Die Bauphase des Projekts „Aus Grau wird Grün“ in Riedstadt-Wolfskehlen ist beendet, vor kurzem wurde die Einweihung der mit Bundesmitteln geförderten Maßnahme gefeiert. Nun steht die zweite Phase der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen zum Projekt an. Dabei geht es darum, zu untersuchen ob und wenn in welchem Umfang sich die Anlage neuer Grünflächen mit Staudenbepflanzung und neuen Bäumen schon auf das Lokalklima auswirkt. Insbesondere steht die Wärmerückstrahlung über den Straßen- und Gehwegbereichen in der Heinrich-Heine-Straße, der Oppenheimer Straße und – als Vergleich – der Gerhardt-Hauptmann-Straße im Fokus des Interesses.
Nicht begrünte, versiegelte Bereiche heizen sich insbesondere an heißen Sommertagen tagsüber stark auf und geben die am Tag gespeicherte Wärme in der Nacht wieder an die Umgebung ab, sodass es auch nachts in bebauten Bereichen oft kaum zu einer Abkühlung kommt. Ziel der jetzt anstehenden Untersuchungen ist es, konkret vor Ort festzustellen, ob und in welchem Umfang die durchgeführte Umgestaltung von versiegelten Bereichen in Grünflächen tatsächlich zu einer spürbaren Verbesserung des Lokalklimas führt, indem unter anderem die nächtliche Wärmerückstrahlung vermindert wird. Dazu hatte es vor Beginn der Umbaumaßnahmen im Hochsommer 2024 erste Drohnenbefliegungen gegeben, sodass nun Vergleichswerte vorliegen.
Es ist geplant, im Zeitraum zwischen dem 13. und 31 Juli bei gutem Wetter (sonnige Tage ohne starke Windbewegungen) einzelne Drohnenflüge in den genannten Straßenzügen durchzuführen, wobei die Flugzeiten jeweils zwischen 10 und 15 Uhr am Tag sowie zwischen 0 und 4 Uhr in der Nacht liegen. Die Drohnenflüge zu wissenschaftlichen Zwecken sind vom Luftfahrtbundesamt genehmigt und werden von Mitarbeitern der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt.
Dabei werden zur Bestandserfassung Aufnahmen mit einer sehr hochauflösenden Kamera im Bereich des sichtbaren Lichts sowie Aufnahmen mit einer hochauflösenden Wärmebildkamera durchgeführt. Die Flughöhe beträgt 40 Meter, die Geschwindigkeit bis maximal 3 Meter pro Sekunde. Die Flugroute der Drohne wird ausschließlich entlang von Straßenzügen programmiert. Bei der Flughöhe von 40 Metern kann es aufgrund des steilen Blickwinkels so wirken, als würde die Drohne direkt über dem Beobachter fliegen, obwohl der tatsächliche horizontale Abstand mehrere Meter beträgt. Es wird daher darum gebeten, den kurzen Flug (ca. 7–10 Minuten) geduldig abzuwarten und währenddessen nicht mit den Piloten zu sprechen.
Die eingesetzte Spezial-Drohne ist 1,7 Meter groß (von Propellerspitze zu Propellerspitze) und wiegt 13-15 kg. Die Drohne gehört dem Lab3 Laborverbund der Hochschule Rhein-Waal. Das Kamerasystem wurde von Marcel Dogotari an der Professur für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung der Justus-Liebig-Universität Gießen entwickelt. Die Kooperation dieser beiden Hochschulen ermöglicht die Durchführung der Untersuchungen in Riedstadt.
Die Gerhardt-Hauptmann-Straße wird in die Flüge miteinbezogen, obwohl dort keinerlei Umgestaltungsmaßnahmen durchgeführt wurden oder in naher Zukunft geplant sind. Dies dient dazu, eine Kontrollfläche zu haben, um die Effekte von Straßen mit Umgestaltung in Grünflächen und denen ohne Grünflächen besser vergleichen zu können. Die Ergebnisse werden nach Vorliegen zeitnah von der Stadt Riedstadt auf der Projektseite bereitgestellt. Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.riedstadt.de/aus-grau-wird-gruen


