„Seid neugierig auf neue Autoren“

Gespräch mit Alina Hesse in der Lese- und Schreibwerkstatt

Autorin Alina Hesse und Jugendpfleger Kai Faßnacht sitzen mit Jugendlichen um einen Tisch. In der Mitte liegen viele Bücher.
Autorin Alina Hesse und Jugendpfleger Kai Faßnacht mit den Teilnehmenden der Lese- und Schreibwerkstatt.

Diese Lese- und Schreibwerkstatt macht ihrem Namen alle Ehre: der Tisch ist übersät mit Büchern und Notizen. Um ihn herum sitzen fünf junge Menschen, die im angeregten Gespräch eine Autorin mit Fragen löchern. Alina Hesse ist 19 Jahre jung und damit nur wenig älter die Teilnehmenden des Ferienangebots im Jugendhaus Goddelau – und sie war erst 17, als ihr erstes von mittlerweile drei Büchern im Selbstverlag erschien. Begeistert wollen die Zehn- bis 15jährigen unter anderem wissen, wie es sich anfühlt, das eigene Buch in Händen zu halten, wie sie auf ihre Ideen kommt, warum sie im Selbstverlag veröffentlicht und ob sie auch mal einen Comic schreiben will. Letztere Frage verneint die Autorin aus Rüsselsheim lachend. „Ich bin zeichnerisch völlig unbegabt“, bekennt sie.  

Sie alle an diesem Tisch im ersten Stock des Jugendhauses eint die Liebe zum Buch. Alina Hesse hat von klein auf Bücher verschlungen und betätigt sich auch als Buchbloggerin. Da war der Schritt nicht weit, auch selber schreiben zu wollen. Dabei bevorzugt sie einen Genre-Mix aus Krimi und Fantasy. „Ich war zu jung“, erklärt sie, warum sie erst gar nicht den Versuch unternommen hat, für ihr erstes Buch „Detective & Magic – Explosiv“ einen Verlag zu finden. Stattdessen hat sie ihr Führerscheingeld dafür investiert, das Buch im Selbstverlag herauszubringen.  

„Ich finde es cool, dass ich es im Selbstverlag mache. Dieses Buch zum Beispiel hat ein Daumenkino – so etwas kann ich ganz alleine entscheiden“, erklärt Hesse und zeigt auf ihr jüngstes Buch „Drahtseilakt – Tod & Zirkus“. Sie betont aber auch, dass Selbstverlag noch lange nicht bedeutet, alles selbst zu machen. Sie habe ein sehr gutes Team an ihrer Seite, arbeite mit einer Innen- und Coverdesignerin, einer Korrektorin und einer Illustratorin zusammen.  Bis ein Buch in den Druck gehe, durchlaufe es mehrere Korrekturphasen. „Wenn man das Paket mit den ersten gedruckten Exemplaren aufmacht und zum ersten Mal sieht, woran man so lange gearbeitet hat, ist es überwältigend“, erzählt sie. „Seid neugierig auf neue Autoren, geht einfach mal hin zu einer Lesung“, appelliert Jugendpfleger Kai Faßnacht an die Workshop-Teilnehmenden. Auch mit Alina Hesse gab es schon eine Lesung in Riedstadt: Zum Deutschen Krimitag hat sie am 8. Dezember 2025 gemeinsam mit Autor Dieter Stiewi in Riedstadt gelesen und dabei „Drahtseilakt“ vorgestellt.  

Der Nachmittag mit der Jungautorin ist eingebettet in drei Tage, in denen sich alles um das geschriebene Wort dreht. Lennard, Tim, Tyler, Lilly und Mads stellen sich gegenseitig ihre Lieblingsbücher vor, feilen jeweils an eigenen Texten und diskutieren mit Jugendpfleger Faßnacht Tipps zum kreativen Schreiben. Es bleibt aber auch ausreichend Zeit, sich mit einem Buch in einen Sessel zurückzuziehen und nach Herzenslust zu schmökern. „Das hier ist keine Schule, hier kann jeder machen, wozu er Lust hat“, erklärt Faßnacht. Ein Besuch in einer Buchhandlung mit Blick hinter die Kulissen und ausführlichem Gespräch mit einem Buchhändler gab es dann noch zum Abschluss der Lese- und Schreibwerkstatt.