Haselnuss mit Soja

Bürgermeister Kretschmann informiert sich über Umstellung auf biologische Landwirtschaft

Auf dem Haselnussfeld von Familie Schellhaas
Auf dem Haselnussfeld von Familie Schellhaas
Bettina Schellhaas zeigt die ersten, noch grünen Haselnüsse.
Bettina Schellhaas zeigt die ersten, noch grünen Haselnüsse.

Am letzten Tag im Juli war Marcus Kretschmann Gast auf dem Landhof der Familie Schellhaas in Crumstadt. Damit setzte der Bürgermeister die Reihe der Besuche landwirtschaftlicher Betriebe in Riedstadt fort.  

Kai Schellhaas hat den ungefähr 160 Hektar umfassenden Hof von seinem Vater übernommen. Schon seit langem liegt der Schwerpunkt der Familie Schellhaas auf der Erzeugung von Gemüse, besonders Zwiebeln und Sellerie für Konserven- und Lebensmittelhandel wurden angebaut. Eigene Zwiebel-Sortiermaschinen und eine Zwiebel-Schälmaschine sowie ausgedehnte Lagermöglichkeiten zeugen von dieser Spezialisierung. So wie auf fast allen landwirtschaftlichen Betrieben lastet auch auf dem Familienbetrieb ein hoher Druck, wie Kai Schellhaas ausführlich erläutert. Der Handel setzt die Landwirte mit geringen Erzeugerpreisen so unter Druck, dass sich am Ende der Anbau nicht mehr lohnt. Mit seiner Meisterprüfung im gärtnerischen Gemüsebau setzt Kai Schellhaas auf viele Experimente, was auf den speziellen Böden in Crumstadt erfolgversprechend angebaut werden könnte. So hat er sich im vergangenen Jahr entschlossen, den Betrieb beim Anbauverband Naturland registrieren zu lassen und auf biologische Landwirtschaft umzustellen.  

Vielversprechend findet er die zahlreichen Kontakte und den Austausch mit Kollegen. Aktuell wurden auf sechs Hektar Haselnüsse neu gepflanzt, die in diesem Jahr im Unterwuchs von Sojapflanzen als Stickstoffsammler mit Nährstoffen versorgt werden. Dazu kommen Bio-Zuckerrüben und kleine Mengen von Ölsaaten. Triticale-Weizen (Kreuzung aus Weizen und Roggen), Sellerie, Kürbis und Zwiebeln sind weiter mit in der Anbaupalette. Aktuell befindet sich der Betrieb in der zweijährigen Umstellungsphase. „Jetzt ist es besonders hart, die Produkte zu vermarkten“ merkt Kai Schellhaas an. So dürfen Biobetriebe Futtermittel aus Umstellungsbetrieben nur in einem gewissen Prozentsatz verwenden. Aber in der Nähe gibt es kaum biologisch wirtschaftende Tierhalter. So schmälern weite Transportwege den wirtschaftlichen Ertrag.  

Bürgermeister Kretschmann sieht noch viel gesellschaftlichen Handlungsbedarf: „Bioprodukte müssen viel mehr im Einkaufskorb von uns allen auftauchen.“ Dabei seien Bio-Billigangebote beim Discounter auch kritisch zu sehen. „Die Landwirte müssen einen angemessenen Preis für ihre Produkte erhalten, von dem die Familien gut existieren können. Schließlich hängt unsere Ernährung, aber auch Boden- und Wasserqualität zu einem großen Teil von der Landwirtschaft ab. Das sollte uns etwas wert sein.“ Außerdem würde er gerne bei der ersten Haselnussernte dabei sein. Möglicherweise reicht es in diesem Jahr schon für die Weihnachtsbäckerei.    

Das Foto oben zeigt (v.l.n.r.) Felix Tomalla von der Fachgruppe Immobilien- und Vertragsmanagement, Bürgermeister Marcus Kretschmann sowie Gerhard, Kai und Bettina Schellhaas.