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Naturschutzgebiet
Kühkopf-Knoblochsaue

Aue und Retentionsraum

Ein Bild vom überschwemmten Kühkopf, aus der Luft aufgenommen

Das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue zeichnet sich durch einen großräumigen Biotopkomplex verschiedener Auen- Lebensgemeinschaften aus. Auf engstem Raum wechseln Wasserflächen und offene Schlammufer, ausgedehnte Röhrichtbestände, stehende Gewässer, Auenwiesen, Krautsäume und Strauchgürtel, Hecken sowie naturnahe Weich- und Hartholz-Auenwälder ab.

Der Wechsel zwischen großen Hochwässern, kleineren Überschwemmungen und Trockenfallen macht die Auendynamik aus. In den sehr naturnahen Auenbereichen brüten zahlreiche, auch teilweise vom Aussterben bedrohte Vogelarten. Auf dem jährlichen Vogelzug rasten fast alle, auch die ganz selten gewordenen Arten in diesem Gebiet, das deshalb das Prädikat eines Europareservats als herausragendes Vogelschutzgebiet trägt.

Der Kühkopf in seiner jetzigen Form entstand durch eine Begradigung des Flußlaufes 1828/29 unter dem hessischen Oberbaudirektor Kröncke, steht aber nach wie vor als natürlicher Retentionsraum des Stroms, also als Überflutungsraum bei Hochwasser, zur Verfügung. Das Gebiet ist nicht durch Winterdeiche abgeschnitten. Der Hauptstrom wurde durch den Rheindurchstich am "Geyer" verkürzt, aber die Überschwemmungsfläche nicht vermindert.

Jahrhundertelang hatte der Rhein zuvor selbst sein Strombett immer wieder verändert und ohne menschliche Eingriffe auch schon den Eicher Altarm durch eine Begradigung abgeschnitten.

Der Schwarzmilan: Symbol des Kühkopfs

Der Schwarzmilan, der Symbolvogel des Kühkopfs

Der Schwarzmilan ist der Symbolvogel des Naturschutzgebiets Kühkopf-Knoblochsaue. In Deutschland vom Aussterben bedroht, hat er im Europareservat - im Auwald des Kühkopfs - Überlebenschancen gefunden. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa siedeln und brüten so viele Milane wie hier.

Der bei uns seltene Schwarzmilan ist an seinem elegant schaukelnden Flug und am schwach gegabelten Schwanz zu erkennen. Über seiner Beute steht er oft flügelschlagend an einer Stelle in der Luft. Der größere Verwandte, der Rotmilan, ist bunter und hat einen tiefer gegabelten Schwanz.

Auf dem jährlichen Vogelzug kehrt der Schwarzmilan im März aus Afrika zu seinen Niststätten in Mitteleuropa zurück, wenn er sich dort ungestört fühlt.

Im Frühling kann man den Schwarzmilan auf den Hochzeitsflügen in großer Höhe beobachten. Das Weibchen legt 2 bis 3 Eier, die es 28 Tage bebrütet. Dabei wird es zeitweilig vom Männchen abgewechselt. Die Jungen verlassen den Horst nach 42 bis 45 Tagen.

Der Schwarzmilan nistet auf hohen Bäumen, mit Vorliebe in alten Eichen, wo er Horste aus nachlässig aufeinandergelegten Zweigen und Ästen baut.

Nahrungsgrundlage des Schwarzmilans sind in erster Linie Kadaver und Fischreste.

Der Auenwald

Der Auenwald

Typisch für das Landschaftsbild im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue ist die Weichholzaue. Sie schließt sich an die Röhrichtzone im natürlichen Zusammenhang an, ist geprägt von den vorherrschenden Silberweiden mit alten, knorrigen, oft hohlen Stämmen, die Nist- und Zufluchtstätten für viele Vogelarten sind. Die Silberweiden können wie andere Weidenarten bis zu 300 Tage im Jahr im Wasser stehen, ohne Schaden zu nehmen.

Weichholzauen entstehen nur unter ganz speziellen Bedingungen. Die nur wenige Tage dauernde Samenreife der Weiden muss in eine Zeit mit einem ganz bestimmten für die Keimung günstigen Wasserstand fallen. Deshalb bestehen Weichholzauen meist nur aus relativ gleichaltrigen Bäumen.

In der Weidenau verbreitet ist auch die Schwarzpappel.

