Das Interesse an zukunftssicheren und klimafreundlichen Heiztechnologien ist in Riedstadt enorm: Über 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung zum 29. Werkstattgespräch in das Rathaus in Goddelau. Im Fokus des Abends standen die drängenden Fragen rund um den Austausch von alten Ölheizungen in Hochwasserrisikogebieten.
Die Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Kreis Groß-Gerau und der Verbraucherzentrale stattfand, gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium und das Land Hessen, beleuchtete das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Zu Beginn ordnete Nina Hackel vom Kreis Groß-Gerau die rechtlichen Rahmenbedingungen ein. Sie machte deutlich, warum gerade bei älteren Tankanlagen in hochwassergefährdeten Gebieten ein rascher Handlungsbedarf besteht, um Umweltrisiken und rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.
Bereits seit der Verabschiedung des Wasserhaushaltsgesetzes 2017 stehe fest, dass Tankanlagen in solchen Risikogebieten bis Januar 2033 stillgelegt oder hochwassersicher ertüchtigt sein müssen. Für Überflutungshöhen von mehr als 3,5 Metern gäbe es jedoch keine zugelassenen Tanks, so Hackel. Sie wies dabei auf ein wichtiges technisches Detail hin: Maßgeblich für diese Grenze ist nicht der Wasserstand auf der Straße, sondern die Wassersäule über dem Tankdeckel. Da die Tanks im Keller meist bis knapp unter die Decke reichen und diese durch den Haussockel oft leicht über dem Geländeniveau liegt, weichen die Fluthöhe des Grundstücks und die kritische Überflutungshöhe des Tanks in der Praxis voneinander ab. Bereiche, in denen dies zutreffe, gäbe es in Leeheim und Erfelden, so Hackel. In diesen Bereichen bliebe nur der Umstieg auf ein anderes Heizsystem.
Welche Heizsysteme möglich sind, erläuterte Sanierungsmanager Krick im Anschluss. Von Gasheizungen riet er ab, denn ein starkes Ansteigen der Gaspreise, wie auch der Netzentgelte sei absehbar. Auch Pellets orientieren sich am Gas- und Ölpreis und böten so keine kostengünstige Alternative. Hingegen habe sich die Wärmepumpe in den letzten Jahren zum künftigen Standard entwickelt.
Rudolf Bersch, Energieberater der Verbraucherzentrale, vertiefte diesen Aspekt. Er erklärte anschaulich die Funktionsweise und die Voraussetzungen, unter denen die Wärmepumpe im Eigenheim ihre volle Effizienz entfaltet. Dabei flocht er viele persönliche Erfahrungen und Beispiele aus seiner Beratungspraxis ein, die zeigten, dass Wärmepumpen auch in Altbauten heute wirtschaftlich betrieben werden können. Wärmepumpen, so Bersch, seien inzwischen in manchen Fällen auch bezüglich der Investitionskosten nicht mehr so weit von Gasheizungen entfernt, gerade, wenn staatliche Förderungen genutzt würden.
Krick bestätigte das durch ein aktuelles Beispiel. Erstmals wolle die Stadt in einer bestehenden Immobilie eine Wärmepumpe einbauen. Hierzu habe man Angebote eingeholt. Dabei lag das teuerste Angebot mehr als das 2,5-fache über dem kostengünstigsten. Für letzteres Angebot habe man sich entschieden. Es war sogar kostengünstiger als die von einem anderen Anbieter offerierte Gasheizung. Das klare Fazit des Abends: Es sollte die Chance genutzt und auf eine moderne Wärmepumpe umgestellt werden. Eine solche Investition bedeutet nicht nur Sicherheit gegenüber Hochwassergefahren, sondern ist auch wirtschaftlich attraktiv. Neben den regulären staatlichen Zuschüssen profitieren Eigentümerinnen und Eigentümer von Gebäuden in den ausgewiesenen Sanierungsgebieten von zusätzlichen, lukrativen steuerlichen Fördermöglichkeiten.
Um den Übergang in eine sichere und wirtschaftliche Energiezukunft zu unterstützen, bietet die Verbraucherzentrale Hessen in einer Kampagne mit dem Kreis Groß-Gerau ab dem 1. Oktober individuelle Beratungen an. Termine können ab sofort unter 06152 989 87200 oder awsv(at)kreisgg.de angefragt werden.


