Von Piraten und Paddlern

Flaschenpost der Kita Kinderland wird erstaunliche acht Mal gefunden – und ist immer noch unterwegs

Fünf Kinder auf einem Sofa zeigen eine Karte und Briefe
Fünf der ehemaligen Riesen mit Karte und einigen der Flaschenpostbriefe

Die „Riesen“ der Kita Kinderland sind seit Ende der Sommerferien noch ein wenig größer geworden – aus den angehenden Schulanfängern der Kindertagesstätte in der Pestalozzistraße 4 in Riedstadt-Goddelau sind richtige Schulkinder geworden. Doch Nelli, Lena, Amelie, Koueni und Jana zieht es dennoch immer wieder von der benachbarten Schulkindbetreuung in ihre ehemalige Kita, genaugenommen in deren Flur. Denn dort hängt säuberlich dokumentiert eine schier unglaubliche Geschichte.  

Ihren Ausgang nahm sie beim Fahrradausflug der über 20 „Riesen“ mit einigen Eltern, Erzieher Erwin Schwach und Erzieherin Claudia Triller am 14. Juni diesen Jahres auf den Kühkopf. Mit im Gepäck: eine Glasflasche mit wasserdichten Schnappverschluss, ein Stift und ein dekorativ auf alt gestaltetes Blatt Papier. „Die Kinder haben mir diktiert, was ich schreiben sollte“, erzählt Schwach und Amelie ergänzt: „Und wir haben alle unterschrieben.“  

Unter der Anrede „Lieber Seefahrer, liebe Seefahrerin“ heißt es nach Namen und Anschrift des Kindergartens: „Könnten Sie uns bitte antworten. Wo ist die Flaschenpost gelandet?“ So weit, so normal. „Unsere angehenden Schulkinder haben auch in früheren Jahren schon eine Flaschenpost auf ihrem Abschlussausflug losgeschickt, haben aber nie eine Antwort bekommen“, erzählt Kitaleiterin Yvonne Dickler.  

Das sollte dieses Mal ganz anders sein. Nach und nach trudelt nicht nur eine Antwort ein, sondern zunächst zwei E-Mails und ein Brief. Schon diese Zahl sorgt für beglücktes Staunen – und der Brief für Begeisterung bei Großen und Kleinen. „Arr, Arr, ihr Leichtmatrosen. Heute befuhr ich mit dem Stolz der sieben Weltmeere – meinem Piratenschiff, der Regenbogen-Korrette „Bunter Gunter“ – die Gewässer des Rheins bei Koblenz-Kesselheim. Wir ankerten am Rhein-Hafen und lauerten auf Beute, als mein treuer Freund „Polly“, der Schmalzahn-Papageien-Affe, losflog und mir eine mysteriöse Flasche aus den Stromschnellen fischte“, beginnt der Brief des „Captain Keinbart Klein.“ An das Ende des Schreibens ist sogar eine Münze geklebt. Warum, erklärt Captain Keinbart auch: „Eine alte Piratenweisheit lautet: Findet ein Pirat eine Flaschenpost, so muss er seinen wertvollsten Schatz teilen. Daher überlasse ich euch einen verwunschenen Silbertaler aus dem Indischen Ozean.“  

Doch es sollte noch besser kommen: Denn am 3. Oktober kommt eine weitere E-Mail an – mit umfangreichen Anhängen. Denn Max und sein Onkel Peter haben die Flaschenpost nicht nur gefunden und eine Antwortmail geschrieben, sondern auch alle Dokumente in der Flasche abfotografiert, bevor sie die mittlerweile schon weit gereiste Flasche wieder in den Rhein warfen. Und so erfuhren die Riesen, dass ihre Flaschenpost, bisher nicht nur vier, sondern unglaubliche acht Mal entdeckt wurde.  

Eine Karte im Kita-Flur zeigt die genauen Fundorte: Am 30. Juni fischen Luis (elf Jahre) und Denis (zehn Jahre) die Flasche in Ginsheim aus dem Rhein und schreiben auf die Rückseite der Karte „Wir haben beschlossen, die Flasche wieder auf Reise zu schicken.“ Genauso machen es Lukas (zwölf Jahre) und Felix (zehn Jahre), die sie am 6. August in Mainz finden. Die nächste Notiz stammt vom 12. August, geschrieben auf einem Campingplatz in Boppard. Der Piratenbrief wird am 25. August in Koblenz verfasst, während der nächste Eintrag in der Flaschenpost lautet: „Hallo! Gefunden am 12.09.19 in Remagen und weiter auf die Reise geschickt.“ Mabella und Alan (sechs und drei Jahre) finden die „Zauberflasche“ am 15. September am Bonner Rheinufer – und am selben Tag notieren Susanne, Jens und Jan: „Nachmittags haben wir die Flasche beim Paddeln in Bonn-Graurheindorf aus dem Rhein gefischt. Uns interessiert auch, wie sie weiterreist.“  

Der letzte Eintrag stammt von Max und Opa Peter, die die Flasche in Wesseling bei Köln gefunden und mitsamt allen Dokumenten wieder auf die Reise geschickt haben. Nun warten die ehemaligen Riesen und alle Kitakinder sehnsüchtig auf weitere Post. Doch selbst, wenn sie nun verschollen sein sollte, ist die Geschichte ihrer Flaschenpost eine tolle Erfolgsgeschichte. „Bis jetzt ist sie 199 Kilometer gereist“, sagt Lena voller Stolz.

Unser Foto zeigt von links nach rechts Lena, Amelie, Nelli, Jana und Koueni mit Karte und einigen der Briefe aus ihrer Flaschenpost.