Was soll das sein: Ein normaler Mensch

Im Club der Dichter geht es am 22. Februar um das Buch „Botanik des Wahnsinns“

Zu sehen ist der Umschlag des Buches mit dem Titel "Botanik des Wahnsinns" und drei Blüten, die wie Vogelköpfe aussehen.
Buchcover: Dumont Buch Verlag

 Beim „Club der Dichter“ genießen immer mehr Gäste die entspannte Atmosphäre im Theatercafé der BüchnerBühne. Zumal wenn die geschulte Stimme des Schauspielers und Theaterleiters Christian Suhr ein aktuelles Buch aus der langen Liste der Empfehlungen vorstellt. Gespanntes Zuhören und gemeinsames Erleben bereichern neben einem Frühstücksangebot (ab 10 Uhr) den Sonntag.  

Am Sonntag, 22. Februar steht der Roman von Leon Engler „Botanik des Wahnsinns“ auf dem Programm. Die Lesung beginnt um 11 Uhr. Natürlich kann das Buch direkt im Anschluss an die Lesung auch erworben oder später in der städtischen Bücherei kostenlos ausgeliehen werden. Denn der "Club der Dichter" ist eine Kooperationsveranstaltung von BüchnerFindetStatt mit der Städtischen Bücherei und der Buchhandlung Faktotum. Eintrittskarten für den Club der Dichter gibt es zum Preis von 13 Euro an der Tageskasse oder für 10 Euro im Vorverkauf. Nähere Informationen zu den Vorverkaufsstellen und zum Online-Ticketshop sind auf der Internetseite www.buechnerfindetstatt.de (Rubrik: Tickets) nachzulesen.

 Der Roman handelt von der höchst dysfunktionalen Familiengeschichte des Autoren. Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe.  Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch.  

Leon Engler wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien-, Kulturwissenschaft und Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Er ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben. „Botanik des Wahnsinns“ ist sein Debütroman.