Daten von Drohne

Mit Fördergeldern soll Vegetationsentwicklung der Stromtalwiesen wissenschaftlich untersucht werden

Matthias Harnisch, Bürgermeister Marcus Kretschmann, Sebastian Linzbauer und Till Kleinenbecker bei der Spendenscheckübergabe (von links).
Matthias Harnisch, Bürgermeister Marcus Kretschmann, Sebastian Linzbauer und Till Kleinenbecker bei der Spendenscheckübergabe (von links).

  Wie wirken sich der Klimawandel und die extrem trockenen Sommer der letzten Jahre auf die Stromtalwiesen aus, die zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa gehören und deren Pflanzen perfekt auf die wechselnden Wasserstände mit regelmäßigen Überflutungen der Auenlandschaft eingestellt sind?  

Diese Frage bewegt in der Büchnerstadt Riedstadt insbesondere Matthias Harnisch, Leiter des Stromtalwiesenprojekts, in dem die Stadt in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem Land Hesssen seit 1997 in rheinnahen Gebieten von Riedstadt-Erfelden und Riedstadt-Leeheim mittlerweile rund 70 Hektar der extrem selten gewordenen und europaweit geschützten Auenwiesen renaturiert hat. „Sorgen macht uns vor allem das Sinken des Grundwasserspiegels“, erklärte Harnisch bei einem Termin im Riedstädter Rathaus.  

Dorthin war Sebastian Linzbauer vom Umweltfond der Fraport AG gekommen, um einen Scheck in Höhe von 27.000 Euro zu überreichen. Mit dem Fördergeld sollen in Zusammenarbeit mit der Uni Gießen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Stromtalwiesen wissenschaftlich untersucht werden. Mit den modernsten technischen Mitteln der Fernerkundung sollen in wiederholten Drohnenbefliegungen über einen längeren Zeitraum die Vegetationsentwicklung auf den Stromtalwiesen dokumentiert werden.  

„Wir mussten lernen, dass Drohne nicht gleich Drohne ist“, erzählte Bürgermeister Kretschmann schmunzelnd aus dem Anfangsstadium der Projektentwicklung. Denn für eine fundierte wissenschaftliche Untersuchung werden hochaufgelöste Daten benötigt, muss die Drohne nicht nur genaue Daten über die Vegetation liefern, sondern auch hochpräzise kartieren, erklärte Professor Dr. Till Kleinebecker vom Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Uni Gießen. Die von dem Institut eingesetzte Drohne verfügt nicht nur über zwei Kameras, sondern kann neben dem Helikopterantrieb auch durch Flügel in den Gleitflug gehen und so deutlich länger in der Luft bleiben. Die Drohne hat eine Flügelspannweite von zwei Metern. „Dafür brauchen Sie einen Drohnen-Führerschein, den bei uns mittlerweile fünf Mitarbeiter gemacht haben“, berichtet Kleinebecker.   „Ein Flug ist ja schick, bringt aber nicht viel“, sagte Harnisch. Denn um aussagekräftig eine Entwicklung erkennen zu können, müssen über einen längeren Zeitraum mehrere Flüge absolviert und ausgewertet werden. Angedacht sind vier Flüge im Jahr über drei Jahre, was zusammen mit der Auswertung mit 115.000 Euro zu Buche schlagen würde. Dafür soll eine halbe Stelle bei der Uni Gießen angesiedelt werden, finanziert über Fördermittel.  

Harnisch ist zuversichtlich, nun auch noch weitere Fördergelder einwerben zu können. Schließlich ist das Riedstädter Stromtalwiesen-Projekt bereits mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem 2019 als „offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ und sogar als UN-Dekade Projekt des Monats Juni 2019.