Erreichbarkeit der Stadtverwaltung

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„Für mich wahre Helden“

Bürgermeister Marcus Kretschmann erlebte intensive Balkongespräche mit alleinstehenden älteren Personen

Bürgermeister Marcus Kretschmann sitzt auf einem Stuhl, ihm gegenüber Mario Heymann in einem Rollstuhl auf seiner Terrasse.
Mit Mario Heymann unterhielt sich Bürgermeister Marcus Kretschmann in ausreichender Entfernung auf der Terrasse.

An den drei Tagen des langen ersten Mai-Wochenendes hat Bürgermeister Marcus Kretschmann alleinstehende Menschen besucht, die durch Alter oder chronische Erkrankungen geschwächt und zurzeit besonders isoliert sind – er in gebührendem Abstand vor dem Haus oder auf der Terrasse, seine Gesprächspartner auf dem Balkon, vor dem offenen Fenster oder mindestens zwei Meter entfernt auf der Terrasse.  

Drei intensive Tage, an denen der Bürgermeister vor allem zugehört hat. „Dieses Wochenende hat mich sehr berührt und geerdet. Mir ist sehr bewusst geworden, wie wichtig es ist, nicht allein zu sein und gesund  – auch unabhängig von Corona, aber in dieser schwierigen Zeit umso mehr“, sagt Kretschmann.  

Zwölf „Balkongespräche“ hat er geführt, viele mit Gästen und Klienten der Initiative Atempause unter dem Dach der Stiftung Soziale Gemeinschaft Riedstadt, aber auch mit Menschen, die vom Helfernetzwerk Riedstadt unterstützt werden, oder die selber im Rathaus telefonisch um einen Termin gebeten hatten. Der Bürgermeister brachte als kleines Präsent Honig aus Riedstadts italienischer Partnerstadt Sortino mit, die sehr unter der Corona-Pandemie leidet. Vor allem aber viel Zeit zum Schwätzen und Zuhören. Angedacht war je Gespräch ungefähr eine halbe Stunde, doch wurde daraus gelegentlich auch eine Stunde.  

Kretschmann erlebte Menschen in einer eh schon schwierigen Situation, deren Leben durch die Kontaktbeschränkungen noch einmal komplizierter und vor allem noch einsamer geworden ist – und die dennoch voll hinter den ergriffenen Maßnahmen stehen. Da ist etwa der alleinstehende Mann mit einer Autoimmunerkrankung, dessen Höhepunkt der Woche früher die Fahrt zum Einkaufen mit einem Mitarbeiter der Stiftung Soziale Gemeinschaft war und die nun auf unbestimmte Zeit ausfallen muss. Oder die Oma, der es das Herz zerreißt, dass sie ihr Enkelkind nur noch aus der Ferne sehen darf.  

„Für mich sind sie wahre Helden dieser Krise, weil sie nie auf die Idee kämen, die Regeln nicht einzuhalten, obwohl sie sie so hart treffen“, so der Bürgermeister, der die Balkongespräche zu einem späteren Zeitpunkt gerne noch einmal anbieten möchte.