Soll Erfelden wachsen?

Derzeit wird über ein mögliches neues Baugebiet im Bereich der Großsporthalle heftig diskutiert

Im Nordwesten von Erfelden - zwischen Großsporthalle, Birkenhof und Ortsrand – könnte ein Neubaugebiet entstehen
Im Nordwesten von Erfelden - zwischen Großsporthalle, Birkenhof und Ortsrand – könnte ein Neubaugebiet entstehen

Momentan schlagen die politischen Wellen im Riedstädter Stadtparlament hoch: Ursache ist die Absicht von Bürgermeister und Magistrat, in Erfelden mittelfristig ein neues Wohngebiet im Bereich der Großsporthalle am Ortsrand Richtung Leeheim zu ermöglichen.  

Besonders gravierend ist in diesem Zusammenhang eine Verletzung der gesetzlich vorgeschriebenen Amtsverschwiegenheit durch eine Person innerhalb der politischen Gremien. Diese bislang noch unbekannte Person hatte eine nichtöffentliche Beschlussvorlage aus dem Magistrat der Presse zugespielt. Bürgermeister Kretschmann sieht darin nicht nur einen massiven Vertrauensbruch. Er geht auch davon aus, dass durch die vorzeitige Veröffentlichung ein wirtschaftlicher Schaden für die Stadt entstanden ist.  

Um was geht´s?  

Die Stadtverordnetenversammlung hatte bereits vor längerer Zeit den Magistrat aufgefordert, die Bedingungen und Kosten für eine Verlagerung der SKG-Sportplätze aus dem Überschwemmungsgebiet am Altrheinufer hinter den Rheindeich zu überprüfen. Außerdem sucht die Stadt momentan nach einem Gelände, um möglichst rasch eine neue Kindertagesstätte zu errichten. Durch die geltenden Vergabegesetze (europaweite Ausschreibung) wird sich die Realisierung der Kita in dem ehemaligen REWE-Markt im Goddelauer Gewerbegebiet weiter verzögern. Um dem steigenden Bedarf nach Kinderbetreuung gerecht zu werden, braucht die Stadt schnell eine möglichst nachhaltige Lösung, statt viel Geld in Provisorien und Containerbauten auszugeben.  

Hinzu kam eine verwaltungsinterne Initiative nach einer Untersuchung, ob im Bereich der Erfelder Großsporthalle ein neues Baugebiet realisiert werden kann. Auch hiermit griff die Verwaltung eine Beschlussfassung des Stadtparlamentes aus, die noch kurz vor der Kommunalwahl 2016 in einer Sondersitzung das Thema „Sozialer Wohnungsbau“ in den Fokus nahm.  Die großen Probleme der Wohnungsnot vieler in Riedstadt gemeldeter Familien sollen mit dem jetzt vorliegenden Konzept angegangen werden. Dabei gilt es, in dem neuen Baugebiet „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen. Neben dem reinen sozialen Wohnungsbau zeigt sich immer stärker, dass auch Normalverdiener Schwierigkeiten haben, Wohneigentum zu finanzieren.  

Die „Bauland-Offensive Hessen“ hat nun mit Förderung des Landes Hessen in einer detaillierten „Machbarkeitsstudie“ verschiedene Varianten für die Entwicklung eines solchen Baugebiets am nordwestlichen Erfelder Ortsrand erarbeitet. Da in dem Papier Aussagen insbesondere zur Finanzierung und der Höhe der Grundstückspreise getroffen werden, sollten die Unterlagen bis zu einer endgültigen Entscheidung des Parlaments nichtöffentlich behandelt werden.  

Der jahrzehntealte Wunsch der SKG nach Verlagerung des Sportgeländes, die Minderung der Wohnungsproblematik innerhalb der Stadt und der schnellstmögliche Neubau einer Kindertagesstätte in Fertigbauweise – nach Ansicht von Bürgermeister „schlägt das jetzt vorgeschlagene Baugebiet drei Fliegen mit einer Klatsche“.  