An den höher gelegenen Plätzen befindet sich die Hartholzaue. Neben Eiche und Ulme wird sie durch die Esche, Wildapfel, Wildbirne und eine Vielzahl von Sträuchern geprägt. Einige Bäume der Hartholzaue wie die Eichen und die Ulmen vertragen bis zu 100 Überflutungstage im Jahr.

In der Hartholzaue liegen die Brutplätze der meisten Greifvögel des Reservats. Leider ist die Ulme seit einigen Jahren zunehmend von einem Absterben betroffen, verursacht durch einen Pilz, der vom Ulmensplintkäfer übertragen wird. Zu den Schönheiten des Kühkopfs zählen die Blütenteppiche der Hartholzwälder, besonders berühmt die Bestände des Bärlauchs und des Blausterns, deren Gefilde im April und Mai wahren Blütenmeeren gleichen.

Die Auewiesen

Die Auenwiesen

Unter den seltenen Pflanzengesellschaften des Naturschutzgebiets Kühkopf-Knoblochsaue stellen die Auenwiesen, gegliedert durch markante Einzelgehölze und Baumgruppen, noch eine herausragende Besonderheit dar. Besonders wertvoll sind sie, weil sie sowohl auf feuchten Arealen als auch an trockenen Standorten liegen.

Tiefliegende und mehrmals im Jahr überflutete Wiesen sind selten geworden. Ihre Artenzusammensetzung ist dem Wechsel der Wasserstände angepaßt.

Besonders in den grobkörnigen Gebieten sind interessante und im Bestand bedrohte Pflanzenarten vertreten: Zwergveilchen und Gräbenveilchen, Färberscharte, Kantenlauch und Echter Haarstrang. Der Kantenlauch fällt durch seine einmalig violetten Blüten auf, die sich zeitweise wie Teppiche ausbreiten. Zu den Pflanzen der tiefen Senken gehören Sumpfrispengras und Kriechender Hahnenfuß.

Derartige Pflanzengesellschaften sind selten anzutreffen, viele Arten gelten als im Bestand bedroht. Deshalb sind die Wiesen des Naturschutzgebiets Kühkopf-Knoblochsaue, wenn auch weniger beachtet, so doch besonders schutzwürdig.

In den Wiesen brüten natürlich viele, auch bestandsbedrohte Vogelarten, die beim Brutgeschäft nicht gestört werden dürfen.

Insekten und das Schnakenproblem

Auf der Vielfalt und der Vielzahl der Insekten baut sich der Nahrungskreislauf auf, die Voraussetzung für die Existenz vieler anderer Tiere. Die Insekten sind wichtigste Nahrungsgrundlage für Fische, Spinnen, Frösche, Vögel und Kleinsäuger.

Zuckmücke

Käfer stehen mit rund 1.500 Arten im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue an der Spitze. Stark vertreten sind auch die Hautflügler, so Hornissen und Schlupfwespen. Auf den Wiesen finden Schmetterlinge und Schwebfliegen ihre Lebensräume, die Wasserflächen sind das Reich der Libellen, Eintagsfliegen und Mücken. Allein 24 Libellenarten wurden bisher festgestellt.

Besonders zahlreich und artenreich sind die in den feuchten Lebensräumen verbreiteten Zweiflügler. Bis zu 10.000 Individuen kommen auf einem Quadratmeter vor, insbesondere Larven.

In bestimmten Flachwasserzonen wurden im Laufe eines Jahres sogar bis zu 40.000 geflügelte Insekten auf einem Quadratmeter ermittelt. Solche Werte werden weltweit nur selten übertroffen. Einen großen Anteil daran haben die Zuckmücken. Sie sind die stärkste Gruppe, darunter mit etwa 20 Arten die Stechmücken.

Die in Myriadenschwärmen auftretenden Schnaken (Rheinschnaken), lateinisch exakt Aedes vexans, werden als besonders lästig empfunden. Aber nur die Rheinschnaken-Weibchen stechen. Die Stechmücken werden seit 15 Jahren durch "integrierte Bekämpfung" mit B.t.i., großtechnisch gezüchteten Bakterien, reduziert.

Die Aue und ihre Tierwelt

Die Rheinaue beherbergt aufgrund der Schwankungen der Wasserstände eine spezifische Pflanzen- und Tierwelt.

So sind im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue acht Amphibienarten vertreten.

Ein Frosch

Am ehesten wird der Besucher die Erdkröte, den Grünfrosch und den Moorfrosch entdecken, die im ganzen Naturschutzgebiet heimisch sind, in den Altwässern ebenso wie im Altrhein. Besonders das abendliche Froschkonzert zieht immer wieder viele Bewunderer an. Die anderen Arten sind nur vereinzelt vorhanden.

