Biodiversitätsuntersuchung im Rahmen der Lokalen Agenda 21

Anthophora plumipes (Bild von Jeffdelonge)
Anthophora plumipes (Bild von Jeffdelonge)

Diplomand der Technischen Universität Darmstadt untersucht Auswirkungen unterschiedlicher Gartenstrukturen auf Artenvielfalt von Fluginsekten am Beispiel der Stadt Riedstadt

Wohnsiedlungen nehmen in der heutigen Zeit in unserer Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein. Auch solche Siedlungsbereiche und nicht nur ländliche Gegenden, können zahlreichen Insekten als Lebensraum dienen, wenn dort ausreichende Bedingungen vorzufinden sind. Dicht bebaute Stadtzentren sind uniform und strukturarm und daher sehr ungünstig für Insekten. Wenn es aber gelingt, im Siedlungsbereich eine Vielfalt an Lebensräumen zu erhalten oder neu zu schaffen, kann das Fortbestehen zahlreicher, auch spezialisierter Arten ermöglicht werden.

Die Diplomarbeit von Stephan Partsch geht daher der Frage nach, welche Auswirkungen unterschiedlich alte Siedlungsstrukturen und verschieden stark gepflegte Gartentypen auf die Artenvielfalt von Fluginsekten und die Dichte der einzelnen Insektengruppen haben. Sie dient dabei der grundlegenden Bestandsaufnahme für ländliche Siedlungen.

Untersucht wurden insgesamt 24 Privatgärten Riedstadts, die in drei verschiedene Pflegetypen eingeteilt wurden: sehr gepflegt, gepflegt und sehr wenig Pflege.

Ziel war es, Faktoren herauszuarbeiten, die eine Ansiedlung von Insekten erleichtern und für hohe Diversität und Dichte verschiedener Insektengruppen verantwortlich sind, um sie, wenn möglich, bei der Planung zukünftiger Siedlungsbereiche berücksichtigen zu können. Außerdem sollen diese Faktoren Garten- und Wohnungsbesitzern bereits etablierter Wohnsiedlungen die Möglichkeit bieten, ihre Umgebung naturnaher zu gestalten. Als Versuchsflächen dienen sowohl Gärten der alten Ortsteile, als auch Gärten in Neubausiedlungen.

Zum Fangen der Tiere wurden pro Garten zwei Fangschalen verwendet. Die 20 mal 30 Zentimeter großen, gelben PVC-Schalen wurden so in der Vegetation ausgebracht, dass sich die Unterkante der Gefäße 50 cm über dem Boden befindet. Die Schalen wurden mit einem Propylenglykol-Wasser-Gemisch gefüllt und die Probenahme erfolgt noch bis Ende August vierzehntägig. Die Hälfte der Gärten wurde zusätzlich mit Nisthilfen bestückt, um deren Auswirkungen auf bzw. Notwendigkeit für die Insektenfauna zu untersuchen.

Schwerpunkt der Auswertung waren Hautflügler. Diese wärmeliebenden Tiere stellen in Deutschland die artenreichste Insektenordnung. Neben den hauptsächlich bekannten blütenbesuchenden Honigbienen, Hummeln und Wespen, gibt es noch eine Vielzahl von Arten, die dem Menschen nützlich und der Ästhetik unserer Gärten, Wiesen und Parks dienlich sind. Hautflügler üben als Bestäuber von Blumen und Obstbäumen eine wichtige Funktion im Naturhaushalt aus. Weniger bekannt ist, dass es jenseits der Blütenbestäubung noch zahlreiche andere Aufgaben gibt, die von Räubern und Parasitoiden übernommen werden, die sich ebenfalls in der Gruppe der Hautflügler finden. Alle Wespen z. B. sind effektive Räuber vieler Schadinsekten und leisten einen wichtigen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Mit etwas mehr Vertrauen in die Aktivität und Effizienz dieser Insektengruppe ist es möglich, die Verwendung von Bioziden im eigenen Garten zu reduzieren. Positive Eingriffe in den Naturhaushalt - z. B. durch künstliche Nisthilfen - sind also zunehmend gefragt, um weiterhin von der Existenz dieser Insektengruppe profitieren zu können.

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