Geschichte und Moderne an einem Ort

Bürgermeister Marcus Kretschmann besucht den Bensheimerhof

Im Hof des Bensheimerhofs
Im Hof des Bensheimerhofs

Im Rahmen seiner Besuche landwirtschaftlicher Betriebe war Bürgermeister Marcus Kretschmann letzte Woche zu Gast auf dem Bensheimerhof. Schon von außen wirkt der weithin sichtbare Vier-Seiten-Hof zwischen Erfelden und Leeheim als ganz besonderes Bauwerk und lässt eine lange Geschichte vermuten. Dr. Karin Kraft ist die derzeitige Eigentümerin des Betriebes, der aktuell ungefähr 336 Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet.  

Der Bensheimerhof wurde schon im Jahr 782 urkundlich erwähnt. Die Familie Kraft übernahm den Hof 1931. In der Zwischenzeit gehörte er nacheinander dem Kloster Lorsch, dem Kloster Eberbach im Rheingau, den Landgrafen von Hessen und Graf Görtz zu Schlitz. Von den ursprünglichen Gebäuden ist nichts mehr vorhanden, der älteste erhaltene Teil ist wohl das Fachwerkhaus neben der Toreinfahrt.  

Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz, was natürlich eine Herausforderung für die Besitzerin darstellt. „Notwenige Sanierungen lassen sich aus den Betriebserlösen nur sehr schwer finanzieren“, erläutert Frau Kraft, „und ohne eine moderne Halle außerhalb des Hofes lässt sich die Logistik mit Lagerung und Transport nicht mehr darstellen.“  

Denn der Bensheimerhof hat sich auf die Produktion von Getreide-Saatgut spezialisiert. Vor allem Winterweizen und Wintergerste wird in bis zu 25 verschiedenen Sorten angebaut und für den Weiterverkauf vorbereitet und verpackt. Bei einem Rundgang konnten die vielen verschiedenen Arbeitsschritte gut nachvollzogen werden, denn das in diesem Jahr geerntete Getreide lagerte zu großem Teil noch auf dem Betrieb. Von hier wird es über den Großhandel an die landwirtschaftlichen Betriebe verkauft, die es dann erneut aussähen und nach der Ernte im kommenden Jahr an die Lebensmittel-Produzenten abgeben.  

Während früher jeder Landwirt einen Teil der Ernte als Saatgut für das Folgejahr aufhob, muss heute immer wieder Saatgut eingekauft werden. Das liegt an der aufwendigen Sortenzüchtung, die Eigentumsrechte an den jeweiligen Sorten über Lizenzen geltend machen kann. Auftragsvermehrung von solchem Saatgut findet nur an ganz wenigen Standorten statt und so stellt der Bensheimerhof ein wichtiges Bindeglied zwischen Pflanzenzucht und landwirtschaftlicher Lebensmittelproduktion dar.    

Bürgermeister Kretschmann zeigte sich beeindruckt: „Geschichte und Moderne finden hier sehr gut zusammen. Bei allen Schwierigkeiten im Einzelfall werden doch gute Lösungen gefunden, den Charakter des Ensembles zu erhalten und seine landwirtschaftliche Nutzung fortzuführen.“    

Unser Foto zeigt (v.l.n.r.) Karin Kraft, Sascha Komm (Betriebsleiter), Felix Tomalla (Stadt Riedstadt) und Bürgermeister Marcus Kretschmann.