AWV-Zentralisierung bringt Kostenvorteile

Rückmeldungen für abschließende Gebührenkalkulation notwendig

Ab 2020 gilt ein einheitliches Abfallsystem für sieben Verbandskommunen
Ab 2020 gilt ein einheitliches Abfallsystem für sieben Verbandskommunen

Die Mitgliedskommunen im Abfallwirtschaftsverband Kreis Groß-Gerau (AWV) haben beschlossen, die Abfalleinsammlung und Gebührenerhebung im Verbandsgebiet ab dem Jahr 2020 zu vereinheitlichen und zu zentralisieren. Ziel sind geringere Kosten aufgrund absehbarer Synergieeffekte, die über die Abfallgebühren an die Gesamtheit der Haushalte zurückfließen. Bereits im ersten Jahr erzielt der Verband eine Reduzierung der seitherigen Gesamtkosten. Dabei setzt das neue Einsammlungs- und Gebührensystem weitere Anreize zur Müllvermeidung und Mülltrennung. Es lehnt sich an bereits etablierte Modelle an, z. B. in den Landkreisen Darmstadt-Dieburg (ZAW) und Bergstraße (ZAKB).

Die gesamten über die Abfallgebühren zu verteilenden Kosten sinken – schon alleine durch die erzielten günstigeren Ausschreibungsergebnisse – von seither 8,86 Mio. Euro auf 8,78 Mio. Euro. Diese Zahl ist vorsichtig kalkuliert und in diesem Sinne als vorläufig zu betrachten. Der Gesamtbetrag enthält zudem einmalige Kosten z. B. für die Erstauslieferung der neuen Müllgefäße, die nach zwei Jahren wegfallen und die Gesamtkosten – und damit auch die Gebührenbelastung – weiter vermindern.

Im Rahmen der vorläufigen Gebührenkalkulation waren die Gesamtkosten – gesplittet nach Restmüll, Biomüll und Altpapier – auf die Gesamtheit der Müllgefäße in Abhängigkeit der Behältergröße und die Anzahl der Leerungen pro Jahr zu verteilen. Prinzipiell neu ist dabei die Wahlmöglichkeit der Haushalte, ob sie ein etwa nur halb befülltes Müllgefäß zur Abholung bereitstellen oder ggf. Gebühren sparen, wenn sie es erst bei der nächsten Tour leeren lassen.

Da die auf die Haushalte zu verteilenden Gesamtkosten niedriger sind als in der Vergangenheit, bedeutet dies eine durchschnittliche Entlastung der Haushalte. Dabei sind sicher auch Fälle denkbar, bei denen es – in Abhängigkeit der gewählten Gefäßgrößen und der benötigten Zahl an Leerungen – zu einer Mehrbelastung kommt.

Allerdings wäre im Rahmen der Kalkulation die Annahme sicherlich falsch, dass jeder Haushalt zukünftig freiwillig den Abfuhrturnus und die Behältergröße beibehält, die er in der Vergangenheit obligatorisch hatte. Vielmehr ist es bei dieser Kalkulation realistisch anzunehmen, dass Haushalte auch auf kleinere Gefäße umsteigen uns nicht jede angebotene Leerung in Anspruch nehmen.

Insoweit sind Vorher-Nachher-Vergleiche unter Beibehaltung seitheriger Behältergrößen und Abfuhrrhythmen mit entsprechend relativ hohen rechnerischen Mehrbelastungen in den meisten Fällen nicht wirklich zutreffend.

Bei der vorläufigen Gebührenkalkulation mussten deshalb Annahmen getroffen werden, wie viele Leerungen die Haushalte durchschnittlich in Anspruch nehmen werden. Darüber hinaus waren Annahmen zu treffen, welche Behältergrößen im Verbandsgebiet bereitzustellen sind. Hierbei wurde hinsichtlich der Leerungen davon ausgegangen, dass die Restmüllgefäße im Durchschnitt aller Haushalte 18 mal pro Jahr, die Biomüllgefäße 33 mal im Jahr geleert werden. Hierbei wurde mangels eigener Erfahrungswerte auf Daten anderer Abfallzweckverbände zurückgegriffen.

