Faszination in Hell und Dunkel

Gut besuchte Vernissage mit Fotografien Bernd Susenburgers in der Treppenhausgalerie des Rathauses

Bernd Susenburger steht vor einigen seiner Schwarz-Weiß-Fotografien, die an Wänden des Treppenhauses im Rathaus hängen. Das Bild rechts von ihm zeigt einen Steg, der ins Wasser eines Sees führt, links ist unter anderem ein Bild von einer knienden Frau zu sehen, die mit ihren Armen hinter sich einen großen Reif hält.
Bernd Susenburger vor einigen seiner Werken in der Treppenhausgalerie.
Menschen stehen im Treppenhaus des Riedstädter Rathauses und sehen sich die Fotos an, die dort an der Wand hängen.
Großes Interesse gab es bei der Ausstellungseröffnung an den Fotografien in der Treppenhausgalerie.

Auf eine gleich dreifache Premiere verwies Bürgermeister Marcus Kretschmann bei der Eröffnung der Fotoausstellung von Werken Bernd Susenburgers in der Treppenhausgalerie des Riedstädter Rathauses: „Zum ersten Mal beginnt die Vernissage mit einer Präsentation – das hatten wir meines Wissens noch nie.“ Zum zweiten werde eine Ausstellung in der Treppenhausgalerie normalerweise unten im Rathausfoyer eröffnet und die Werke dann von unten nach oben besichtigt. „Dieses Mal starten wir oben und arbeiten uns nach unten durch.“ Und für die dritte Premiere sorgte eine Ankündigung der Vernissage im Kulturradio hr2 mit Interview des Künstlers. Augenzwinkernd sah der Verwaltungschef schon demnächst Busladungen voller Kunstinteressierter vor dem Riedstädter Rathaus halten.  

Sie würden einiges geboten bekommen. Als in den Tagen zuvor die ausdrucksstarken Fotografien gehängt wurden, bewunderten die Rathausmitarbeitenden sie schon bei ihren Gängen durch die Verwaltungszentrale. Ähnlich ging es den vielen Vernissage-Besuchern auf dem Weg in den Sitzungssaal im dritten Stock, sofern sie nicht den Aufzug nahmen. Meist in Schwarz-Weiß, gelegentlich auch farbig, zeigen sie Porträts von Kindern und Künstlern, aber auch Alltagszenen, die berühren und den Blick auf sich ziehen. Wie den versunkenen Zeitungsleser, der an einem großen Gebäude auf einem Fenstersims sitzt und seine Füße auf den Mauervorsprung vor sich gestellt hat. Oder die drei Frauen, die in einer Hinterhauskonditorei Leckereien zubereiten. Ähnliches gilt für Susenburgers Landschaftsbilder, Straßenszenen und die Fotografien von Gebäuden.  

Wie er diesen Effekt erzielt, beschrieb Susenburger anschaulich bei seiner Präsentation im obersten Stockwerk des Riedstädter Rathauses anhand von Fotografien, die er mit Beamer an die Wand projizierte. Sein großes Vorbild ist der argentinische Fotograf Pedro Luis Raota (1934 – 1981), einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, berühmt geworden für seine intensiven Porträtfotos. „Alles, was wichtig ist, hat er hell gemacht. Alles andere bleibt im Dunklen“, erläuterte Susenburger anhand eines Fotos von Raota.  

Ein Prinzip, dass Susenburger mit den technischen Mitteln des 21. Jahrhunderts umsetzt. Ihn faszinieren die Hell-Dunkel-Kontraste, das Spiel mit Licht und Schatten. Weshalb er sich fast immer entscheidet, ursprünglich farbige Fotos in Schwarz-Weiß-Abbildungen zu verwandeln. Licht aus einer Schreibtischlampe fällt auf die Arbeit eines Geigenbauers und erhellt sein Gesicht, der Rest der Werkstatt verbleibt im Dunkeln. Strukturen faszinieren Susenburger ebenso, weshalb in der Ausstellung auch faszinierende Landschafts- und Architekturbilder hängen. Da erheben sich am Ende eines Ackers mit akkurat geraden Furchen drei Bäume, läuft ein Steg am Untersee in den nebligen Dunst, der über dem Wasser hängt.  

Susenburger ermunterte seine Zuschauer, mit offenem Blick unterwegs zu sein und Bilder zu bearbeiten. „Motive gibt es überall, Sie müssen Sie nur sehen.“ Hat er sein Ausgangsmaterial, bearbeitet er es, um den gewünschten Effekt zu erzielen. In einer alten Wagnerei störte die hässliche Neonlampe, also verschwand sie aus dem Bild. Zudem änderte er die Lichtverhältnisse so, dass das Licht nun vom Fenster zu kommen scheint. Oft habe er ein tolles Landschaftsmotiv, aber nicht den passenden Himmel – weshalb er mittlerweile über 1000 Himmelsfotos in seinem Archiv hat. Wohlgemerkt alles eigene Fotos. „Mit KI hat das nichts zu tun“, betonte der Künstler.  

Susenburger bietet seine Fotos auch zum Verkauf an. Da der Pensionär lange an gleich drei Riedstädter Grundschulen unterrichtet hat, möchte er den Erös aus dem Verkauf als Spende für die finanzielle Unterstützung eines Schulprojekts einer Riedstädter Grundschule verwenden. Möglich sind Abzüge in verschiedenen Formaten vom hochwertigen Papierabzug bis zu Alu DiBond zu Preisen von 15 bis 50 Euro. Vom Kaufpreis gehen lediglich die Produktions- und Versandkosten ab. Einzelheiten können direkt mit Bernd Susenburger besprochen werden, E-Mail bernd.susenburger@t-online.de oder Festnetz 06158 2098.  

Die Ausstellung ist noch bis Ende des Jahres zu den Öffnungszeiten des Riedstädter Rathauses zu besichtigen.