Rote Marker für gefährliche Stellen

Bei einem Stadtspaziergang mit Verkehrsplanern untersuchen Grundschüler neuralgische Punkte auf ihrem Schulweg

Emma zeichnet ihren Schulweg auf dem Stadtplan ein, mit dabei auch  Lehrerin Steffy Steuernagel
Emma zeichnet ihren Schulweg auf dem Stadtplan ein, mit dabei auch Lehrerin Steffy Steuernagel
Marlon vermisst den Gehsteig auf der Freiherr-vom-Stein-Straße
Marlon vermisst den Gehsteig auf der Freiherr-vom-Stein-Straße
Haydar und Alina arbeiten mit Neele Schrader vom  Planungsbüro Mobilitätslösung an der Schlusspräsentation
Haydar und Alina arbeiten mit Neele Schrader vom Planungsbüro Mobilitätslösung an der Schlusspräsentation

Konzentriert sitzen die Klassensprecher und -sprecherinnen aller 17 Klassen der Georg-Büchner-Schule in Riedstadt-Goddelau vor großen Plänen ihres Ortes, zeichnen Wege ein und verteilen grüne und rote Punkte. Drittklässlerin Alina klebt einen roten Punkt auf die Philippsanlage nahe der Einmündung zur Friedrich-Hartung-Straße. „Wir sind immer viel zu viele Kinder für die Verkehrsinsel“, erklärt sie. Weshalb es von ihr den knallroten Marker für eine gefährliche Stelle auf ihrem Schulweg gibt.  

Diplom-Ingenieurin Katalin Saary vom Darmstädter Planungsbüro Mobilitätslösung ist mit ihren Mitarbeiterinnen Neele Schrader und Livia Bachmann in die Grundschule gekommen, um mit den Kindern die aus ihrer Sicht neuralgischen Punkte ihres Schulweges zu besprechen und anschließend bei einem Stadtspaziergang genauer zu untersuchen. Mit dabei sind auch Konrektorin Anette Krauskopf und Lehrerin Steffy Steuernagel sowie Frank Schaffner vom Ordnungsamt der Stadt Riedstadt und die Schutzfrau vor Ort, Katja Vagi-Mager. Später kommt auch Bürgermeister Marcus Kretschmann hinzu, um sich von den Schülerinnen und Schülern die Ergebnisse ihres Stadtspaziergangs im Umfeld der Schule berichten zu lassen.  

Doch im Mittelpunkt stehen eindeutig die Kinder. „Ich brauche niemanden von meiner Sichtweise überzeugen“ und „jede Meinung genießt den gleichen Respekt“, hat Saary gleich zu Beginn des Vormittags als Gesprächsregel ausgegeben. Denn bei diesem zweiten Termin im Rahmen des Förderprogramms „Besser zur Schule“ des Landes Hessen geht es den Verkehrsplanern um Saary darum, von den Betroffenen selber zu erfahren, wo es auf dem Weg für sie unübersichtliche oder aus anderem Grund gefährliche Stellen gibt. Aber auch, auf welchen Strecken sie sich sicher fühlen – dafür gibt es die grünen Punkte. Denn Ziel der Georg-Büchner-Schule ist es, im Rahmen des Förderprogramms gemeinsam mit dem Kreis Groß-Gerau, der Gesellschaft für integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement und dem Fachbüro Mobilitätslösung einen umfassenden Schulmobilitätsplan zu erarbeiten.  

Nachdem die Grundschüler ihre Schulwege markiert haben, geht es in zwei Gruppen mit Klemmbrettern, Zollstöcken und Regenschirmen auf zwei zuvor festgelegte Rundwege hinaus in den Regen. Nicht das idealste Wetter für einen Stadtspaziergang, dennoch werden gewissenhaft Gehsteigbreiten vermessen, die Länge der Grünphasen an Fußgängerampeln notiert und vermerkt, wenn beim Überqueren einer Straße geparkte Autos oder Laternenpfähle die freie Sicht in Kinderhöhe verhindern.

Gruppe eins marschiert von der Georg-Büchner-Schule aus die Schillerstraße entlang, biegt in die Freiherr-vom-Stein-Straße ein und marschiert an der Martin-Niemöller-Straße vorbei und über Philippsanlage und Pestalozzistraße zurück zur Schule. 1,56 Meter misst Marlon auf dem Gehweg gegenüber der Gesamtschule. Das finden alle Kinder völlig ausreichend. Weniger zufrieden sind sie mit dem Fußgängerübergang zur Schule wenige Meter zuvor. Zwar gibt es eine Fahrbahnverengung, doch Autofahrer nehmen den Übergang zu spät war, stellt Verkehrsplanerin Saary fest.  

Wieder zurück in der Schule zeichnen die Kinder sogenannte Haifischzähne auf ein Blatt Papier und kleben es auf ihren Stadtplan  – die weißen Markierungen in Form von Dreiecken sollen die Aufmerksamkeit der Autofahrer erhöhen. „Das kriegen wir hin“, sagt spontan Bürgermeister Kretschmann, als die Kinder bei der Präsentation ihren Verbesserungsvorschlag erklären. Das Fachbüro Mobilitätsplanung wird nun die vielen Beobachtungen und Vorschläge der Klassensprecher*innen auswerten und beim nächsten Termin im Juni eine Analyse und eine Beschreibung der Handlungsfelder vorstellen. Insgesamt sind noch drei Treffen geplant, bis gegen Ende des Jahres der gemeinsam erarbeitete Schulmobilitätsplan vorliegen soll.