Sollten sich bei diesen Annahmen andere Werte bewahrheiten, indem im Durchschnitt mehr Leerungen pro Jahr notwendig sind, verändert dies die Kalkulationsgrundlage und führt unmittelbar zu geringeren Gebühren je Leerung. Sollte der Verband höhere Einnahmen erzielen, als dies zur Deckung der Gesamtkosten notwendig ist, fließen solche Überschüsse in eine „Gebührenausgleichsrücklage“. Diese ist im Rahmen der nächsten Gebührenkalkulation (ab 2022) aufzulösen und über eine abgesenkte Gebühr an die Haushalte zurückzugeben. Eine Gewinnabführung an die Mitgliedskommunen geschweige denn an Einzelpersonen oder -gruppen findet nicht statt und wäre zudem rechtswidrig.

Ab dem 19. Juli 2019 wurden die Grundstückseigentümer im Verbandsgebiet über die Veränderung informiert, insbesondere auch über die auf der Grundlage der o. g. Gesamtkosten und der getroffenen Annahmen vorläufig ermittelten Gebührenspannen. Die Eigentümer wurden gebeten, die gewünschte künftige Gefäßausstattung mitzuteilen.

Die Rückmeldefrist vom 6. August 2019 ist tatsächlich kurz und hinsichtlich der Ferienzeit für einige Haushalte auch schwierig. Hierzu möchten wir ausführen, dass die Haushalte im Verbandsgebiet zum für den AWV frühestmöglichen Zeitpunkt informiert wurden, da vorher noch keine Ergebnisse der vorläufigen Gebührenkalkulation vorlagen. Gleichzeitig muss die Produktion der neuen Müllgefäße in wenigen Wochen beginnen, damit die Auslieferung rechtzeitig zum Jahresende stattfinden kann. Hierzu ist es wiederum erforderlich, die Zahlen der benötigten Gefäße möglichst genau zu wissen.

Sollten Haushalte ihre Angaben erst nach dem 6. August machen können, wird sich der Verband auf jeden Fall darum bemühen, die nachträglich gelieferten Daten noch zu berücksichtigen. Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass der Verband umso genauer kalkulieren kann, je früher er den Bedarf kennt.

Inzwischen liegen bereits von über 50 Prozent der Haushalte die Rückmeldungen vor. Auch dies werten wir positiv.

Die in den Mitteilungen an die Grundstückseigentümer mitgeteilten Gebührenbandbreiten wurden sehr vorsichtig berechnet. Die im Anschreiben an die Haushalte enthaltenen Angaben bewegen sich zwischen dem vorläufig errechneten Mittelwert und dem Maximalwert. Nachdem bereits über die Hälfte der befragten Eigentümer ihre Antwortkarte zurückgesandt haben, konnte in der Sitzung des Verbandsvorstands am 31.07.2019 festgestellt werden, dass sich sämtliche zukünftige Abfallgebühren eher an der unteren Grenze der aufgezeigten Preisspanne bewegen. Eine weitere Unterschreitung ist zumindest möglich. Sobald ein Überblick über die Gesamtzahlen der bestellten Abfallbehälter vorliegt, können die tatsächlichen Gebühren abschließend kalkuliert werden.

Auch vor dem Hintergrund der derzeit kontrovers geführten öffentlichen Diskussion ist sich der Vorstand des Abfallwirtschaftsverbands sicher, mit der Zentralisierung die Abfalleinsammlung auf ein zeitgemäßes, ökologisch sinnvolles System umzustellen und dabei im Sinne der Bürgerinnen und Bürger Kosten zu sparen.

ViSdP:
Abfallwirtschaftsverband Kreis Groß-Gerau (AWV)
Stadthausplatz 1
64579 Gernsheim
Telefon 06258 108-179
E-Mail: info(at)awv-gg.de
Internet: www.awv-gg.de

Das Foto stammt von pixabay.com

Was sich für Riedstadt ändert, haben wir in unserer Pressemeldung "Abfalleinsammlung ab 2020" erläutert; die Ankündigung der Fragebogenaktion ist unter "Neue Abfallbehälter" nachzulesen