Umgestaltung öffentlicher Grünflächen in Riedstadt

Wegwarte (Cichorium intybus)

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Die Stadt Riedstadt hat Ende 2009 mit einer weit gehenden Umgestaltung ihrer innerstädtischen Grünflächen im Straßenbereich begonnen. Damit werden folgende Ziele verfolgt:

  • Eine Verbesserung der ökologischen Situation (Erhöhung der biologischen Vielfalt),
  • die ästhetische Aufwertung der Flächen und
  • die Verringerung des Pflegeaufwands und der Pflegekosten.

Von Dezember 2009 bis Mai 2010 wurden 150 straßenbegleitende Grünflächen in einem Pilotprojekt im Stadtteil Erfelden mit einer Gesamtfläche von 5.500 qm umgestaltet. Im Frühjahr 2012 setzte die Stadt die Umgestaltung von Grünflächen in Goddelau im Bereich Hessenring fort (43 Flächen mit zusammen 1.915 qm). Im Herbst/Winter 2012/2013 folgten dann die Brienner Straße (59 Flächen, 1.947 qm) und das Meerchen in Wolfskehlen (47 Flächen, 1.329 qm). Im Jahr 2014/15 wurden weitere 25 Flächen im Stadtteil Leeheim sowie eine weitere in Wolfskehlen mit zusammen 636 qm umgestaltet. Auf Initiative einer Agenda-21-Gruppe wurde im Herbst 2016 ein zentral gelegener grüner Platz, das Roseneck (700 qm Fläche), im Ortsteil Crumstadt als Blühwiese mit drei Strauchrosengruppen in den Ecken neu gestaltet (siehe Plan hier).
Allen umgestalteten Grünflächen war gemeinsam, dass sie im Vorzustand einen besonders hohen Pflegeaufwand erforderten, ohne dass dies zu einem befriedigenden Bild geführt hatte.
Zudem besaßen die Flächen einen nur geringen Wert hinsichtlich der biologischen Vielfalt, da sich die Bepflanzung aus insgesamt lediglich 20 überwiegend nicht heimischen Ziersträuchern und Bodendeckern zusammensetze, die in ganz Deutschland den Hauptbestandteil des herkömmlichen Straßenbegleitgrüns bilden (Mahonie, Heckenmyrte, Amerikanische Schneebeere u.a.). Außerdem stammten diese Pflanzen aus Stecklingsvermehrung in Baumschulen, das heißt, dass ein Großteil der jeweiligen Arten und Sorten genetisch identische Klone waren.

Die Umgestaltung der innerstädtischen Grünflächen in Riedstadt mit einem der sieben Hauptpreise beim Landeswettbewerb Hessen "Städte sind zum Leben da" ausgezeichnet. Die Gewinner des Wettbewerbs wurden am 16. Juni 2015 von der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz bekannt gegeben und ausgezeichnet. Weitere Informationen finden Sie hier: (Ausführlicher Bericht Preisverleihung Städte sind zum Leben da)

Grünflächen vor der Umgestaltung
Einige Beispiele aus allen Riedstädter Ortsteilen - artenarm und ästhetisch wenig ansprechend trotz hohem Pflegeaufwand

Grünflächenumgestaltung
Im Zuge der Neugestaltung der Grünflächen wurde der vorhandene Gehölzbewuchs vollständig entfernt. Danach erfolgte ein Bodenaustausch bis in 50 cm Tiefe: Der vorhandene, stark verdichtete und von Wurzelunkräutern (v.a. Quecke) durchzogene Boden wurde entfernt und durch ein speziell für den innerstädtischen Bereich entwickeltes nährstoffarmes Vegetationssubstrat ersetzt. Im Bereich von Baumpflanzungen wurde ein nährstoffreicheres, speziell auf Ansprüche von Stadtbäumen ausgerichtetes Baumsubstrat verwendet.
Grundsätzlich werden Bäume auch im Zuge der Grünflächenumgestaltung erhalten, sofern sie vom städtischen Baumgutachter als gesund und erhaltenswert eingestuft wurden (vgl. Baumkataster).
Nach Ausbringung des Bodens und - auf einigen der Flächen - der Neupflanzung von Bäumen wurde eine speziell für Riedstädter Verhältnisse entwickelte Wiesenblumenmischung eingesät. Nach den ersten Erfahrungen im Ortsteil Erfelden wurde die Samenmischung leicht verändert - Arten, die sich als zu dominant herausgestellt haben, wurden nur noch in geringeren Mengen eingesetzt, einige Gräser wurden ergänzt und distelähnliche Arten aufgrund von Akzeptanzproblemen ganz herausgelassen. Die Mischungen können hier eingesehen werden: Mischung Pilotprojekt / Mischung aktuell / Mischung Roseneck). Die Samen für die insgesamt ca. 100 Arten umfassende Mischung wurden von einer Firma in Darmstadt bezogen und stammen aus zertifizierter regionaler Herkunft (weitergehende Informationen zu diesem Thema beim Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten). Das heißt, die ausgesäten Pflanzen stammen aus Riedstadt und Umgebung und sind somit genetisch an die besonderen klimatischen und Standortverhältnisse hier in der Region angepasst.

