Wildpflanzenproduktion in Riedstadt

Bürgermeister Kretschmann informiert sich über Produktion von Saatgut von Wildpflanzen

Im Lager von Appels Wilde Samen
Im Lager von Appels Wilde Samen
Spitzwegerich-Anbau in Wolfskehlen
Spitzwegerich-Anbau in Wolfskehlen

Der Besuch von Bürgermeister Marcus Kretschmann bei Riedstädter Landwirten führte kürzlich erst mal über die Gemarkungsgrenze nach Griesheim. Markus Jurtschenko aus Wolfskehlen bewirtschaftet zum überwiegenden Teil Flächen nicht für die eigene landwirtschaftliche Produktion. Er ist Mitgesellschafter bei Appels Wilde Samen GmbH. Seit 2003 wird hier speziell Saatgut von Wildpflanzen aus der Region produziert und vertrieben. Dabei ist Markus Jurtschenko vor allem für die landwirtschaftliche Praxis verantwortlich. Über die Jahre ist hier ein großes Fachwissen über die besonderen Bedingungen für den nicht ganz einfachen Anbau von wilden Pflanzen entstanden. In Deutschland gibt es derzeit nur etwa 35 Betriebe, die in diesem Bereich tätig sind.  

Ungefähr siebzig Arten von Alant bis Zittergras werden von der Firma vorgehalten. Aus diesen Vorräten können Mischungen für unterschiedliche Zwecke zusammengestellt werden. Vor allem Kommunen und Landwirte interessieren sich dafür, regionales Saatgut zu erhalten. Ganz neu ist die unmittelbar bevorstehende Zulassung von Spezialmischungen für Biomasse für die Biogaserzeugung. Im Gegensatz zu Mais oder Zuckerrüben wird diese Mischung zu einem großen Angebot an Blühpflanzen beitragen, so dass neben der Energieerzeugung auch Insekten und Vögel unmittelbar profitieren.  

Durch die Anregung der Hochschule in Hannover und im Praxistest im Griesheimer Gemüsebau entsteht gerade eine Mischung, die der Bekämpfung der Weißen Fliege im Kohlanbau dienen wird. Die eingesetzten Blühpflanzen ziehen entsprechende Nutzinsekten an, die das Vorkommen der Kohlschädlinge reduzieren, nebenbei sieht das auch noch schön aus. 

Auch die Qualitätskontrolle im Labor und die Lagerung war beim Rundgang Thema. Bürgermeister Kretschmann zeigte sich sehr beeindruckt von der Vielfalt der Pflanzensamen und ihrer Formen. So gibt es ganz puderfeine Glockenblumensamen und schwere runde Platterbsenfrüchte. Zeitpunkt und Menge der Aussaat aber auch die richtige Vorbereitung des Bodens sind von großer Bedeutung für erfolgreiches Wachsen.      

Mit zehn Hektar liegen die meisten Produktionsflächen des Betriebs in Riedstadt. Auch die Stadt selbst verpachtet Flächen, damit der Anbau für die biologische Vielfalt auch Platz findet. Abschluss der Betriebsbesichtigung war eine kleine Rundfahrt zu den Flächen, die der Jahreszeit entsprechend sehr unterschiedliche Entwicklungsstadien der Pflanzen zeigen. „Wir sind sehr froh, dass wir in unmittelbarer Nachbarschaft einen so interessanten Betrieb haben“, so Kretschmann. „Die Kooperation mit Herrn Jurtschenko und sein Know-how hat uns in Sachen biologische Vielfalt als Stadt sehr bereichert und es zeigt, dass es in der Landwirtschaft vielfältigere Anbaurichtungen gibt, als man zunächst vermutet.“

Unser Foto oben zeigt (v.l.n.r.) Bürgermeister Marcus Kretschmann, Felix Tomalla, Barbara Stowasser und Markus Jurtschenko.