Wie in jedem Jahr seit 2011 mit Ausnahme der zwei Corona-Jahre 2020 und 2021 hatte die Büchnerstadt Riedstadt ihre Grünflächenpatinnen und –paten auch in diesem Jahr zu einem Ausflug eingeladen. Mit diesem Ausflug bedankt sich die Stadt für die Arbeit, die von Bürgerinnen und Bürgern ehrenamtlich für die Pflege öffentlicher Grünflächen in Riedstadt und damit für das Stadtbild geleistet wird.
Die Pflegepatinnen und -paten konnten unter drei möglichen Ausflugzielen wählen. Die Entscheidung fiel auf den „Hessenpark“ in Neu-Anspach, der seit seiner Gründung vor 52 Jahren erheblich gewachsen ist und nun auf einer Fläche von etwa 65 Hektar eine große Anzahl an historischen Gebäuden vor der Zerstörung bewahrt hat. Die rund 45 Riedstädter wurden nach ruhiger Anfahrt am Hessenpark von drei Führerinnen erwartet.
Die große Gruppe teilte sich in drei kleinere auf, denen dann jeweils unter der Leitung einer der sehr fachkundigen Führerinnen ein Überblick über den Hessenpark, seine Entstehung und Geschichte und seine Zielsetzungen vermittelt wurde. Dabei wurden auch bereits einzelne Gebäude am Marktplatz und in der zentralen Baugruppe „Mittelhessen“ besucht, wie beispielsweise das erste im Hessenpark wieder aufgebauten Gebäude, die Kirche aus Niederhörlen. Diese von 1656-1658 erbaute Fachwerkkirche aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf stand vor dem Abriss und wurde 1974 (Grundsteinlegung) im Hessenpark wiederaufgebaut.
Daneben konnten die Riedstädter Besucherinnen und Besucher im Haus aus Frickhofen, einem zweigeschossigen Fachwerkbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, in dem sich unten ein Schulraum befindet und im Geschoss darüber die Lehrerwohnung, ihre Kenntnisse in Sütterlin-Schrift üben und sich an der Entzifferung des an der Schultafel aufgeschriebenen Lehrgedichts versuchen.
Neben den Gebäuden gab es dann auch Einblicke in die bäuerliche Landbewirtschaftung. So konnten auf der Schweineweide zwei Deutsche Sattelschweine von beeindruckenden Ausmaßen bewundert werden. Daneben standen zwei Esel auf ihrer Weide, zudem gab es Hühner, Rinder, Schafe, Ziegen und - schon von weitem hörbare - Gänse zu beobachten. Alle im Hessenpark gehaltenen Tiere gehören alten und teilweise vom Aussterben bedrohten Haustierrassen an, die früher für die hessischen Regionen typisch waren. Der Hessenpark hat es sich zum Ziel gesetzt, nicht nur historische Gebäude, sondern als zertifizierter Arche-Park auch diese historischen Tierrassen zu erhalten. Daneben werden auch andere landwirtschaftliche Nutzungsformen wie Streuobstanbau, Weinbau oder die Verwendung von Korbweiden für die Flechterei gezeigt, inclusive des Verkaufs von dort geflochtenen Weidenkörben.
Nach der etwa einstündigen Führung konnten die Riedstädter Pflegepatinnen und -paten das doch sehr weitläufige Gelände auf eigene Faust erkunden und sich je nach Interesse historische Windmühlen, Kirchen, Synagogen oder Wohngebäude anschauen, oder über die Glasherstellung im Wald bei Glashütten im Taunus informieren. Eine Töpferwerkstatt, ein Schmied oder eine Schreinerei ermöglichten Einblicke in die verschiedenen historischen Handwerke und Werkzeuge. Und wem dann der Kopf ob der Fülle an Informationen schwirrte, der konnte sich bei hessischen und anderen Spezialitäten in den Wirtshäusern des Hessenpark stärken.
Einziger Wermutstropfen des Ausflugs war das nicht ganz besucherfreundliche Regenwetter, das ab Mittag einsetzte. Trotzdem war es ein voller Tag, bei dem für jeden und jede etwas geboten wurde. Um 17 Uhr ging es dann wieder zurück nach Riedstadt, wo die Grünflächenpaten und – patinnen gegen 18 Uhr mit vielen Eindrücken im Gepäck wieder wohlbehalten ankamen.