Folgend einige Fotos aus der Bauphase:


Pflege / weitere Entwicklung der umgestalteten Grünflächen
Die neugestalteten Grünflächen werden vom städtischen Bauhof in der Regel zwei Mal pro Jahr gemäht. Beim ersten Schnitt gegen Ende Juni eines Jahres wird das Mähgut von den Flächen gerecht und abgefahren, um einer Nährstoffanreicherung vorzubeugen. Zu viele Nährstoffe im Boden fördern nämlich einige wenige konkurrenzstarke Arten und führen damit zu einer Artenverarmung auf den Flächen.
Der Zweitaufwuchs wird im Herbst, je nach Entwicklung der Flächen oft sogar erst im Winter (Februar) gemulcht, d.h. zur Senkung der Pflegekosten wird das Mähgut beim Mähen zerkleinert und auf der Fläche liegen gelassen. Da der Zweitaufwuchs in der Regel deutlich geringer ausfällt als der Erstaufwuchs, kann die damit verbundene überschaubare Nährstoffanreicherung in Kauf genommen werden. Die gewählte Pflegeform bildet einen Kompromiss zwischen dem Ziel, die Artenvielfalt zu erhalten und dem Ziel, den Pflegeaufwand zu verringern.

Das Ziel einer deutlichen Verringerung des Pflegeaufwandes wurde bisher klar erreicht. Im Vorzustand fielen folgende Pflegekosten an:
Frankfurter Straße (Erfelden): 5,52 € pro Quadratmeter (qm) Grünfläche und Jahr
Hessenring (Goddelau): 8,93 € pro qm und Jahr
Brienner Str. und Im Meerchen (Wolfskehlen): 7,94 € pro qm und Jahr

Die Pflegekosten NACH Umgestaltung schwanken bisher zwischen 0,39 € und 2,17 € pro Quadratmeter Pflegefläche und Jahr. Die Kosten sind so unterschiedlich, da die Aufwuchsmengen pro Jahr noch erheblich schwanken. Im Jahr 2013 wurde witterungsbedingt ein Rekordaufwuchs erzielt, der auf den Flächen in Erfelden zu hohen Quadratmeter-Pflegekosten führte (der aufgeführte Maximalwert von 2,17 €).

Die Pflege zielt darauf ab, nicht alle Flächen auf einen Schlag kahl zu mähen. Einzelne besonders auffällige Pflanzen werden bei der Mahd ausgespart - insgesamt werden bei jedem Mähgang ca. 5 % der Fläche nicht mitgemäht.

Es folgen einige Bilder von der weiteren Entwicklung der Flächen und der Pflege:

Akzeptanz der Maßnahmen
Die Grünflächenumgestaltung wurde von Anfang an äußerst emotional diskutiert. Besonders das in Riedstadt-Erfelden durchgeführte Pilotprojekt war Gegenstand vieler Bürgeranfragen und -beschwerden. Dies lag auch daran, dass hier aufgrund enger zeitlicher Vorgaben zwischen der Bereitstellung der Mittel und der Projektdurchführung keine ausreichende und mit genügend zeitlichem Vorlauf versehene Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt werden konnte. Auch war das Instrument der Pflege-Patenschaften (siehe unten) zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiter gehend ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.

