Ende der Schnakenplage in Sicht

Lebenszyklus der nach Totalausfall der KABS-Hubschrauber massenhaft geschlüpften Rheinschnaken endet Mitte Juli

Hubschrauber im Einsatz bei der Schnakenbekämpfung
Hubschrauber im Einsatz bei der Schnakenbekämpfung

Nach dem Totalausfall der beiden Hubschrauber der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) ist es wie befürchtet zu einem massenhaften Schlüpfen der Rheinschnaken in den überschwemmten Auenlandschaften des Kühkopf und der Knoblochsaue gekommen (wir haben berichtet). Besonders unangenehm ist die Situation auf dem Kühkopf und dem direkt angrenzenden Riedstädter Stadtteil Erfelden. Da jedoch die Plagegeister auf der Suche nach einer Blutmahlzeit, die die Weibchen zur Entwicklung ihrer Eier benötigen, viele Kilometer fliegen können, ist auch in den anderen vier Riedstädter Stadtteilen ein Aufenthalt im Freien insbesondere in der Dämmerung kaum möglich.  

Doch ein Ende der Plage ist nach Auskunft der KABS absehbar: Da die Stechmücken eine Lebenszeit von vier bis sechs Wochen haben, geht die Anzahl der Rheinschnaken allmählich zurück. Anfang Juli bis allerspätestens Mitte Juli sollte das Schlimmste ausgestanden sein. Und eine neue Generation der Plagegeister  ist zurzeit auf Kühkopf und Knoblochsaue nicht in Sicht, wie der regionale Gebietsbetreuer der KABS, Klaus Hoffmann, erläutert: „Wir beproben ganz regelmäßig und bisher wurden keine neuen Larven gefunden.“ Das hänge mit einer Besonderheit der Rheinschnaken zusammen: Anders als die meisten anderen Stechmückenarten legt das Weibchen ihre Eier nicht in stehendes Wasser, sondern benötigt die trockengefallen Böden der ehemaligen Brutstätten. Da der Wasserstand in den Auen nach wie vor hoch ist, können die Eier derzeit nicht abgelegt werden. Erst, wenn der Wasserstand sinkt und dann eine nächste Hochwasserwelle kommt, können sich wieder Larven entwickeln.  

Da die KABS mittlerweile wieder über zwei Hubschrauber verfügt, kann sie in diesem Fall zur Bekämpfung der Rheinschnaken das Fraßgift BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) ausbringen. Das schädigt ausschließlich den Darm der Mückenlarven und lässt sie nach kurzer Zeit sterben – für die Puppen und geschlüpften Stechmücken ist es dagegen harmlos.  

Der wissenschaftliche Direktor der KABS, Dr. Norbert Becker, erklärt auf Nachfrage der Stadt Riedstadt auch, warum nach dem Totalausfall beider Hubschrauber nicht kurzfristig andere Hubschrauber ausgeliehen wurden, um die Schnaken noch im Larvenstadium bekämpfen zu können: „Wir haben es überall versucht, unter anderem beim Technischen Hilfswerk und auch bei der Bundeswehr. Doch es war aus technischen Gründen nicht möglich, der Antrieb für den Kübel war nicht kompatibel und konnte auch nicht umgerüstet werden.“ So funktioniere der Antrieb für die Kübel bei den Hubschraubern der KABS hydraulisch, bei den anderen Hubschraubern jedoch elektronisch. Die Hubschrauber der KABS seien genau auf die besonderen Erfordernisse der Schnakenbekämpfung aus der Luft ausgelegt. „Sie müssen sehr beweglich sein“; so Becker. Doch die KABS habe aus der Extremsituation, in der innerhalb von 19 Stunden beide Hubschrauber ausfielen, gelernt: „Wir haben jetzt einen Kübel, der auch mit elektronischen Antrieb funktioniert.“  

Und noch eine Nachfrage aus der Bevölkerung beantworten die Experten der KABS: Die Asiatische Tigermücke wurde bisher in Heidelberg und Frankfurt nachgewiesen, nicht aber im Hessischen Ried. Doch selbst wenn es einzelne Exemplare geben sollte, können sie sich nicht parallel zu den Rheinschnaken massenhaft vermehrt haben, wie Hoffmann erklärt: „Sie brauchen für die Eiablage stehendes Wasser wie in vollgelaufenen Dosen oder Regentonnen. Mit den wechselnden Wasserständen der Aue kommen sie nicht klar.“  

Zur Bekämpfung der Stechmücken im eigenen Garten erhalten Riedstädter Bürger im Rathaus am Empfang kostenlos BTI-Tabletten für größere Wasserbehälter und Gartenteiche.    

Das Foto stammt von Rudolpho Duba / pixelio.de