Was für eine Frau: Pädagogin, Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, Soldatin, eine Anarchistin, die unerschrocken ihren Weg ging und Zeit ihres Lebens gegen soziale Ungerechtigkeit kämpfte und vor allem: „die mutigste Frau von Paris“. So stellte Suzanne Bohn Louise Michel vor, die zentrale Gestalt der Pariser Kommune von 1871, berühmt-berüchtigt zu ihrer Zeit und heute nahezu vergessen.
Seit vielen Jahren kommt Suzanne Bohn auf Einladung des Kulturbüros und der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Büchnerstadt Riedstadt zum Internationalen Frauentag in die Kunstgalerie am Büchnerhaus, um in einem abwechslungsreichen Vortrag bekannte und auch nicht so bekannte Frauen aus Frankreich vorzustellen. „Über die Jahre haben wir viel über Frankreich und die französischen Frauen gelernt“, merkte die Frauenbeauftragte Jennifer Muth schmunzelnd in ihrer Begrüßung der vielen Frauen und drei Männer in der ausverkauften Kunstgalerie an.
Das galt ganz besonders auch für Louise Michel, die „rote Jungfrau“ oder „moderne Jeanne d’Arc“, eine der tonangebenden Frauen der Pariser Kommune, „der kürzesten Regierungsform, die Frankreich je hatte“, wie Bohn trocken anmerkte. Denn Bestand hatte sie nur wenige Wochen, bevor sie in der sogenannten „Blutwoche“ vom 21. bis 28. Mai 1871 von Regierungstruppen in bis dahin nicht gekannter Grausamkeit niedergeschlagen wurde.
Geboren wurde Louise Michel am 29. Mai 1830 auf Schloss Vroncourt als uneheliche Tochter einer Dienstmagd, „das Ergebnis einer Vergewaltigung durch den Schlossherrn Étienne Demahis oder seines Sohnes, das wurde nie ganz geklärt“, erläuterte Bohn. Die Eltern von Étienne Demahis adoptieren das Mädchen und sorgen für eine gute Ausbildung. Nach dem Tod der Großeltern werden die 20jährige und ihre Mutter aus dem Schloss vertrieben. Da sie niemals heiraten möchte, beschließt Louise, Grundschullehrerin zu werden. Nach ihrem Examen gründet sie eine Mädchenschule, die allerdings viel zu wenig Geld abwirft. 1852 geht sie nach Paris und lebt im Armenviertel Montmartre. Nach dem Motto „Kunst für alle, Brot für alle, Bildung für alle“, unterrichtet sie in Armenschulen, bringt Frauen gratis das Lesen bei – und wird militant. Bohn zitierte Louise Michel: „Wenn die Stunde kommt und sich die Männer als zu schwach erweisen, werden Frauen vorneweg marschieren und ich mit.“
Die Stunde kommt, als sich die Pariser Bevölkerung nach der Niederlage im preußisch-französischen Krieg von 1870/71 weigert, die von der konservativen Regierung ausgehandelten Kapitulationsbedingungen zu akzeptieren. Es kommt zum bewaffneten Volksaufstand und der Bildung eines sozialistischen Stadtrats – der Pariser Kommune, die nur vom 18. März bis 28. Mai 1871 Bestand haben sollte. Louise Michel ist mittendrin dabei, als Sanitäterin, aber auch als Soldatin. Nach der blutigen Niederschlagung der Kommune mit weit über 10.000 Toten stellt sich Louise Michel im Austausch für ihre gefangen genommene Mutter. In ihrem Prozess wird sie nicht, wie von ihr gefordert, zum Tode verurteilt, sondern nach Neukaledonien deportiert.
Als sie im Juli 1880 mit den übrigen Deputierten amnestiert wird und nach Paris zurückkehrt, wird sie wie ein Star gefeiert. Sie kämpft weiter für soziale Gerechtigkeit und wird zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Attentäter schießt ihr 1888 in den Kopf, sie überlebt schwerverletzt. Am 9. Januar 1905 stirbt Louise Michel in Marseille. Ihr Sarg wird mit dem Zug nach Marseille gebracht. Rund 120.000 Menschen begleiten ihren Weg vom Bahnhof bis zu ihrer letzten Bleibe.



