An einem Frühlingstag herrschte ungewohnte Betriebsamkeit auf und bei der idyllischen Hochzeitswiese von Riedstadt-Wolfskehlen: An insgesamt drei Bäumen auf der Streuobstwiese und am Rand des Waldstreifens wurden Nistkästen aufgehängt, die aussehen, als wären sie falsch montiert worden. Schließlich befindet sich das Loch nicht vorne, sondern hinten an der Baumseite. Vor allem aber bedeckte ein Radlader auch den letzten von vier Steinhaufen am Waldsaum zur Hälfte mit Erde. All diese Aktivitäten wurden von einem Kamerateam des Hessischen Rundfunks (hr) begleitet.
Holger Schanz, Leiter der Fachgruppe Umwelt der Büchnerstadt Riedstadt und Sandra Wolf, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbands Kreis Groß-Gerau (LPV) erläuterten vor der Kamera, was es mit all diesen Aktivitäten auf sich hat. Denn all diese Maßnahmen dienen dem Gartenschläfer, dessen Bestand besorgniserregend zurückgegangen ist. Doch in Riedstadt wurde der Kleinsäuger, der zur Familie der Bilche (Schlafmäuse) gehört, an mehreren Stellen nachgewiesen.
Weshalb die Fachgruppe Umwelt einen Projektantrag für Artenschutzmaßnahmen bei der Umweltlotterie „Genau“ von Hessen Lotto einreichte und 5.000 Euro zur Umsetzung der Maßnahmen gewann. In Kooperation mit dem LPV wurden an mehreren geeigneten Stellen in Riedstadt Steinhaufen angelegt. Diese Gartenschläfer-Burgen dienen den nachtaktiven Tieren als Tagesversteck und für den Winterschlaf. Die Dreharbeiten fanden für die Sendung Alle Wetter“ des Hessischen Rundfunks statt. Dort werden immer freitags Umweltprojekte der Umweltlotterie vorgestellt – am 24. April das Projekt aus Riedstadt, zu sehen in der ARD-Mediathek.
Die possierliche Schlafmaus mit der charakteristischen Zoro-Maske macht ihrem Namen alle Ehre, erklärte Wolf. Denn der Gartenschläfer hält bis zu sechs Monaten Winterschlaf. Da er in der warmen Jahreszeit nachtaktiv ist und tagsüber schläft, bekommen Menschen die Schlafmaus nur selten zu Gesicht. Weshalb Wolf zu Anschauungszwecken einen lebensecht gestalteten Plüsch-Gartenschläfer zu den Dreharbeiten mitgebracht hat.
Die Schlafmaus liebt strukturiertes Gelände, wie er es hier auf der Wolfskehler Hochzeitwiese vorfindet, mit Streuobstwiese, Gebüsch, einem Gehölzstreifen – und nun auch mehreren Steinhaufen. Die sind auch beliebter Aufenthaltsort für andere Lebewesen. Was für den Gartenschläfer von weiterem Nutzen ist, ernährt sich der Allesfresser doch besonders gerne von Insekten, Würmern und anderem Kleingetier. Die Nistkästen sind speziell für den Gartenschläfer gedacht, erläuterte Schanz. So kann er bequem vom Baumstamm aus hineinschlüpfen und muss keine Konkurrenz durch Vögel befürchten.
Von dem Projektgeld wurden noch weitere Steinhaufen auch auf der Hochzeitswiese in Goddelau und dem Gänsklauer Leeheim angelegt – auf das der Gartenschläfer sich weiterhin wohlfühlt in Riedstadt und der Bestand größer wird.




