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„Büchners Aretino – eine Fiktion“

Premiere der Neuinszenierung des Stücks von Jan-Christoph Hauschild am 16. Oktober im Georg-Büchner-Saal

Marchesa Isabella d´Este (Ursula Stampfli)
Marchesa Isabella d´Este (Ursula Stampfli)

Die BüchnerBühne Riedstadt präsentiert das Theaterstück des Büchner-Kenners Jan-Christoph Hauschild „Büchners Aretino“ in einer Neuinszenierung. Premiere ist am Samstag, 16. Oktober um 19:30 Uhr im Georg-Büchner-Saal des Landratsamtes Groß-Gerau (Wilhelm-Seipp-Straße 4, Groß-Gerau). Tickets sind im Vorverkauf oder an der Abendkasse erhältlich. Für sämtliche Aufführungen der BüchnerBühne gelten bis auf weiteres die 3-G-Regeln der Corona-Pandemie, das heißt Zutritt haben nur Zuschauer*innen, die geimpft, genesen oder tagesaktuell getestet sind.  Der Saal bietet maximal 48 Personen Platz.

Bei der Premiere der Neuinszenierung von „Büchners Aretino“ knüpft die BüchnerBühne wieder an die kleine Premieren-Tradition an, die vor der Corona-Zwangspause galt: Theaterleiter und Regisseur Christian Suhr wird bei einem Glas Sekt ab 19:15 Uhr eine kurze Einführung in das Theaterstück geben.  

Georg Büchner verfasste in seinem kurzen Leben mit absoluter Sicherheit drei Dramen und eine Novelle, die allesamt festen Platz in den Spielplänen der Theater haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit beschäftigte sich Georg Büchner kurz vor seinem Tod mit dem Mittelalter und dem Schriftsteller Pietro Aretino. Aber ist daraus ein weiteres Drama entstanden? Diese viel diskutierte Frage der Forschung wird unbeantwortet bleiben. Gerade deswegen ist das Theaterstück des wohl renommiertesten Büchner-Experten Jan-Christoph Hauschild von so großer Bedeutung.  

Die Handlung spielt im Rom des Jahres 1522. Der tägliche Kampf um die Grundbedürfnisse gebiert ein allgemeines Sündenbewusstsein. Die Menschen leben in Furcht und Schrecken vor den Strafen, die sie im Jenseits erwarten. Geschäftstüchtige Politiker und religiöse Fanatiker wissen dies in einträgliche Bahnen zu lenken, das Ablasswesen blüht.  

Die spitze Feder des Satirikers Aretino mit dem Motto "Veritas odium parit“ („die Wahrheit brütet Hass aus)" macht ihn beim Volk und bis in die höchsten Kreise berühmt. Doch ein System, das davon lebt, den einzelnen in wirtschaftlicher, politischer und geistiger Abhängigkeit zu halten, kann dies nicht lange dulden.  

Die Inszenierung der BüchnerBühne stellt zunächst die Frage, was Georg Büchner an der historischen Figur Pietro Aretino gefesselt und zum Schreiben eines Stückes bewegt haben könnte. Der drastische, prärealistische und volksnahe Ton von Aretinos Komödien sowie seiner „Kurtisanengespräche“ („Ragionamenti“) wird Büchner ebenso fasziniert haben wie dessen programmatisches Bekenntnis zur Naturwahrheit der Kunst, sein politischer Anspruch ebenso wie seine korrupte Ehrlichkeit.  

Vielleicht zeigt sich hier die enge Anbindung an Büchners eigenes Dilemma, welches er im sogenannten „Fatalismus-Brief“ an seine Geliebte formuliert: Der Mensch könne nicht aktiv in den alles verschlingenden Prozess der Geschichte eingreifen, sondern sei lediglich deren Spielball, der Einzelne nur „Schaum auf der Welle“.  

In Zusammenarbeit mit dem Autor Jan-Christoph Hauschild ist bereits 2014 die Uraufführung an der BüchnerBühne entstanden. Diese Kooperation wird in der Neuinszenierung fortgesetzt; die Wiederaufnahme in den Spielplan ist eine Herzensangelegenheit für Bühne und Autor.  

Die Produktion will Büchner und Aretino zum Vorbild nehmen für ein Plädoyer, die Fragen nach Werten, Wahrheit und Menschenrechten auch zukünftig nicht nur den Mächtigen zu überlassen.  

Karten sind über den Ticketshop unter www.buechnerbuehne.de und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen über Reservix zu bekommen. Die Buchhandlungen Bornhofen in Gernsheim und Faktotum in Wolfskehlen, die Infothek des Landratsamtes in Groß-Gerau sowie „Florales & Handgemachtes“ in Goddelau, Weidstraße 5 F sind weiterhin örtliche Vorverkaufsstellen des Veranstalters.  

Weitere Aufführungen sind am Sonntag, 17. Oktober (18:00), Samstag 30. Oktober (19:30 Uhr) und Sonntag, 31. Oktober (18:00 Uhr) geplant (alle Georg-Büchner-Saal, Landratsamt, Wilhelm-Seipp-Straße 4, Groß-Gerau). Auch hierfür gibt es bereits Eintrittskarten im Vorverkauf.  

Das Foto wurde uns von der BüchnerBühne zur Verfügung gestellt.