Nicht einfach Mahlzeitenlieferant

Ehrenamtliche Fahrerin für „Essen auf Räder“ hört nach 26 Jahren auf

Ute Krumb, Andreas Petke, Brigitte Mayer, Renate Reichard, Annelie Ehrenfels, Angelika Lutz und Hans-Dieter Müller (v. li.) bei der Verabschiedung von Reichard.
Ute Krumb, Andreas Petke, Brigitte Mayer, Renate Reichard, Annelie Ehrenfels, Angelika Lutz und Hans-Dieter Müller (v. li.) bei der Verabschiedung von Reichard.

„Es ging nicht nur um die Versorgung mit einem Mittagsmenü. Es waren die sozialen Kontakte, die Gespräche mit den Essensbeziehern, die ich wichtig und gut fand“, sagt Renate Reichard. Nach 26 Jahren als Fahrerin für „Essen auf Rädern“ bei der Stiftung Soziale Gemeinschaft Riedstadt hat sie nun schweren Herzens aus gesundheitlichen Gründen ihr Ehrenamt abgegeben. „Gerade die persönlichen Beziehungen zu den Essensbeziehern waren wohltuend und auch die Zusammenarbeit zwischen den Fahrerinnen und Fahrern war immer gut. Über die Jahre hinweg haben sich richtige Freundschaften entwickelt“, erklärt sie.  

Es sind solch engagierte Frauen wie Reichard, die die Geschäftsführerin der Stiftung Andrea Deister im Sinn hat, wenn sie sagt: „Wir haben bei Essen auf Rädern Damen, die das seit Jahrzehnten ehrenamtlich machen und sich komplett selbst organisieren. Das ist eine tolle Leistung.“  

Vor dreißig Jahren wurde die Stiftung gegründet mit der Zielsetzung, pflegebedürftigen Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zuhause zu ermöglichen. Zu den Serviceangeboten rund um diesen Leitgedanken gehört auch „Essen auf Rädern“: An allen sieben Tagen der Woche können Menschen in ihren eigenen vier Wänden mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden, es sind aber auch einzelne Tage buchbar.  

Das Zusammenstellen der einzelnen Routen, Abholen des frisch zubereiteten Essens in der Großküche des Vitos Philippshospitals und die Fahrten zu den Essensbeziehern werden von den Fahrerinnen und Fahrern eigenständig organisiert. Renate Reichard kam vor 26 Jahren von einem Tag auf den anderen zu ihrem Ehrenamt, wie sie erzählt: „Eine Fahrerin hatte eine schwere Operation und fiel für mehrere Monate aus. So wurde dringend jemand gesucht und ich sagte sofort zu.“ Im Wechsel mit zwei Kolleginnen fuhr sie die Tour Goddelau – Crumstadt – Stockstadt, eine von insgesamt drei Touren. Als die Kollegin wieder einsatzfähig war, übernahm Reichard eine andere Tour. Denn missen mochte sie die Gespräche mit den Essensbeziehern und die herzliche Atmosphäre im Team da schon lange nicht mehr.  

Schmunzelnd erinnert sie sich an die Anfänge, als das Tragen des Essensgeschirrs zu einer Jonglage mit Hauptspeiseteller, darauf Suppenschüssel, Salatschale und Nachtisch wurde. „Besonders heikel wurde es, wenn man von einem Hund begrüßt wurde“ sagt sie lachend. Die Zeiten des Balanceaktes mit Essgeschirr sind schon lange vorbei: 2002 schaffte der Verein neues Porzellangeschirr an, das sich pro Haushalt in einer eigenen, kompakten Isolierbox befindet.  

Stiftungs-Geschäftsführerin Deister betont, wie wichtig „Essen auf Rädern“ für die Stiftung ist. „Dieses Angebot ist ein wichtiges Glied in der ambulanten Betreuung und hat eine wirklich große Bedeutung für die Menschen“, erklärt sie. Renate Reichard wird die Kontakte mit den Essensempfängern vermissen. Aber ganz muss sie dennoch nicht Abschied nehmen: „Wir Fahrer trafen uns auch privat und zu diesen Treffen werde ich auch in Zukunft gerne kommen.“