Spiegel und Schilder

Treffen des Bürgermeisters mit VdK-Ortsverbandsvorständen und städtischer Behindertenbeauftragten

Zu einem Informationsaustausch und Hintergrundgespräch hat Bürgermeister Marcus Kretschmann die Ortsverbandsvorstände des Sozialverbandes VdK sowie die städtische Behindertenbeauftragte Marina Wohner ins alte Rathaus Crumstadt eingeladen. „Letztes Jahr hatten wir ein erstes größeres Treffen mit dem Bürgermeister gehabt und wollten es gerne etablieren“, zeigte sich der Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes Crumstadt, Walter Eberling, erfreut über die Gelegenheit, unkompliziert auf Probleme hinzuweisen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Zudem war es ihm spürbar wichtig, der neuen Behindertenbeauftragten der Stadt Unterstützung und Zusammenarbeit anzubieten.  

Marina Wohner, die durch eine Multiple-Sklerose-Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen ist und vor vier Jahren die Initiative „Barrierefreies Riedstadt“ gegründet hat, war auch die Wunschkandidatin des Bürgermeisters als neue Behindertenbeauftragte. „Betroffene schauen noch einmal aus einen ganz anderen Blickwinkel“, erklärte er. So wolle die Stadt die Behindertenbeauftragte zukünftig bereits im Vorfeld in die Planungen zu einem neuen Baugebiet einbeziehen. „Das ist neu für uns, weil wir die Gestaltung ja auch fremd vergeben“, so der Bürgermeister.  

Sehr interessiert zeigte er sich an einem sogenannten Alterssimulationsanzug, der über den VdK ausgeliehen werden kann. Der Anzug sorgt durch versteifte Partien in Gelenkhöhe und eingenähte Gewichte dafür, dass die Bewegungsfähigkeit einem alten Menschen entspricht, eine Brille sorgt zudem für eingeschränkte Sicht, erläuterte Eberling. „Wir müssen uns Gedanken machen, bei welcher Gelegenheit wir ihn einbinden können“, sagte Kretschmann.  

Eine Anfrage kam aus dem Stadtteil Leeheim: Dort waren einige Verkehrsteilnehmer irritiert, dass nach der grundhaften Sanierung der Erfelder Straße die meisten Verkehrsspiegel nicht wieder neu angebracht und der einzig verbliebene an der Einbiegung Schulstraße sehr hoch montiert worden war. „Verkehrsspiegel sind immer nur eine Notlösung, weil die Verkehrsteilnehmer Entfernungen durch die Spiegel oft falsch einschätzen. Auf der Erfelder Straße ist langsames Vortasten in die Straße grundsätzlich auch ohne Spiegel möglich“, erklärte der Bürgermeister. Eine Einschätzung, die auch der Kreis Groß-Gerau und Hessen Mobil teilen würden. Einzig für Traktorfahrer sei wegen der langen Schnauze ihrer Fahrzeuge dieses langsame Vortasten nicht möglich. Weshalb der Verkehrsspiegel an der Einmündung Schulstraße bewusst sehr hoch angebracht sei.  

Ein weiteres Thema, das die VdK-Vorstände umtreibt, ist ein besserer Zugang mobilitätseingeschränkter Personen zu Geschäften in den alten Ortskernen, die oft nur über Stufen zu erreichen sind. Wohner verwies darauf, dass die Initiative Barrierefreies Wohnen bereits mit vielen Geschäftsinhabern gesprochen habe. Viele seien gerne bereit, auf ein entsprechendes Signal vor die Tür zu kommen. Auf Anregung des Bürgermeisters sollen nun Schilder oder Aufkleber, auf denen ein solcher Service angeboten wird, mit dem Logo von Stadt und VdK entwickelt und den Geschäften zur Verfügung gestellt werden.  

Auf die Anfrage, ob es nicht öffentlich zugängliche Toiletten im Gewerbepark Wolfskehlen geben könne, verwies Kretschmann darauf, dass dies bereits Thema in der Stadtverordnetenversammlung gewesen sei. Eine öffentliche Toilettenanlage sei allerdings nicht nur in der Anschaffung, sondern vor allem der Wartung und Instandhaltung zu teuer. Eine Umfrage der Stadtverwaltung, ob nicht dort ansässige Geschäfte – mit finanzieller Beteiligung der Stadt - Toiletten öffentlich zur Verfügung stellen könnten, sei leider ohne Ergebnis geblieben.  

„Das ist eine große bauliche Veränderung und geht nur bei grundhaften Sanierungen“, erklärte der Bürgermeister zu den als zu schmal befundenen Bürgersteigen etwa im Ortskern Wolfskehlen – ein Problem, das es in vielen alten Ortskernen gebe. Selbst bei grundhaften Sanierungen könnten allerdings oft die Bürgersteige nicht breiter gemacht werden, weil ja auch Mindestbreiten von Fahrbahnen und ähnliches berücksichtigt werden müsse. Grundsätzlich dürfe nicht auf Gehsteigen geparkt werden, sondern müssten alle vier Räder auf der Straße stehen, informierte Kretschmann. Werde dies konsequent umgesetzt wie jetzt nach der Umgestaltung der Erfelder Straße in Leeheim, sei schon viel gewonnen.