Projekt Stromtalwiesen
Projektgebiet
Karte 1: Lage des Projektgebietes
(Topographische Karte)
Karte 2: Projektflächen, Stand: Mai 2005
Lebensgemeinschaft Stromtalwiesen
Standort und Vorkommen
Hintergrund: Grünland
Unter dem Begriff Grünland werden Flächen zusammengefasst, die einer regelmäßigen landwirtschaftlichen Nutzung in Form von Mahd und/oder Beweidung unterliegen (also Wiesen und Weiden mit Ausnahme von Waldweiden).
Stromtalwiesen sind Grünland-Pflanzengesellschaften, die sich in den Niederungen der großen Flüsse Ost- und Mitteleuropas unter dem Einfluss einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung (1-2-malige Mahd pro Jahr, evtl. mit Nachbeweidung im Herbst) entwickelt haben. Ökologisch kennzeichnend für diese spezielle Form der Auenwiesen ist der extrem unausgeglichene Wasserhaushalt ihrer Standorte.
Während die mit der Schneeschmelze einsetzenden Hochwasser im Frühjahr und Frühsommer oft zu wochenlangen Überschwemmungen führen, kommt es in trockenen heißen Sommern auch in den Auen zu einer starken Austrocknung der Böden. Verstärkt wird dieser betont wechselfeuchte Standortcharakter häufig noch durch sehr feinkörnige, oft tonreiche Böden, die in Feuchtphasen zur Luftarmut und Vernässung neigen, während hochsommerliche Trockenphasen eine tiefgründige Verhärtung und Schrumpfrissbildung bewirken.
Der variable Wasserhaushalt der Standorte findet seinen deutlichen Niederschlag in der Artenzusammensetzung der Stromtalwiesen und führt zu einem Nebeneinander von nässetoleranten Sumpf- und Flutrasenarten, von Feucht- und Frischwiesenarten und sogar ausgeprägt trockenheitstoleranten Arten der Steppenrasen und Saumgesellschaften.
Allen Arten ist gemeinsam, dass sie sowohl eine phasenweise Überschwemmung als auch eine starke Austrocknung der Standorte zu überstehen vermögen. Zudem sind sie an die regelmäßige Mahd der Flächen angepasst.
Die Pflanzengesellschaft der Stromtalwiesen findet sich vor allem in den durch kontinentales Klima gepägten Flussniederungen Osteuropas, wo sie vom pannonischen Becken, Polen, der Ukraine, Südrussland bis weit nach Südsibirien hinein auch heute vielerorts noch große Flächen einnehmen.
Hintergrund: Kontinentales Klima
Kontinentales Klima: herrscht in Osteuropa vor. Das kontinentale Klima zeichnet sich insgesamt durch starke jahres- und tageszeitliche Temperaturschwankungen aus (kennzeichnend: sehr kalte, trockene Winter und ausgesprochen heiße, trockene Sommer). Im Gegensatz dazu weist Westeuropa durch die Nähe zum Atlantik ein deutlich ausgeglicheneres und insgesamt feuchteres Klima mit geringeren jahres- und tageszeitlichen Temperaturschwankungen auf (Ozeanisches Klima). In Mitteleuropa finden sich abhängig von Lage, Topographie und Böden verschiedene Mischtypen dieser beiden Klimaextreme.
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Vorkommen in Deutschland, Gefährdung
In Deutschland sind ökologische Bedingungen, die denen der osteuropäischen Tieflandflüsse ähneln, ausschließlich im Einzugsbereich der trockenen-warmen, klimatisch bereits deutlich subkontinental getönten großen Stromtäler der Oder, der Elbe, des nördlichen Oberrheins, des mittleren Mains und der niederbayrischen Donau zu finden. Viele der für die Stromtalwiesen chrakteristischen Arten stoßen am nördlichen Oberrhein - und damit im Projektgebiet - an ihre westliche Verbreitungsgrenze. Während Stromtalwiesen in Osteuropa noch häufig anzutreffen sind, gehören sie in Mitteleuropa inzwischen zu den am stärksten gefährdeten Pflanzengesellschaften überhaupt. Zahlreiche der bestandsbildenden Pflanzensippen sind regional bereits akut vom Aussterben bedroht.
