im Stockstadt-Erfelder Altrhein und im Rheinhauptstrom gemacht (Korte 1999). Betrachtet man im Vergleich dazu die ersten orientierenden Ergebnisse im Hinblick auf diese Arten (Abb.9), so erkennt man, das gut ein Fünftel der gefangenen Fische im "Hauptgraben Wächterstadt" pflanzenlaichende Arten waren. An den anderen beiden Lokalitäten waren es sogar alle gefangenen Individuen. 

Vorkommen von phytophilen Arten im Bereich der Untersuchungslokalitäten.

Abb. 10: Vorkommen von phytophilen Arten im Bereich der Untersuchungslokalitäten.

Zwar lag die Individuenzahl im Bereich des "Pumpwerks Kammerhof" und auch im "Erfelder Hauptgraben" nicht sehr hoch, doch die Ergebnisse deuten auf das Potential hin, das diese Gräben beherbergen. Es ist sogar zu erwarten, das der Schlammpeitzger (Missgurnus fossilis), eine bei uns stark gefährdeter Fischart (Anhang II Art der FFH Richtlinie) in diesen noch Gräben vorkommt.

Um die Gräben ökologisch möglichst wertvoll zu gestalten, sollten dabei folgende Punkte beachtet werden:

  • Die Grabentaschen sollten hinreichend tief ausgehoben werden, um Wasserpflanzenbestände gegenüber den Sumpfpflanzen zu fördern und ein völliges Austrockenen zu verhindern.
  • Der hohe Nährstoffreichtum des Gebietes bedingt auf der Oberfläche vieler Stillgewässer mehr oder minder geschlossene Decken von Schwimmpflanzen vor allem Lemna und Spirodela, stellenweise auch Azolla, die das Aufkommen anderer Makrophyten durch Lichtabschluß verhindern. Gerade Lemna-Decken stellen sich vor allem auf mäßig beschatteten Wasserflächen ein. Daher sollten zur Anlage der Grabentaschen voll sonnenexponierte Standorte gewählt werden sollten.

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6 Literatur

Balon, E. K. (1975): Ecological guilds of fishes: a short summary of the concept and its application. Verh. Internat. Verein. Limnol. 19: 2430-2439.

Balon E. K. (1985): Early life history of fishes: new development ecological and evolutionary perspectives. - Developmental and Environmental Biology of Fishes, 5 Dordrecht.

Balon, E. K. (1991): Epigenesis of an epigeneticist: the development of some alternative concepts on the early ontogeny and evolution of fishes. - Guelph Ichthyol. Rev. 1: 1-48.

Bless, R., Lelek, A. & Waterstraat, A. (1994): Rote Liste und Artenverzeichnis der in Deutschland in Binnengewässern vorkommenden Rundmäuler und Fische, Cyclostomata, und Pisces, pp. 137-156: In E. Nowak, E.J. Blab & Bless, R. Rote Liste der gefährdeten Wirbeltiere in Deutschland Kilda Verlag.

Korte, E. (1999): Bestandsentwicklung der Fischarten der hessischen Rheinaue ? Reproduktionsstrategien, Jungfischaufkommen Gefährdung, Entwicklungstendenzen. Dissertation Universität Marburg 186 pp.

Lelek, A. & Buhse, G. (1992): Fische des Rheins - früher und heute -. - 214 S. (Springer) Berlin, Heidelberg. 

Lelek, A. & S. Lusk (1965): Über die Abhängigkeit von Fischvorkommen an die Flußmorphologie. - Zool. listy, 14 (3):225-234, 1965. (Tsch. mit engl. Zusammenfassung).

Mühlenberg, M. (1989): Freilandökologie. - Quelle und Meyer, Heidelberg, Wiesbaden, 430 pp.

Peter, A. (1991): Ansprüche von Fischen an die Morphologie und Hydrolologie der Bäche. - In: Mitteilungen der EAWAG (Dez.1991).

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