Land unterhält Sommerdeich nicht mehr

Gespräch verdeutlicht: Unterhaltung nur eines Teilstücks des Damms vor dem Winterdeich ergibt keinen Sinn.

Der Sommerdeich im Naturschutzgebiet Knoblochsaue wird vom Land nicht mehr unterhalten und gepflegt.
Der Sommerdeich im Naturschutzgebiet Knoblochsaue wird vom Land nicht mehr unterhalten und gepflegt.

Insgesamt 5,9 Kilometer lang ist der Sommerdeich, der vom Kieswerk Fretter dem Bogen des Altrheins bis zur Nordspitze der Insel Kühkopf folgt, dann parallel zum Rhein weiterläuft, in Höhe des Plattenhofs vom Strom weg nach Osten schwenkt und schließlich am Pumpwerk Kammerhof endet. Die ersten 2.100 Meter sowie die letzten 150 Meter davon gehören der Stadt Riedstadt, die dazwischen liegenden 3.650 Meter dem Land Hessen.  

Die vergleichsweise niedrigen Sommerdeiche sollen kleinere Hochwasser abhalten, um eine Bewirtschaftung des Landes vor dem Winterdeich in der warmen Jahreszeit zu ermöglichen. Das funktioniert aber nur, wenn der Sommerdeich in seiner vollen Länge unterhalten und gepflegt wird – kann das Wasser an einer marode gewordenen Stelle eindringen, verteilt es sich über die gesamte Fläche zwischen Sommer- und Winterdeich. Weshalb Bürgermeister Marcus Kretschmann und der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Umweltplanung, Hans Domes sich mit dem Revierförster von Hessen-Forst und Leiter des Umweltbildungszentrums Schatzinsel Kühkopf Ralph Baumgärtel zu einem Gespräch im Rathaus getroffen haben, um ihr Vorgehen aufeinander abzustimmen.  

Baumgärtel bestätigte dabei, was die Stadt schon länger beobachtet hatte: „Nach den derzeitigen Vorgaben wird der Sommerdeich von uns nicht mehr unterhalten. Lediglich die ausgewiesenen Wanderwege auf dem Sommerdeich werden zur Erhaltung der Verkehrssicherheit von Hessen-Forst gepflegt.“ Nach Prüfungen des hessischen Umweltministeriums gebe es für diesen speziellen Sommerdamm keine Unterhaltspflicht, weder für das Land, noch für die Stadt. „Wir haben keine Mittel, um mehr zu machen als vorgeschrieben. Vor allem aber halten wir es auch für kontraproduktiv“, betonte der Revierförster.  

Dies nicht nur aus Naturschutzgründen, sondern sogar auch für die landwirtschaftlichen Grünflächen. Denn das Auengrasland vertrage – ebenso wie die Wälder - wechselnde Wasserstände sehr gut. Fatal seien dagegen Stausituationen mit ihrem Badewanneneffekt wie etwa bei dem Sommerhochwasser 2013, als das Wasser lange zwischen den beiden Deichen stand und wegen des Sommerdeiches nicht abfließen konnte. Auch für den Winterdeich sei diese Situation nicht gut, erklärte Baumgärtel: Das Hochwasser käme zwar später dort an, stünde dafür aber deutlich länger und durchfeuchte entsprechend den Winterdeich. 

Auf dem rund 600 Hektar großen Gebiet zwischen Sommer- und Winterdeich würden Bäume und Grünflächen überwiegen, 450 Hektar gehörten bereits zum Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue, so Baumgärtel. Lediglich ein sehr geringer Anteil von weniger als 90 Hektar sei Ackerfläche, die in der Tat kein Hochwasser vertrage.  

„Es ergibt für die Stadt überhaupt keinen Sinn, ihren Teil des Sommerdeichs zu unterhalten, wenn er an anderer Stelle verfällt“, folgerte Bürgermeister Kretschmann aus dem Gespräch. Es tue ihm sehr leid für den Landwirt, der dort Ackerfläche habe. „Aber das Wasser wird sich dann trotzdem seinen Weg suchen.“

Das Foto wurde uns freundlicherweise von Hans Domes zur Verfügung gestellt.