Hervorragend besucht war das Bürgergespräch mit Bürgermeister Marcus Kretschmann in Erfelden. Mit rund 75 Personen war der Saal der Freiwilligen Feuerwehr Erfelden bis auf den letzten Platz gefüllt. Beherrschendes Thema war die angespannte finanzielle Situation der Büchnerstadt und der damit verbundene Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, die Grundsteuer B von 1.105 auf 1.600 Punkte zu erhöhen.
Wie der Bürgermeister erläuterte, sind die Hauptausgabeposten Kosten, die die Stadt nicht beeinflussen kann. 27,83 Millionen Euro beträgt die Kreis- und Schulumlage, 23 Millionen Euro die Personalkosten. Und dies, obwohl eine haushaltspolitische Beratung der Kommune beim Hessischen Innenministerium ergeben habe, dass die Stadt ihre Aufgaben mit sehr viel weniger Personal als vergleichbare Kommunen bewältige. Hier haben jedoch Tariferhöhungen für einen weiteren Anstieg der Personalkosten geführt.
Ein großer Kostenfaktor ist die Kinderbetreuung, was eine Frau zu der Frage veranlasste, ob hier nicht angesichts sinkender Kinderzahlen Personal eingespart werden könne. „Riedstadt ist stolz darauf, dass jedes Kind einen Betreuungsplatz erhält, aber natürlich gehen wir auf Entwicklungen ein“, entgegnete der Bürgermeister. Dafür gebe es den Kita-Bedarfsplan, der immer wieder neu angepasst werde. Ab dem nächsten Jahr gebe es keinen städtischen Hort mehr, weil die Horte in Erfelden und Leeheim dann vom Kreis betrieben würden, dadurch würde Personal wegfallen.
Das geplante Feuerwehrhaus Mitte für die Feuerwehren Erfelden und Goddelau sei kein Treiber für die Grundsteuer B, betonte Bürgermeister Kretschmann. Es werde über den Finanzhaushalt abgewickelt, nur Zinsen und Tilgung schlagen sich im Ergebnishaushalt nieder. Zwingend notwendig ist es, weil die Feuerwehrhäuser in Erfelden und Goddelau stark sanierungsbedürftig und zu klein sind. Der technische Prüfdienst habe in Erfelden die Kleiderkammer und in Goddelau die Atemschutzwerkstatt stillgelegt.
Der neue Standort zwischen K156 und B44 in Goddelau sei dagegen zukunftsweisend. Dort werden auch Katastrophenschutzfahrzeuge des Kreises untergebracht werden, zudem werde eine Rettungswache für das DRK angebaut. Für beides zahle der Kreis Miete, hinzu käme noch ein Landeszuschuss. Auch Riedstadts Anteil der ersten Tranche aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz von 7,86 Millionen Euro könne eingesetzt werden. Mit mehr als 250 ehrenamtlichen Einsatzkräften habe Riedstadt die größte Feuerwehr im Kreis, erklärte der Bürgermeister. Gäbe es dieses herausragende Engagement nicht, müsste die Stadt 54 hauptamtliche Feuerwehrleute beschäftigen.
Auch der von den Stadtverordneten mehrheitlich beschlossene Wegfall der Straßenbeiträge war Thema. In diesem Zuge war die Grundsteuer B um 120 Punkte erhöht worden. Dies sei ungerecht gegenüber denjenigen, die nach dem Hausbau und der Zahlung von Erschließungsbeiträgen bis zu 25 Jahre von den Straßenbeiträgen verschont gewesen seien, beklagte ein Mann. Er habe sich immer gegen die Abschaffung ausgesprochen, erwiderte der Bürgermeister. Er wies auch auf die Problematik mit der Kühkopfstraße hin. Dort ist der Kanal marode und muss erneuert werden. Eigentlich war in diesem Zuge auch vorgesehen gewesen, dass an der Kita ein verkehrsberuhigter Bereich entsteht. Da nun aber das Geld fehle sei noch nicht klar, wie es weitergehe, so der Bürgermeister.
Bestattungsformen auf den Riedstädter Friedhöfen wurden ebenfalls im Bürgergespräch behandelt. Eine Frau fragte, warum es nicht auch in Erfelden einen Baumhain für Urnenbestattungen geben. Bürgermeister Kretschmann verwies auf das Friedhofskonzept, nach dem ein solcher Baumhain derzeit nur in Leeheim angeboten wird. Das werde sehr gut angenommen, doch die häufigste Bestattungsform in Riedstadt sei die Urnenwand. Da Erdbestattungen immer weniger nachgefragt werden, wurden Flächen ohne Gräber in Grünflächen umgewandelt. Damit werde deren Pflege nicht mehr über die Friedhofsgebühren abgerechnet, um sie so niedriger halten zu können. Denn diese müssten kostendeckend erhoben werden, erläuterte der Verwaltungschef.