„Die Entwicklung eines Stadtteils, egal in welcher Größenordnung, muss öffentlich diskutiert werden und wird öffentlich diskutiert.“, so Bürgermeister Kretschmann in seiner Stellungnahme an die Presse. Es geht nicht darum, im „stillen Kämmerlein“ und an den Bürgern vorbei ein solches Projekt durchzuziehen.  

Mit der Vorlage in der Stadtverordnetenversammlung sollten die Stadtverordneten Informationen erhalten, um verschiedene Herangehensweisen zu diskutieren. Gerade im Hinblick auf die Alteigentümer gibt es verschiedene rechtliche Betrachtungsweisen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die politisch von den Stadtverordneten bewertet und entschieden werden müssen. Die vorgelegte Machbarkeitsstudie dient hierbei als Entscheidungshilfe.  

Für Kretschmann und die Stadtverwaltung ist das Gebiet in Erfelden aus mehrfachen Gründen besonders als Entwicklungsgebiet geeignet: Es ist das einzige Gebiet, bei dem die Entwässerung ohne zusätzliche Investitionen möglich ist. In den übrigen Stadtteilen sind weitere Neubaugebiete allein schon wegen der dortigen Abwassersituation technisch nicht oder nur sehr schwer möglich. Dort muss zuerst viel Geld in die Sanierung und den Ausbau der Kanalisation gesteckt werden.

Im Erfelder Baugebiet wäre aufgrund seiner Lage, Größe und einer abschnittweisen Umsetzung auch eine sozial gerechte städtebauliche Durchmischung möglich. Die im Gutachten genannten 193 Wohneinheiten teilen sich in 40 Einfamilienhäuser, 34 Doppelhaushälften, 41 Reihenhäuser und 78 Eigentumswohnungen auf. Allein diese Bebauungsstruktur stellt nach Ansicht der Stadt sicher, dass keine „sozialen Brennpunkte“ entstehen können.  

Auch wenn die Machbarkeitsstudie konkrete Grundlagen untersucht - ob überhaupt an besagter Stelle in Erfelden ein Baugebiet entwickelt werden soll, wird in der Stadtverordnetenversammlung entschieden. „Und natürlich geht mit dem umfangreichen Bebauungsplanverfahren eine umfassende Bürgerbeteiligung einher“, versichert der Bürgermeister. Er widerspricht ausdrücklich dem von einzelnen Stadtverordneten oder Fraktionen vermittelten Eindruck, er nähme diese Bürgerbeteiligung nicht ernst.    

Wie geht´s weiter?  

Nach heutigem Informationsstand wird wohl die Stadtverordnetenversammlung zunächst den Weg für den dringend nötigen Neubau einer Kindertagesstätte frei machen - unabhängig von einer noch ausstehenden Entscheidung über die weitere Entwicklung des Baugebiets oder die Sportplatzverlagerung. Für Kretschmann ist das mit viel fundiertem Zahlenmaterial unterfütterte Konzept der Bauland-Offensive eine einmalige Chance für eine wesentliche Verbesserung der Infrastruktur für Erfelden. Letztendlich ließen sich die SKG-Sportplätze, das Cricket-Sportfeld, die Kindertagesstätte, das Baugebiet mit Spielplatz und Grünanlage und nicht zuletzt eine neue geordnete Zufahrt zum Wertstoffhof aus dem Erlös des Baugebietes finanzieren.  

Ob aber überhaupt und wenn ja in welcher Größe oder in welchen zeitlichen Abschnitten das Neubaugebiet entwickelt wird, welche Konsequenzen für Verkehrsströme, für die örtliche Infrastruktur damit verbunden sind – all das wird in den nächsten Monaten zu diskutieren und zu bewerten sein.  

„Die Machbarkeitsstudie legt die Fakten als Entscheidungshilfe fundiert offen – ob das klammheimlich wieder in der Schublade verschwindet, entscheiden nun die Mitglieder des Stadtparlaments“.  

Das Foto wurde uns freundlicherweise von Robert Heiler zur Verfügung gestellt.