Ein Schatz an Obstbäumen

290 private Baumpaten - Streuobstwiesen dienen auch dem Erhalt alter Obstsorten

Friedberger Bohnapfel in der Rheinaue - eine gute Sorte für Most
Friedberger Bohnapfel in der Rheinaue - eine gute Sorte für Most
Alter Apfelbaum in der Aue mit deutlich sichtbarer Veredelungsstelle am Stamm
Alter Apfelbaum in der Aue mit deutlich sichtbarer Veredelungsstelle am Stamm
Transparenter aus Croncels
Transparenter aus Croncels

Als 1992 die damalige Gemeindevertretung in Riedstadt beschloss, in allen Ortsteilen sogenannte Hochzeitswiesen mit Obstbäumen anzulegen, war allen Beteiligten nicht klar, wie wichtig und weitsichtig dieser Entschluss war. Streuobstwiesen waren zum damaligen Zeitpunkt sehr selten geworden und nach und nach erinnerte man sich an die wichtigen ökologischen Funktionen dieser Biotope. Gleichzeitig nahm das Interesse an der Erhaltung alter, vom Aussterben bedrohter Sorten zu.  

Inzwischen besitzt die Stadt einen Schatz an alten und neu ergänzten Streuobstwiesen mit insgesamt 1.330 älteren und jüngeren Bäumen, darunter 43 Birnensorten und 140 Apfelsorten.  

Die Fachgruppe Umwelt der Stadt organisiert die Pflege der Bäume, sofern sie nicht in der Obhut von Obst- und Gartenbauvereinen oder anderen Initiativen sind. Inzwischen haben sich 290 Baumpaten gefunden, die regelmäßig auch Baumschnittkurse angeboten bekommen. Selbstverständlich bilden sich auch die Mitarbeiter des Umweltamtes und des Bauhofes in der Obstbaumpflege fort, da noch genug an den Flächen zu tun bleibt. Das Gras der Wiesen wird von Landwirten genutzt und dient entweder als Pferdeheu oder als Schafweide.  

Das besondere biologische Interesse gilt den Sorten, die mit den zum Teil extremen Standorten in der Aue und den immer wieder auftretenden Hochwasser zurechtkommen. Mit Unterstützung von Sortenkundlern wird versucht, an Altbäumen die korrekte Bezeichnung herauszufinden. So konnten relativ seltene Apfel- und Birnensorten wie Oberdiecks Renette, Sparbirne, Grüner Fürstenapfel und Raafs Liebling entdeckt werden. Da diese und andere Sorten sehr gut an den Standort angepasst erscheinen, wurde eine Vermehrung über Reiser vorgenommen. Die etwa 130 neuen ‚alten‘ Bäume warten zur Zeit in einer eigenen ‚Baumschule‘ der Fachgruppe Umwelt darauf, das Klassenzimmer zu verlassen. Sobald sie groß genug für die freie Landschaft sind, werden sie als Ersatz für abgestorbene alte Bäume in der Rheinaue nachgepflanzt.  

Langfristig setzt die Stadt auf eine Kooperation vieler Akteure im Landkreis, um Pflege und Nutzung aller Bestände zu sichern. In Kürze wird die ‚Obstbaumsorte des Jahres 2018‘ vom Geo-Naturpark das Riedstädter Sortiment ergänzen – die Schweizer Wasserbirne.  

Ausführliche Information hält die Internetseite der Stadt bereit: www.riedstadt.de (Hochzeitswiesen)