„Schreiben begleitet die Zeit“

Die aktuelle Büchnerpreisträgerin Ursula Krechel liest am 9. März in der Büchnerstadt Riedstadt

Ursula Krechel hat ein braunes Oberteil mit kurzen Ärmeln an und lehnt sich an einen dunkelbraunen Türrahmen.
Ursula Krechel kommt nach Riedstadt.

Die Büchnerstadt Riedstadt freut sich sehr, dass es erneut gelungen ist, die aktuelle Büchnerpreisträgerin für eine Lesung im Geburtsort Georg Büchners zu gewinnen: Am 1. November 2025 ist Ursula Krechel im Staatstheater Darmstadt mit dem Georg-Büchnerpreis ausgezeichnet worden, nun kommt die Schriftstellerin in die Büchnerstadt: In einer Kooperation der Stadt mit dem Verein BüchnerFindetStatt liest sie am Montag, 9. März um 19:30 Uhr in der BüchnerBühne Riedstadt (Kirchstraße 16) aus ihrem jüngsten Roman „Sehr geehrte Frau Ministerin“.  

Karten kosten im Vorverkauf 20 Euro und sind über www.reservix.de erhältlich. Lokale Vorverkaufsstellen für diese Veranstaltung sind zudem der Empfang des Riedstädter Rathauses, das Theatercafé der BüchnerBühne, die Buchhandlung Faktotum, Florales & Handgemachtes Riedstadt (Weidstraße 5F) die Buchhandlung Bornhofen in Gernsheim und der Empfang des Landratsamtes in Groß-Gerau.  

Die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung hatte in der Begründung der Preisverleihung hervorgehoben, dass Ursula Krechel in ihrem vielfältigen literarischen und essayistischen Oeuvre „den Verheerungen der deutschen Geschichte und Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer vielgestaltigen Literatur entgegensetzt.“  

In ihrer Dankesrede sagte sie: „Schreiben begleitet die Zeit, stolpert, rennt atemlos vor ihr weg oder hinkt ihr nach. Schreiben heißt: Denken, Beobachten, auf Töne und Misstöne achten, Schlüsse ziehen mit weitreichenden Folgen.“ Und in Bezug auf Georg Büchner betont sie: „Schreiben heißt nicht nur: den Stummen, stumm Gemachten, unter Redeverbot stehenden eine Stimme zu geben, sondern dieser Stimme eine Glaubwürdigkeit zu geben, dass sie stimmt. Dass sie gestimmt ist wie ein Instrument. Schreiben heißt in diesem Fall: Kunst. Und alle Höflichkeit, alle Demut den Gegenständen gegenüber nützt nicht. Auf Kunst muss beharrt werden.“  

Ursula Krechel veröffentlichte eine Vielzahl von Gedichtbänden, Prosawerken, Hörspielen, Theaterstücken und Essays. Ihre Romantriologie „Shanghai fern von wo“ (2008), „Landgericht“ (2012) und „Geisterbahn“ (2018) würdigte die Büchnerpreis-Jury als „große Erzählung der Vertreibung und Verfolgung von Juden und Sinti und der Rückkehr in ein Deutschland, in dem das Exil in die Erfahrungen von Fremdheit und Nicht-Zugehörigkeit mündet“.

In ihrem 2025 erschienen Roman „Sehr geehrte Frau Ministerin“ ist Krechel ganz in der Gegenwart und zugleich auch tief in der Geschichte. Sprachgewaltig berichtet sie von schwierigen Mutter-Sohn-Beziehungen, von einer Angestellten in einem Kräuterladen, der titelgebenden Ministerin und einer Lateinlehrerin. Aber auch von Agrippina, die ihrem Sohn Nero zur Macht verhalf und Opfer eines von ihm in Auftrag gegebenen Mordes wurde.  

Krechel erhielt für ihr Werk zahlreiche Preise, darunter den Joseph-Breitbach-Preis (2009), den Deutschen Buchpreis (2012 für „Landgericht“) und nun den Büchnerpreis, der zu den bedeutendsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum zählt. 

Das Foto wurde freundlicherweise von Heike Steinweg Photography zur Verfügung gestellt.