Fröhliches Fest der Freundschaft

Riedstädter feiern mit Delegationen ihrer drei Städtepartner ausgelassen Verschwisterungsjubiläen

Historisch und künstlerisch wertvoll: Puppenspiel aus Sortino
Historisch und künstlerisch wertvoll: Puppenspiel aus Sortino
Das Jugendparlament diskutiert über die Absenkung des Wahlalters
Das Jugendparlament diskutiert über die Absenkung des Wahlalters
Open air auf dem Rathausplatz: Die Leeheimer BüchnerBühne zeigt ihre Form des „Jedermann“
Open air auf dem Rathausplatz: Die Leeheimer BüchnerBühne zeigt ihre Form des „Jedermann“
Die Trommelgruppe „Riedmuss“ unterhält mit afrikanischen Rhythmen
Die Trommelgruppe „Riedmuss“ unterhält mit afrikanischen Rhythmen
Gemeinsam, vielsprachig und ökumenisch: Gottesdienst auf dem Rathausplatz
Gemeinsam, vielsprachig und ökumenisch: Gottesdienst auf dem Rathausplatz
Karategruppe des Turn- und Sportvereins Goddelau
Karategruppe des Turn- und Sportvereins Goddelau
Die Tanzmäuse des Turnvereins Erfelden
Die Tanzmäuse des Turnvereins Erfelden

Bei herrlichstem Sonnenschein eröffneten Bürgermeister Marcus Kretschmann und der Hessische Staatssekretär für Europaangelegenheiten Mark Weinmeister am Freitagnachmittag mit dem „Dorf der Freundschaft“ auf dem Kerweplatz Goddelau zugleich das Wochenende zur Feier von gleich drei Verschwisterungsjubiläen: 40 Jahre mit dem französischen Brienne-le-Château und seiner Region und je 25 Jahre mit Sortino auf Sizilien und dem litauischen Tauragė. „Ein besonderes Dankeschön an alle Riedstädter für das geleistete Engagement“, sprach Weinmeister aus. Denn Städtepartnerschaften würden einen besonderen Beitrag für Frieden und den Zusammenhalt in der EU leisten. „Gleich drei davon sind schon was ganz Besonderes“, betonte der Staatssekretär.  

Bereits zuvor hatten sich die Delegationen aus den verschiedenen Ländern im Weindorf aufs Herzlichste begrüßt, gab es ein fröhliches italienisch-französisch-litauisch-deutsches Sprachdurcheinander. Im Zweifelsfall ging es mit Händen und Füßen weiter – Verständigung und Stimmung waren bestens. So sollte es das ganze Wochenende bleiben. Ob im Weindorf mit kulinarischen Spezialitäten aus allen beteiligten Regionen, beim Familienfest und Bühnenprogramm auf dem Rathausplatz, den Diners ganz in Weiß bei den Heimat- und Geschichtsvereinen von Crumstadt, Erfelden und Wolfskehlen oder der großen 90er Jahre Party „MaiSummer Beats“ mit unter anderem Culture Beat und Moderator Mola Adebisi auf dem Sportplatz Goddelau – überall wurde entspannt miteinander gesprochen, gestaunt und gefeiert.  

Am Wochenende der Europawahl war nicht nur Europa, sondern waren auch seine demokratischen Errungenschaften ein wichtiges Thema. So diskutierte in dem zuvor feierlich in „Raum Brienne-le-Château“ benannten Sitzungssaal im dritten Stock des Rathauses die Klasse 8D der Martin-Niemöller-Schule als Jugendparlament die Frage „Soll es ein Wahlrecht ab 16 Jahren geben?“ Die 13- bis 14jährigen Gesamtschüler hatten sich zuvor Pro- und Contra-Diskutanten ausgeguckt, die mit großem Ernst ihre Argumente vortrugen. Jugendliche seien noch zu unreif, leicht zu manipulieren und könnten andere Formen der politischen Beteiligung wahrnehmen, war da etwa von den Gegnern einer Herabsetzung des Wahlalters zu hören. Wer in der Ausbildung sei und Steuern zahle, sollte auch wählen dürfen, eine neue Generation müsse an Politik herangeführt und den überwiegend älteren Wählern die Gestaltung der Zukunft nicht alleine überlassen werden, konterten die Befürworter. Ihre Beweisführung überzeugte am meisten: eine überwältigende Mehrheit des Publikums sprach sich am Ende für eine Herabsetzung des Wahlalters aus.  

Wenig später übernahmen im selben Raum erwachsene Politiker das Mikrofon: In anregender Diskussion auch mit den Besuchern sprachen das Mitglied des Europäischen Parlaments Michael Gahler (CDU), die Hessischen Landtagsabgeordneten Gerald Kummer (SPD) und Nina Eisenhardt (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Wolfgang Prawitz (Pfarramt für Bildung und Ökumene EKHN) über „Europa – Gemeinschaft für die Zukunft. Moderator Christian Preiser bilanzierte am Schluss: „Europa ist vor allem eines: eine lohnende und wichtige Aufgabe für Generationen.“   Auf der Bühne auf dem Rathausplatz zeigten am Samstagnachmittag nicht nur Riedstädter Vereine ihr Können, sondern hatten auch Puppenspieler aus Sortino mit ihren traditionellen Marionetten einen vielbeachteten Auftritt. Am Abend dann amüsierte die BüchnerBühne Riedstadt mit ihrer Rhythm & Blues-Mystery-Version des „Jedermann“, bei der sich Jedermann Donald Trump zu seiner Verwirrung und dem Amüsement der Zuschauer nach „Gollum – äh Golle“ verirrt.   Am Sonntagvormittag dann der harmonische und tief beeindruckende Abschluss eines außergewöhnlichen Verschwisterungs-Wochenende: Über 300 Besucher aus vier Ländern feierten miteinander einen ökumenischen Gottesdienst, den nicht nur die evangelischen Pfarrer*innen Helga Donat (Goddelau) und Matthias Faber (Erfelden) sowie der katholische Pfarrer Anton Lucaci aus Riedstadt gestalteten, sondern auch Gläubige aus Italien, Frankreich und Litauen. Zudem rezitierte der Imam der Ahmadiyya-Gemeinde Riedstadt eine Sure auf Arabisch und auf Deutsch.   Mit einem ebenfalls hervorragend besuchten Frühschoppen auf dem Rathausplatz mit dem Musikzug Leeheim klang das dreitägige Fest der europäischen Freundschaft entspannt aus.

Mehr zur offiziellen Feierstunde mit Neuunterzeichnung der Partnerscahftsurkunden ist in unserer Meldung Freude ohne Grenzen nachzulesen.