Forschungsobjekt Grünanlagen

Technische Universität Darmstadt untersucht das Verhältnis von Räubern und Beutetieren unter den dortigen Insekten

Beispiel eines „Räubers“ (Prädator) innerhalb einer artenreichen Grünfläche: Die Wespenspinne
Beispiel eines „Räubers“ (Prädator) innerhalb einer artenreichen Grünfläche: Die Wespenspinne

In den nächsten Tagen werden auf ausgewählten Riedstädter Grünflächen in Erfelden und Leeheim erneut wissenschaftliche Untersuchungen der Technischen Universität Darmstadt durchgeführt. Dabei wird der Ökosystemprozess „Prädation“ erforscht, das heißt, es wird das Verhältnis zwischen Räubern (= Prädatoren) und Beutetieren in einem Ökosystem untersucht und wie sich dieses auf die Zusammensetzung der Arten und die Prozesse in einem Ökosystem auswirkt.  

So wie im Großen das Vorkommen beispielsweise von Raubvögeln auch vom Vorhandensein von Beutetieren wie Mäusen abhängt, sind auch im Kleinen - wie auf den Riedstädter Grünflächen - die Vorkommen räuberisch lebender Kleintierarten (beispielsweise Spinnen, aber auch Insekten fressende Vögel) mit dem Vorkommen von Beutetieren eng verbunden. Grundsätzlich kann gesagt werden, je größer die Vielfalt an Arten in einem bestimmten Ökosystem ist, desto vielfältiger und komplexer sind auch die Beziehungen zwischen Räubern und Beute - umgekehrt können aus der Vielfältigkeit der Räuber-Beute-Beziehungen Aussagen über die Komplexität eines Ökosystems abgeleitet werden.  

Die Stadt Riedstadt setzt damit die seit Jahrzehnten laufende fruchtbare Zusammenarbeit mit Universitäten fort. Die Stadt stellt der Wissenschaft und dem wissenschaftlichen Nachwuchs Themen und Flächen für Untersuchungen zur Verfügung und erhält dafür fundierte Grundlagendaten. Diese Daten können dann als Grundlage für neue städtische Planungen und Projekte genutzt werden, aber auch zur Überprüfung des Erfolgs bereits durchgeführter städtischer Maßnahmen, wie zum Beispiel des Stromtalwiesenprojekts.  

Auf den Riedstädter Grünflächen wurden in der Vergangenheit bereits umfangreiche Untersuchungen durchgeführt: Im Jahr 2013/14 standen dabei im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Gießen zunächst die Vegetationsentwicklung und die Akzeptanz der Maßnahmen bei der örtlichen Bevölkerung im Zentrum. 2015 folgte eine Untersuchung der bodenlebenden Arthropoden (Gliederfüßer), 2016 eine Erfassung der pflanzenlebenden Insekten und Spinnen (beides Bachelorarbeiten an der TU Darmstadt).    

2016/2017 wurde dann in einer weiteren Bachelorarbeit an der TU Darmstadt die „Anthropoden-Abundanz und –Gemeinschaftszusammensetzung auf städtischen Renaturierungsflächen“ untersucht, gefolgt von einer Arbeit über den „Einfluss von urbanen Renaturierungsmaßnahmen auf Ameisengemeinschaften“ (2017/18, ebenfalls TU Darmstadt). Als Grundlage für diese Untersuchungen hat die Stadt Riedstadt 100 Dauerbeobachtungsflächen von 1 mal 1 Meter Größe eingerichtet, mit deren Hilfe immer wieder auf den gleichen Flächen langfristig vergleichbare Daten erhoben werden können.