Transparenz für Eltern

Büchnerstadt informiert Gesamt-Kita-Beirat über Vergaberichtlinien für die städtische Kinderbetreuung

Personalmangel schafft massive Probleme bei der städtischen Kinderbetreuung
Personalmangel schafft massive Probleme bei der städtischen Kinderbetreuung

Der Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung ist in der Büchnerstadt Riedstadt - wie im gesamten Kreis Groß-Gerau und dem Rhein-Main-Gebiet - trotz umfangreicher Personalgewinnungsmaßnahmen weiterhin hoch. Aktuell sind im Kreis Groß-Gerau alleine in den kommunalen Einrichtungen 75 Stellen unbesetzt, hinzukommen weitere 30 vakante Stellen bei der Stadt Rüsselsheim.  

Über diese ernüchternden Zahlen informierte Bürgermeister Marcus Kretschmann die Elternvertreter aus Riedstadts Kindertagesstätten in ihrer Gesamt-Kita-Beiratssitzung. Dem Bürgermeister wie den Vertretern des Fachbereichs Kinder, Jugend und Soziales war es wichtig, die Eltern so transparent und frühzeitig wie möglich über die Situation und die daraus folgenden Konsequenzen zu informieren.  

Wegen unbesetzter Erzieher*innenstellen werden in Riedstadt 20 bis 40 Kinder sowohl im Krippen- wie auch im Kindergartenbereich nicht versorgt werden können, erklärte der scheidende Fachbereichsleiter Richard Malz-Heyne in seiner letzten Gesamt-Kita-Beiratssitzung. Weshalb hat der Magistrat eine Konkretisierung der Vergabekriterien für die städtische Kinderbetreuung beschlossen hat. Ziel war es, die Kriterien für die Eltern nachvollziehbar und transparent zu gestalten und sie viel früher über eine mögliche Zu- oder Absage zu informieren, damit Eltern besser planen können.  

So soll über eine Zusage oder Ablehnung bereits viereinhalb Monate vor dem gewünschten Kita- oder Krippenbeginn informiert werden. Der Nachweis über die aktive Berufstätigkeit beider Eltern (auch Ausbildung und Studium, nicht aber passive Elternzeit) darf bei der Anmeldung nicht älter als drei Monate sein.  

Bei der Krippe ist ausschlaggebend für die Reihenfolge bei der Vergabe freier Plätze  der nachgewiesene Bedarf: Der größere Umfang an Wochenbetreuungszeiten hat Vorrang, bei gleichen Voraussetzungen entscheidet das Los. Sowohl der Umfang der Betreuung als auch das Wunschdatum der Aufnahme wird auf Plausibilität überprüft und gegebenenfalls korrigiert - im ersteren Fall nach den vorgelegten Arbeitsbescheinigungen, im zweiten unter Berücksichtigung der Eingewöhnung. Wird das Kind bereits in der Tagespflege betreut, ist der Rechtsanspruch erfüllt und die Anmeldung wird nachrangig berücksichtigt.  

Im Kindergartenbereich werden Betreuungszeiten von 12:00 bis 14:00 Uhr mit Mittagessen, der Frühdienst von 7:00 bis 8:00 Uhr, der Spätdienst von 16:00 bis 17:00 Uhr und der Freitagnachmittag von 14:00 bis 16:00 Uhr nur mit aktuellem Nachweis der aktiven Berufstätigkeit beider Eltern vergeben. Die Festlegung der Reihenfolge erfolgt einrichtungs- und stadtteilübergreifend nach folgenden Kriterien: Kindergartenkinder, die länger als sechs Monate noch einen Krippenplatz belegen vor Alter des Kindes (ab vier Jahren). Gefolgt von der aktiven Berufstätigkeit beider Eltern mit Nachweis und schließlich der Umfang der Wochenbetreuungszeiten plausibel nach Arbeitsbescheinigungen. Sind die Voraussetzungen gleich, muss am Ende das Losverfahren entscheiden.  

Zwillinge und Drillinge werden gemeinsam berücksichtigt. Werden kurzfristig Plätze frei, zum Beispiel durch Umzug, erfolgt die Vergabe nach der letzten Festlegung der Reihenfolge. In Einrichtungen mit längerem Betreuungsangebot sollen vorrangig Anmeldungen mit entsprechenden Bedarf berücksichtigt werden. Wenn nach der Reihenfolge kein Platz in der Wunsch-Kita vorhanden ist, wird zunächst ein Platz im gleichen Stadtteil vergeben. Danach wird stadtteilübergreifend geschaut.  

Die Elternvertreter anerkannten die Notwendigkeit, dass angesichts der angespannten Lage die Vergabekriterien präziser formuliert wurden und begrüßten die damit einhergehende größere Transparenz für Eltern. Zugleich hatten sie einige Nachfragen und Anregungen.  

Positiv fand ein Vater, dass mit den neuen Kriterien der bisherige „Tagespflege-Tourismus“ verhindert werden soll, weil viele Eltern die Tagespflege nur als kurzfristige Notlösung bis zu einem Krippenplatz gesehen und entsprechend Unruhe in die Tagespflege gebracht hatten. Er wollte aber sichergestellt wissen, dass Tagespflegekinder dann später bei der Vergabe von Kindergartenplätzen nicht schlechter gestellt werden.  

Eine Rückgabegarantie auf den Platz mit Mittagessen nach Beendigung der Elternzeit kann die Stadt nicht geben, bedauerten die Fachbereichsvertreter. „Wir können Eltern doch nicht einen von vorneherein befristeten Essensplatz geben. Da können sie ja überhaupt nicht planen“, verdeutlichte die stellvertretende Fachbereichsleiterin Heidi Rinker, was eine Garantie im Umkehrschluss für den neuen Inhaber des Platzes bedeutet. „Wir würden es nicht machen, wenn es anders ginge“, versicherte Malz-Heyne und betonte: „Wir wollen offen mit Ihnen sein.“

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