So ein Forscher kann erst einmal ganz schön zerstreut wirken. Da fällt ihm zur großen Begeisterung der Kinder schon mal bei der Begrüßung eine Gummischlange aus dem Tropenhut, oder zieht er mit dem Brief des Bürgermeisters lauter Gummiinsekten aus der Tasche. Doch was Dr. Cornelius Gitterbaum, alias Kulturbüroleiter Marco Hardy, dann von einer seiner Forschungsreisen in den Dschungel zu berichten hatte, war so unterhaltsam wie spannend und lehrreich.
Zum 77. Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai hatten Hardy und Bürgermeister Marcus Kretschmann Kinder und ihre Familien zu einer besonderen Entdeckungsreise in die Kunstgalerie am Büchnerhaus eingeladen. Der Bürgermeister empfing die Gäste, stellte Wahlscheine für die Kinder aus und erklärte in der Begrüßung, was eigentlich das Grundgesetz genau ist. Es sei ein Regelbuch, auf dem alle Regeln aufgebaut seien, damit die Menschen in Deutschland gut miteinander leben könnten, erklärte er. Die wichtigste Regel laute, dass jeder Mensch wertvoll sei und nicht ausgegrenzt werden dürfe. Damit die Kinder besser verstehen, wie das mit dem Regelbuch und der Demokratie funktioniert, hatte der Bürgermeister einen Spezialisten eingeladen.
Dr. Gitterbaum kam denn auch und wuchtete mit Hilfe des Bürgermeisters eine große, schwere Kiste auf die Bühne. Diese enthielt nicht nur Forscherbilder und einen halben Dschungel, aus ihrem schier unerschöpflichen Fundus erklärte er auch einleuchtend, wie das denn nun mit dem Zusammenleben nach Regeln funktionieren kann. „Ganz früher, bei den Höhlenmenschen, war der Stärkste der Bestimmer“, sagte der Forscher und zog eine Keule aus der Kiste. „Da man aber nicht den ganzen Tag Leuten auf den Kopf hauen kann, um zu zeigen, dass man der Chef ist, dachten sich die Menschen später Zeichen und Dinge aus, um den Bestimmer zu erkennen“, führte er weiter aus – und setze sich eine Krone auf den Kopf. Weil das auch nicht fair ist, kam die Idee mit der Demokratie auf, damit alle mitbestimmen können. Die Geschichte, wie die Tiere im Dschungel die Demokratie erfunden haben, hatte Dr. Gitterbaum den Kindern mitgebracht.
Denn dort hatte er erlebt, wie die Tiere den ganzen Tag stritten über so Fragen wie „Wer darf zuerst am Fluss trinken?“, oder „Wer kriegt die größte Banane?“. Also hatte Erdmännchen Elvis die Idee, dass die Tiere einen Bestimmer finden sollten, der solche Fragen regelt. Und prompt ging der nächste Streit los. Die Löwen wollten Bestimmer sein, weil sie ja schon König der Tiere seien. Die Zebras fanden, sie als friedliebende Pflanzenfresser sollten das besser übernehmen. Das Amt reklamierten aber auch die Elefanten für sich, weil sie schließlich die größten und stärksten Tiere seien. Da hatte Erdmännchen Elvis die rettende Idee: In einer geheimen Wahl sollten die Tiere bestimmen, wer von ihnen Vertreter für die anderen Tiere sein sollte, um mit den anderen Vertretern beraten und gute Lösungen für die Tiere zu finden.
Weil das eine so tolle Idee war, traten die Kinder zur ersten Riedstädter Dschungelwahl an: Aus Sitzkissen wurde eine Wahlkabine gebaut, ältere Kinder zu Wahlhelfern bestimmt und dann wurde gewählt. Bei einer beneidenswerten Wahlbeteiligung von 100 Prozent gingen die Zebras als Wahlsieger hervor. Dank der Entega-Stiftung durfte jede Familie dann noch ein Bilderbuch „Bestimmer sein. Wie Elvis die Demokratie erfand“ mit nachhause nehmen.





