Paradies für seltene Pflanzen und Insekten

Stromtalwiesenprojekt der Stadt Riedstadt wird als „Offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet

Hohe Auszeichnung für das langjährige Engagement der Stadt Riedstadt zur Erhaltung der Artenvielfalt durch das Stromtalwiesenprojekt.
Hohe Auszeichnung für das langjährige Engagement der Stadt Riedstadt zur Erhaltung der Artenvielfalt durch das Stromtalwiesenprojekt.
Bürgermeister Marcus Kretschmann, Prof. Dr. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim und Dr. Christian Hey vom Hessischen Umweltministerium folgen den Ausführungen von Projektleiter Matthias Harnisch (von links).
Bürgermeister Marcus Kretschmann, Prof. Dr. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim und Dr. Christian Hey vom Hessischen Umweltministerium folgen den Ausführungen von Projektleiter Matthias Harnisch (von links).
Projektleiter Matthias Harnisch erklärt den besonderen  Lebensraum der Stromtalwiesen.
Projektleiter Matthias Harnisch erklärt den besonderen Lebensraum der Stromtalwiesen.
Prof. Dr. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim  hält die Laudatio
Prof. Dr. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim hält die Laudatio

Seit nunmehr fast 20 Jahren hegt und pflegt die Stadt Riedstadt einen ungewöhnlichen Schatz: Mittlerweile rund 70 Hektar der extrem selten gewordenen und europaweit geschützten Stromtalwiesen, die zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa gehören – und das sowohl hinsichtlich der Pflanzen- als auch der Tierwelt. Für dieses außergewöhnliche und langjährige Engagement wurde die Stadt nun als „Offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Im Riedstädter Rathaus überreichte Dr. Christian Hey vom Hessischen Umweltministerium den Preis in Form eines Holzbäumchens an Projektleiter Matthias Harnisch.  

Bürgermeister Marcus Kretschmann gab vor rund 40 Gästen und Pressevertretern einen Überblick über das bereits 2018 vom „Bündnis Kommunen für Biologische Vielfalt“ als Naturschutzprojekt des Jahres ausgezeichnete Projekt: Im Jahr 2000 startete die Stadt Riedstadt in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem Land Hessen das Vorhaben zur Renaturierung von Stromtal-Auenwiesen in rheinnahen Gebieten von Riedstadt-Erfelden und Riedstadt-Leeheim. Das Stromtalwiesenprojekt wurde bis 2005 durch das Bundesamt für Naturschutz gefördert und von 2007 bis 2008 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Seit 2009 führt die Stadt Riedstadt das Projekt in eigener Regie weiter, dabei teilweise unterstützt durch mehrere Spenden der Fraport AG.  

Stromtalwiesen sind spezielle Auenwiesen an den Niederungen großer Flüsse, die geprägt werden von den schwankenden Wasserverhältnissen in den Flüssen, erklärte Projektleiter Harnisch. Die hier vorkommenden Pflanzen- und Tierarten seien angepasst an die extremen ökologischen Bedingungen mit dem Wechsel von Überflutungen und tiefgründiger Austrocknung. Sonst häufig vorkommende und konkurrenzstarke Arten wie zum Beispiel viele Gräser hätten dagegen keine Chance. Dadurch können sich auf den Stromtalwiesen seltene Pflanzen der Roten Liste ausbreiten, wie etwa Lungenenzian, Sibirische und Bastard-Schwertlilie, Kleines, Hohes und Sumpfveilchen. Von den 212 auf den Riedstädter Stromtalwiesen nachgewiesenen Pflanzenarten stehen 37 auf der Roten Liste. 608 Tierarten werden wiederum von dieser Pflanzenvielfalt angelockt. Dreißig Prozent der in Hessen vorkommenden Laufkäfer-, Heuschrecken- und Schmetterlingsarten finden sich auf den Auenwiesen, berichtete Harnisch.  

Umso höher sei das langjährige Engagement der Stadt in Kooperation mit Landwirtschaft und Wissenschaft zu bewerten, betonte Prof. Dr. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim, der die Laudatio hielt. Denn Stromtalwiesen sind durch die intensive Veränderung der mitteleuropäischen Flussauen sehr selten geworden. Weshalb im Jahr 2000 die Stadt Riedstadt begonnen hat, Ackerflächen in den Gemarkungen Leeheim und Erfelden in Stromtalwiesen zurück zu verwandeln, indem samenhaltiges Mahdgut aus vorhandenen Wiesenflächen aufgebracht wurde.

Die oberen beiden Fotos wurden uns freundlicherweise von Harald von Haza-Radlitz, Gernsheim zur Verfügung gestellt.