Schaukelwurm und Schmetterlingsball

Kinderkonferenz der Kita Thomas-Mann-Platz berät über Anschaffungen von Preisgeld

Das Präsidium der Kinderkonferenz: Anna, Alexander, Fionn, Lilly und Arne (v. li.) mit Kitaleiterin Eva Steinbach
Das Präsidium der Kinderkonferenz: Anna, Alexander, Fionn, Lilly und Arne (v. li.) mit Kitaleiterin Eva Steinbach

Im Bewegungsraum der Kindertagesstätte Thomas-Mann-Platz in Riedstadt-Erfelden sitzen sieben Kinder mit Kita-Leiterin Eva Steinbach in der Runde, in ihrer Mitte ein großer, bunter Koffer.  „In dem Koffer sind alle Sachen drin, die wir brauchen“, erklärt Florian (sechs Jahre). Zum Beispiel ein selbst gemaltes Schild mit der Aufschrift „Ich sage was“, das Arne (fünf) in Empfang nimmt. Oder die beiden Anstecker mit den gemalten Mikrofonen, die sich Lilly (sechs) und Anna (fünf) an den Pulli heften. „Wir geben den Kindern nachher das Mikrofon“, sagt Lilly. Sie ist für die Kinder aus der roten und der gelben Gruppe zuständig, Anna für die grüne und blaue Gruppe.  

Florian, Anna, Lilly und die anderen vier sind „Briefkastenkinder“ der Kita und treffen gerade letzte Vorbereitungen für die Kinderkonferenz der Kita – eine Vollversammlung, in der die Kinder gemeinschaftlich und ganz demokratisch über Kitaangelegenheiten beraten und abstimmen. Jede der vier Farbengruppen wählt zu Beginn eines Kitajahres für das ganze Jahr zwei Briefkastenkinder und zwei Stellvertreter. „Ein sehr begehrtes und angesehenes Amt“, weiß Kitaleiterin Eva Steinbach aus vielen Jahren Erfahrung. Schließlich gibt es das Kinderparlament der Kita Thomas-Mann-Platz bereits seit 20 Jahren.  

Die Briefkastenkinder sammeln in ihren Gruppen auf Zettel gemalte Wünsche und Anregungen, die im Plenum besprochen werden sollen, und leiten in verschiedenen Funktionen als Präsidium die Kinderkonferenz. An diesem Vormittag ist Fionn (fünf) der Sprecher, Florian und Neyla (beide sechs) betreuen die Maltafel, auf der sie in gezeichneten Bildern den Verlauf der Konferenz protokollieren. Arne bringt dem Kind, das Rederecht bekommen hat, das Sprechzeichen und Lilly oder Anna das Mikrofon. Anna hat außerdem die Glocke und soll bei steigendem Lärmpegel für Ruhe sorgen – sie wird allerdings wenig gebraucht.  

Auffallend sind die festen Abläufe der Kinderkonferenz, angefangen mit der Sitzordnung: Jede der vier Gruppen hat ihre feste Sitzecke im Bewegungsraum. Geradezu feierlich ziehen die Gelben, die Grünen, die Blauen und die Roten nacheinander mit ihrer jeweiligen Fahne ein und werden genauso feierlich von Sprecher Fionn begrüßt. „Wir haben ganz feste Strukturen, was für die Kinder sehr gut ist“, erklärt Steinbach.  

Alexander hat bei dieser Kinderkonferenz eine besonders wichtige Aufgabe: Er ist zuständig für die Wünsche-Tafel. Hier stehen all die gemalten Ideen der Kindergartenkinder, was mit dem im November erhaltenen Preisgeld von 500 Euro angeschafft werden könnte. Denn für ihr vorbildliches demokratisches Verhalten hat die Kita den Come-Together-Preis für Demokratie und Menschenrechte des Kreises Groß-Gerau in der Kategorie „Förderungen eines respektvollen Zusammenlebens in der Gesellschaft“ erhalten (wir haben berichtet).  

Für alle Kinder erklärt Alexander gewissenhaft, was alles auf der Tafel steht. Zum Beispiel ein Schaukelwurm für den Turnraum. Oder Eiswürfelformen zum Experimentieren. Aber auch Pferdepuzzle, Polizeilego, eine Verkehrsampel für den Turnraum oder Styroporplatten für den Werkraum. Während der Kinderkonferenz kommen spontan noch weitere Ideen hinzu. Anna aus der gelben Gruppe ist aufgefallen, dass die Babypuppe dort kein eigenes Bett hat. Sophia wiederum wünscht sich einen Pool für den Sommer und eine Wasserrutsche.  

Eva Steinbach bittet die Kinder, in den nächsten zwei Tagen alle neuen Wünsche ebenfalls aufzumalen. Die werden dann gemeinsam mit den bisherigen Ideen und denen  der Hortkinder ausgestellt. Erzieherin Rebecca Klos erklärt noch, wie es dann weitergeht: Jedes Kind bekommt einen Aufkleber und darf ihn auf die Idee kleben, die es am allerbesten findet. Die Wünsche mit den meisten Stickern sollen dann angeschafft werden – so lange, bis das Preisgeld erschöpft ist.