Smartphone und PC haben das Leben nachhaltig verändert. Über Messenger-Dienste werden schnell Verabredungen getroffen, der neueste Schnappschuss aus dem Familienleben gezeigt oder einfach nur kommuniziert. Bankgeschäfte, Wechsel von Energieversorgern, Kontakt zur Krankenversicherung – vieles lässt sich bequem von zuhause digital erledigen. Doch ältere Menschen fühlen sich von dieser Entwicklung oft überfordert und zurückgelassen.
Um auch ihnen Teilhabe zu ermöglichen, hat die Riedstädter Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Jennifer Muth vor einiger Zeit eine ehrenamtliche Beratung für älter werdende Menschen initiiert, die Hemmschwellen vor der digitalen Welt abbaut und beim Umgang mit dem PC oder Handy berät.
Eine Initiative, die auf sehr großes Interesse stößt. In einem Raum des Riedstädter Rathauses sitzen Heinz Osterod und Brigitte Lautenbach mit Berater Hans-Jürgen Pretzel und Muth zusammen. „Ich bin richtig glücklich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir die App zu erklären“, bedankt sich Osterod bei Pretzel. Ihm ging es ähnlich wie Lautenbach, die sagt: „Ich kenne mich nicht mit meinem Handy aus, will es aber nutzen. Es ist mir schon gezeigt worden, aber das war alles viel zu schnell für mich.“
Das hören Pretzel und die ehrenamtliche Beraterin Monika Becker häufig. Sie nehmen sich Zeit und erklären Schritt für Schritt die Funktionsweise von WhatsApp und Co. Doch manchmal kommen auch sie an ihr Limit. Denn Osterod wollte eigentlich auch Hilfe bei der Installation einer Krankenkassen-App für seine elektronische Patientenakte (ePA). „Das ist viel zu kompliziert. Jede Krankenkasse hat ein anderes Verfahren, zum Teil sind zur Einrichtung auch zwei Apps notwendig“, ärgert sich Pretzel. So war das Verfahren bei seiner Krankenkasse auch eine andere als bei der von Osterod. Osterod hat sich jetzt entschieden, sich bei seiner Krankenkasse vor Ort beraten zu lassen – allerdings werden die Wege zu Zweigstellen auch immer weiter.
„Ältere Menschen werden abgehängt, weil so viel Grundlegendes über das Handy läuft“, findet auch Gleichstellungsbeauftragte Muth. Sie findet es besorgniserregend, dass gerade bei so einem wichtigen Thema wie Gesundheit die Hürden besonders hoch sind. Umso dankbarer ist sie für das ehrenamtliche Engagement der beiden Fachleute mit langjähriger IT-Erfahrung.
In der Regel bieten sie am ersten und dritten Mittwoch im Monat von 9 bis 11 Uhr in der Bücherei Wolfskehlen und in einem Raum des Riedstädter Rathauses eine kostenlose Beratung an. Für die Beratung ist lediglich eine vorherige Anmeldung bei Jennifer Muth notwendig: Telefon 06158 181-119, oder E-Mail: frauenbeauftragte(at)riedstadt.de.
Darüber hinaus vermittelt die Gleichstellungsbeauftragte Unterstützung für Menschen, die im fortgeschrittenen Alter alleine zuhause leben und sich bei leichten Reparaturarbeiten überfordert fühlen. Für solche Fälle hat Muth eine ehrenamtlich tätige Person gefunden, die mit Rat und Tat unterstützt.