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Gründe hierfür sind insbesondere eine intensivierte landwirtschaftliche Flächennutzung (Grünlandumbruch und Ausweitung der Ackernutzung, Düngung, häufigere Mahd) im Zusammenspiel mit Deichbau- und Entwässerungsmaßnahmen. Aber auch eine gänzliche Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung auf Stromtalwiesenflächen mit nachfolgender Verbrachung / Verbuschung führt zu einem Verlust der wertvollen Wiesenflächen.
Größere Restbestände von artenreichen Stromtalwiesen sind heute nur noch im Bereich der Oder, der Mittelelbe, der unteren Havel sowie am nördlichen Oberrhein zu finden, während die Vorkommen im Bereich des mittleren Maintals und der niederbayrischen Donau durch Melioration (=Maßnahmen zur Bodenverbesserung mit dem Ziel einer verbesserten landwirtschaftlichen Nutzung) und wasserbauliche Maßnahmen inzwischen weitgehend zerstört sind.
Stromtalwiesen vom Typ der Brenndoldenwiesen gehören gemäß der Roten Liste der Biotope der Bundesrepublik Deutschland zur Gefährdungsstufe 1 (von vollständiger Vernichtung bedrohter Lebensraum). Pfeifengraswiesen sind als "stark gefährdet" (Gefährdungsstufe 2) eingestuft.
Zudem gehören beide Wiesentypen zu den nach Anhang 1 der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union geschützten, europaweit gefährdeten Lebensräumen, für deren Schutz und Erhaltung Deutschland auch auf nternationaler Ebene besondere Verantwortung trägt.
Stromtalwiesen im Projektgebiet
Die verbliebenen Stromtalwiesenreste vom Typ der Brenndoldenwiesen in der hessischen
Rheinaue zeichnen sich durch einen bemerkenswerten Reichtum an überregional
seltenen und gefährdeten Stromtalarten aus. Dazu zählen u.a. die Bastard-Schwertlilie
(Iris spuria),
das Hohe
und das Niedrige
Veilchen (Viola
elatior und V.
pumila), die
Flachschotige Gänsekresse (Arabis nemorensis), der
Wiesen-Baldrian
(Valeriana pratensis), die Brenndolde
(Cnidium dubium)
oder das Spießblättrige
Helmkraut (Scutellaria hastifolia)
Der zweite Typ seltener Stromtalwiesen in Riedstadt ist den Pfeifengraswiesen zu zurechnen. Dieser Wiesentyp kommt auf deutlich nährstoffärmeren Böden vor, die - in der grundsätzlich nährstoffreichen Aue - durch Entnahme des nährstoffreichen Oberbodens im Zuge der Gewinnung von Baumaterial für die Rheindeiche entstanden sind. Die Pfeifengraswiesen zeichnen sich dementsprechend durch einen deutlich langsameren Aufwuchs aus, der seinen Entwicklungshöhepunkt erst im späteren Sommer erreicht. Diese Wiesen wurden in der Regel nur einmal pro Jahr im Spätsommer geschnitten. Das Mahdgut wurde als Einstreu in die Tierställe verwendet, weshalb diese Wiesen auch als Streuwiesen bezeichnet werden. Auch die Pfeifengraswiesen zeichnen sich durch das Vorkommen einer Vielzahl an seltenen und geschützten Pflanzenarten aus. Hier sind z.B. die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica), der Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe), das Fleischfarbene und das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorrhiza incarnata und D. majalis), der Kantenlauch (Allium angulosum), das Nordische Labkraut (Galium boreale) oder auch das namensgebende Pfeifengras (Molinia coerulea).
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