Wie lassen sich die Ernte der eigenen Photovoltaik-Anlage und der Strombezug aus dem Netz klug kombinieren, sodass nicht nur die Umwelt, sondern auch der Geldbeutel profitiert? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Werkstattgesprächs „Spar mit Solar“, das am Mittwochabend, 18. März, im Goddelauer Rathaus stattfand. Rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, um sich über die neuen Möglichkeiten der Energiewelt zu informieren.
Als kompetenter Referent konnte Christoph Schaaf von der ehrenamtlichen Initiative Heiner*Solar aus Darmstadt gewonnen werden. Mit viel Herzblut und physikalischem Sachverstand erläuterte der ehemalige Nachrichtentechniker, wie die vollständige Elektrifizierung der Sektoren Wärme und Mobilität die Anforderungen an unser Stromnetz verändert.
Im Zentrum des Vortrags standen dynamische Stromtarife und variable Netzentgelte. Während herkömmliche Tarife starre Preise haben, orientieren sich dynamische Modelle an den tatsächlichen Handelspreisen der Strombörse. „Netzdienliches Verhalten“ lautet hier das Stichwort: Wer seinen Verbrauch – etwa das Laden des Elektroautos oder den Betrieb der Wärmepumpe – in Zeiten verlagert, in denen viel Wind- oder Sonnenstrom im Netz verfügbar ist, profitiert von niedrigeren Preisen. Auf der Grundlage von Preisen eines regionalen Anbieters zeigte Schaaf, dass sich beim nächtlichen Laden eines E-Autos mit dynamischem Stromtarif und variablem Netzentgelt bis zu 50 Prozent der Stromkosten im Vergleich zum starren Tarif einsparen lassen.
Intelligente Messsysteme (iMSys) landläufig Smart Meter genannt) und „Home Energy Management Systeme“ (HEMS) sorgen dafür, dass zum Beispiel Elektroauto oder Batteriespeicher nachts mit günstigem Strom geladen werden, der dann tagsüber, wenn der Strom teurer ist, verbraucht werden kann. So lassen sich Preisspitzen abfangen. Freilich nur, wenn der Strom aus der eigenen PV-Anlage nicht ausreicht. Denn der ist in aller Regel noch preiswerter als die günstigsten Stromtarife.
Durch die Verschiebung des Verbrauches und die Speicherung wird der Strombedarf im Netz verstetigt, der Druck auf den Netzausbau und auf Preise in Spitzenzeiten sinkt. Davon profitieren alle Verbraucherinnen und Verbraucher.
Die rege Beteiligung und die anschließende Diskussion zeigten, wie groß der Wunsch der Riedstädter ist, die moderne Energieversorgung aktiv mitzugestalten. Die Veranstaltung fand im Rahmen des vom Land Hessen geförderten Projekts „Klimafreundliches Riedstadt“ statt. Für alle, die den Termin nicht wahrnehmen konnten oder die Details noch einmal in Ruhe nachlesen möchten, steht die Präsentation von Christoph Schaaf ab sofort auf www.klimafreundliches-riedstadt.de zum Download bereit.