Reptilien machen sich rar, aber zwei Arten kommen auf dem Kühkopf häufiger vor: die Ringelnatter und die Zauneidechse. Die Ringelnatter liebt die Teiche und die Altarme, die Zauneidechse eher trockene und warme Plätze in der Landschaft.

Wiesen und Hecken sind das Reich der Wespen und Hornissen, der Schmetterlinge und Käfer. Die Vorkommen werden gegenwärtig erforscht, besonders der Käferreichtum in zerfallenden Weich- und Hartholzauen.

Durch die Gewässerverschmutzung sehr gelitten hat die Fischfauna. Erst in den letzten 20 Jahren konnte durch Kläranlagen die Rheinwasserqualität wieder verbessert werden. Von ehemals 47 heimischen Arten sind 43 wieder im Rhein verbreitet, 24 davon in den Altwässern des Naturschutzgebiets Kühkopf-Knoblochsaue. Viele Arten sind aber immer noch gefährdet, so die Wildform des Karpfens, die Karausche, der Aland, der Steinbeißer und die Quappe. Lachs, Maifisch, Stör und Nordseeschnäpel bleiben verschollen.

Das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue

Lage, Geschichte und Bedeutung

Die Landschaft Kühkopf-Knoblochsaue ist Teil des Oberrheingrabens, der besonders in den letzten 100 Jahren immer stärker besiedelt und industrialisiert wurde. Die Folge: Es blieb wenig Raum für die Natur.

Eine Ausnahme bildet das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue. Es umfaßt zirka 2.370 Hektar. Dies entspricht - als Vergleichsgröße - etwa ebenso vielen Fußballfeldern. Damit ist das Naturschutzgebiet eines der größten und bedeutendsten Refugien der Natur im Land Hessen.

Die Rheininsel Kühkopf entstand 1828/29 durch die Begradigung des Rheins. Große Teile der Flußschleifen wurden dadurch vom Hauptstrom abgeschnitten, verlandeten oder bildeten Einzelgewässer. Von Zeit zu Zeit aber kehrt der Strom zurück und überschwemmt die Insel.

Kükopf vor dem Rheindurchstich
Haas'sche Karte: Kühkopf 1797 - vor dem Rheindurchstich

Warum Naturschutzgebiete?

Ursprünglich wurde das Gebiet Kühkopf-Knoblochsaue schon 1952 unter Naturschutz gestellt, damals jedoch mit einer Verordnung, die der Land- und Forstwirtschaft viel mehr Raum ließ. Die Knoblochsaue war damals noch zum Teil militärisches Übungsgebiet.

Aufgrund der Störungen durch Militär und Tourismus wurde dem Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue 1973 vorübergehend das Prädikat des "Europareservats des Vogelschutzes" entzogen, dann aber aufgrund konsequenteren Schutzes 1983 wieder verliehen.

Der Autoverkehr ist seitdem grundsätzlich von der Insel verbannt, nicht aber der Mensch. Es gibt über 60 Kilometer Wanderwege und Radwege für die stille Erholung im Naturschutzgebiet. Beobachtungsstände bieten Einblicke auch in die sensiblen Bereiche. Mit Abstand allerdings, denn viele Arten sind besonders durch Störungen bedroht. Jedes Tier hat spezielle Aktionsradien und eine individuelle Fluchtdistanz.

Lehrpfade und das Naturschutz-Informationszentrum werben um Verständnis der Besucher für die Natur -und insbesondere um deren Rücksicht auf Tiere und Pflanzen, wenn sie sich in der Natur bewegen. Die rechtlichen Bestimmungen finden sich im Hessischen Naturschutzgesetz und der speziellen Naturschutzgebietsverordnung, die im Info-Zentrum einzusehen sind.

Weitere Informationen

Das Naturschutz-Informationszentrum Kühkopf-Knoblochsaue ist je nach Jahreszeit zu unterschiedlichen Zeiten geöffnet.

Auskunft über Öffnungszeiten und Führungen geben:

Über das Europreservat Kühkopf-Knoblochsaue gibt es auch eine umfangreiche und informative Homepage des Regierungspräsidiums. Neben Wissenswertem zu Flora und Fauna der einmaligen Altrheininsel und der Auenlandschaft, gibt es einen Veranstaltungskalender, Wanderpläne und eine Literaturliste.

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