Dementsprechend wurde bei der Fortsetzung der Grünflächenumgestaltung in den Ortsteilen Goddelau, Wolfskehlen, Leeheim und Crumstadt auf eine intensive und mit ausreichendem Vorlauf versehene Öffentlichkeitsarbeit geachtet. Neben Informationen in Presse und Internet wurden alle Anwohner persönlich angeschrieben. Für jeden Ortsteil wurden jeweils vorbereitende Bürgerversammlungen durchgeführt, auf denen die Pläne der Stadt vorgestellt und mit den Bürgern diskutiert wurden. Die städtischen Vertreter wiesen auf die Möglichkeit hin, Pflege-Patenschaften abzuschließen. Grundsätzlich vertritt die Stadt hier die Auffassung, dass dort, wo Bürger sich in Form verbindlicher Patenschaften engagieren, sie die Gestaltung der Grünflächen weit gehend mit bestimmen können. Dort, wo dies nicht der Fall ist, verfolgt die Stadt weiterhin die Ziele einer deutlichen Pflege-Erleichterung bei gleichzeitiger Erhöhung der biologischen Vielfalt. Diese Flächen werden nach wie vor mit der modifizierten Riedstädter Samenmischung (siehe oben) bzw. der Mischung Roseneck eingesät.

Pflege-Patenschaften
Im Rahmen ihres Grünflächenprojektes wirbt die Stadtverwaltung Riedstadt für Pflege-Patenschaften. Wer einen Baum oder eine öffentliche Pflanzfläche vor seinem Haus in Eigenverantwortung pflegen möchte, ist herzlich zum ehrenamtlichen Mitmachen eingeladen.

Die Stadt Riedstadt sucht engagierte Bürger und Institutionen, die mithelfen, die Grünflächen im Rahmen einer Pflegepatenschaft attraktiv zu gestalten und zu erhalten. Die Anwohner sehen die Grünflächen in ihrer Nachbarschaft täglich und können so viel schneller auf Müll, Unkrautbewuchs oder Wassermangel reagieren.
Ein solch schnelles Eingreifen ist den städtischen Mitarbeitern des Bauhofs, die sich um hunderte solcher Pflanzflächen in ganz Riedstadt kümmern müssen, nicht möglich.

Der Magistrat der Stadt Riedstadt hat dazu eine Mustervereinbarung beschlossen, die die Grundlage für die Übernahme von Pflege-Patenschaften bildet (siehe unten). Die Gestaltung der Patenschaftsflächen wird von der Stadt in Abstimmung mit den Paten durchgeführt. Dabei sind viele Varianten möglich: vom einfachen Erhalten des derzeitigen Zustands bis hin zu einer kompletten Neugestaltung, beispielsweise mit Stauden oder niedrig bleibenden Gehölzen.

Anfang des Jahres 2017 gibt es es bereits 116 Pflegepaten, die sich um insgesamt 149 städtische Grünflächen kümmern.

Kontakt für Fragen zur Grünflächengestaltung und -pflege

Matthias Harnisch

Raum:304 (3. Stock)

Telefon:06158 181-322

Telefax:06158 181-301

E-Mail:

Texte und Fotografien, wo nicht anders gekennzeichnet:
© Matthias Harnisch, Stadt Riedstadt

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Herunterladbare Dateien

  • Muster Grünflächen-Patenschaft

    Dateigröße: 49 KB

    » Muster_Pflege-Patenschaft_120327.pdf  

  • Bürgerinformation zur Grünflächenumgestaltung (08.12.2009)

    Pilotprojekt in Erfelden, Frankfurter Straße - Start der Umgestaltungsmaßnahme Winter 2009

    Dateigröße: 2.2 MB

    » gruenflaechen.pdf  

  • Bürgerinformation zur Grünflächenumgestaltung (06.01.2010)

    Pilotprojekt in Erfelden, Frankfurter Straße - Zwischenbericht im Januar 2010

    Dateigröße: 6.4 KB

    » gruenflaechen-januar-2010.pdf  

  • Bürgerinformation zur Grünflächenumgestaltung (10.05.2010)

    Pilotprojekt in Erfelden, Frankfurter Straße - Zwischenbericht im Frühjahr 2010

    Dateigröße: 361 KB

    » gruenflaechen-mai-2010.pdf  

Weitere Informationen unter Aktuelles