Die BüchnerBühne - neben dem Büchnerhaus die zweite Säule des Vereins BüchnerFindetStatt - hat vor, im Sommer 2027 ein Theaterstück aufzuführen, das sich anhand der Ereignisse der Paulskirchen-Revolution von 1848 mit aktuellen Aspekten unserer gefährdeten Demokratie auseinandersetzt. Um das Stück mit möglichst vielen Aktiven aus dem Vereinsleben und der Kommunalpolitik zu entwickeln, wird jetzt zu einer Besprechung am Sonntag, 19. April um 15 Uhr in die Kunstgalerie am Büchnerhaus in Riedstadt-Goddelau (Weidstraße 9) eingeladen. Dann wird der künstlerische Leiter der BüchnerBühne, Christian Suhr, seine Ideen genauer vorstellen und fürs Mitmachen werben. Der Eintritt ist frei.
Das Theaterprojekt unter dem Titel „Freiheit für Krähwinkel“ war ursprünglich bereits für dieses Frühjahr vorgesehen, wurde dann wegen der zu erwartenden Förderung durch die Stiftung der Orte der deutschen Demokratiegeschichte auf das Jahr 2027 verschoben. Es hat das Ziel, den Kampf um liberale und demokratische Strukturen während der ersten deutschen Revolution sowie die Ursachen seines vorläufigen Scheiterns nachvollziehbar in unsere gesellschaftliche Gegenwart zu übertragen.
„Denn wir kämpfen den gleichen Kampf heute - nur in umgekehrter Richtung. Ging es damals um Bürgerrechte, die noch nie jemand hatte, laufen wir heute Gefahr, lang gewohnte Freiheiten leichtfertig reaktionären Tendenzen preiszugeben, wenn wir die notwendige Auseinandersetzung hierüber nicht neu erlernen“, erläutert Christian Suhr. Zweck des Theaterprojekts ist, zu diesem demokratischen Streit zu ermutigen.
„Krähwinkel“ ist überall! Seit 1800 fand dieser symbolische Ort durch den Dichter Jean Paul, den Dramatiker Kotzebue und den Satiriker Nestroy Eingang in die deutschsprachige Kulturgeschichte. Hier sind Borniertheit und Fremdenfeindlichkeit zu Hause, die Infrastruktur schlecht, Hierarchien senkrecht und alles so, wie es schon immer war … Doch auf einmal erscheint ein Herr aus Frankfurt und verkündet, es habe eine Revolution gegeben, in der Paulskirche trete ein Parlament zusammen, um allen Deutschen eine Verfassung zu geben - die Freiheit käme also auch nach Krähwinkel! Doch was will die hier?
Die BüchnerBühne will mit ihrer Idee im Kern vor allem vermitteln, „dass es Freude bringen kann, Sinn ergibt und Bedeutung hat, wenn man sich als Individuum entscheidet, für das Gemeinwesen, in dem man lebt, einzustehen und sich an dessen Pflege und Entwicklung zu beteiligen. Nicht gegen andere, sondern vor allem miteinander. Dazu ist es nötig, die gemeinsamen Werte und deren Herkunft zu kennen, beziehungsweise wieder zu entdecken. Die Geschichte des Theaterprojektes erzählt von den heftigen Geburtswehen eben dieser Werte in deutschen Landen um das Jahr 1848. Theater ist vor allem ein Format für Begegnung. Shakespeare sagte: „Die abgekürzte Chronik und der Spiegel der Zeit“ „Und wenn wir gemeinsam in diesen Spiegel schauen, erkennen wir: Unsere Gegenwart ist Folge einer konkreten Entwicklung und wir schreiben selbst Geschichte - ob wir es wollen oder nicht. Durch Reden oder Schweigen, durch Teilnahme oder Passivität. Deshalb laden wir nicht nur zum Zuschauen, sondern auch zum Mitgestalten ein.“, so Suhr.
Das Riedstädter Theater spricht alle Bürgerinnen und Bürger, örtliche Heimat- und Geschichtsvereine sowie Laienspielgruppen aus der Region an, bei der Projektentwicklung mitzuarbeiten und/oder auf der Bühne mitzuspielen. „Ziel dieser Einladung ist, spielerisch die Erfahrung zu ermöglichen, wie wir Gegenwart und Zukunft selbst gestalten können, wenn wir wissen, was wir wollen und warum uns das wichtig ist.“, meint Suhr abschließend.


