Klassisch-romantische Phantasmagorie

Neue Folge der Veranstaltungsreihe FreitagsFaust ist am 23. Mai auf der BüchnerBühne zu erleben

 

Mit der Veranstaltungsreihe FreitagsFaust präsentiert die BüchnerBühne Riedstadt chronologische Ausschnitte aus dem klassischen Meisterwerk Goethes. Am Freitag, 23. Mai ab 19:30 Uhr steht der Abend in Riedstadt-Leeheim (Kirchstraße 16) unter dem Titel „Klassisch-romantische Phantasmagorie“. Eintrittskarten sind zum Preis von 23 Euro an der Abendkasse oder vorab für 20 Euro (ermäßigt 17 Euro) an den verschiedenen Vorverkaufsstellen oder online im Ticketshop (buechnerfindetstatt.de) erhältlich.

 Faust ist im zweiten Teil der Tragödie während einer Zeitreise durch die klassische Antike auf verzweifelter Suche nach der schönen Helena. Endlich begegnet er ihr: Hinter ihr liegt das Gemetzel des trojanischen Kriegs, den ihre Entführung ausgelöst hat. Ihr siegreicher Gatte Menelas hat sie vorgeschickt, damit sie ein Opfer vorbereite. Sie fürchtet, dass er sich an ihr rächen will. Vor dem verwaisten Palast zu Sparta sitzt die alte, hässliche Schaffnerin, hinter der sich Mephisto mit seiner abscheulichen Phorkyas-Maske verbirgt. Er hält Helena ihre vielen Liebhaber vor und deutet an, dass ihr die schicksalhafte Entführung durch Paris nicht gerade unwillkommen war. Dann warnt er, der eifersüchtige Menelas wolle Helena köpfen und als Opfer darbringen. All das überzeugt Helena, mit Mephisto auf eine mittelalterliche Burg nicht weit von Sparta zu flüchten.

 Dort trifft sie Faust und ist entzückt von dessen schwärmender Rede. Die beiden liebkosen einander in Wort und Tat, als Phorkyas, beziehungsweise Mephisto, eintritt und die Ankunft des wütenden Menelas ankündigt. Faust ruft seine Heerführer zum Kampf. Gemeinsam besiegen sie nicht nur den gehörnten Gatten, sondern erobern auch die gesamte Peloponnes-Halbinsel. Faust lässt sich daraufhin mit Helena in Arkadien nieder. Euphorion wird geboren, ein entzückender, aber auch wagemutiger Knabe. Seine Luftsprünge bereiten den Eltern Sorgen; er springt immer höher und setzt bald zu einem großen Flug an, um für die Freiheit der Griechen zu kämpfen.

 Doch nach wenigen Metern stürzt er ab, seinen Eltern zu Füßen. Helena nimmt Abschied von ihrem Geliebten und folgt ihrem Sohn in die Unterwelt. Ihr Kleid und ihr Schleier verwandeln sich in eine Wolke, auf der Faust davonschwebt.

Die Arbeit an „Faust“ erstreckte sich mit langen Unterbrechungen über einen Zeitraum von 60 Jahren und spiegelt Goethes sich wandelnde Wahrnehmung der beginnenden Moderne. Anfang der 1770er Jahre erscheint der Urfaust, 1790 „Faust. Ein Fragment“. 1808 folgt „Der Tragödie erster Teil“. Am zweiten Teil, der auf seinen Wunsch hin erst nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte, arbeitet Goethe vor allem in den letzten sieben Jahren vor seinem Tod.

So wie sich Goethes Wahrnehmung der Moderne veränderte, so hat auch „Faust“ eine bewegte Rezeptionsgeschichte hinter sich. Der titelgebende Charakter gilt als Inbegriff des modernen Menschen. Im späten 19. Jahrhundert war er Symbolfigur für tätiges Streben und Verherrlichung wissenschaftlich-technischen Fortschritts, in der DDR wurde er als Vorkämpfer für den Arbeiter- und Bauernstaat gesehen. Heutzutage stehen eher die katastrophalen Folgen von Fausts Handeln im Mittelpunkt des Interesses, die als hellsichtige Diagnose des fragwürdigen Charakters unserer Moderne interpretiert werden.

 Faust gilt inhaltlich und angesichts der Textfülle gemeinhin als „schwerer Stoff“. Die BüchnerBühne bietet mit ihrer Reihe FreitagsFaust unterhaltsame und verständliche Häppchen des Gesamtwerks sowie Interpretationen und Hinweise zur Entstehungsgeschichte.