Beteiligung von Jugendlichen

Jugendpflege-Workshop informiert sich über Partizipationsmöglichkeiten junger Riedstädter

Während des Festwochenendes zu Riedstadts Verschwisterungsjubiläen tagte einmalig ein Jugendparlament.
Während des Festwochenendes zu Riedstadts Verschwisterungsjubiläen tagte einmalig ein Jugendparlament.

In welcher Form können Kinder und Jugendliche in Riedstadt an der Gestaltung des Lebens in  der Stadt beteiligt werden und ihre Anliegen Gehör finden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Teilnehmer des Workshops „Entwicklung der Jugendpflege“ im Jugendhaus WoGo United in Riedstadt-Goddelau. Mitglieder des Magistrats und des Sozial-, Kultur- und Sportausschusses trafen sich wie in jedem Jahr mit Fachkräften des städtischen Jugendbüros, um sich über aktuelle Themen der Jugendpflege in Riedstadt auszutauschen. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Soziales, Richard Malz-Heyne.  

Neben dem Jahresrückblick 2018 des Jugendbüros stand dabei Jugendpartizipation im Mittelpunkt des Workshops. Mit einem einmalig tagenden Jugendparlament zur Frage, ob das Wahlalter auf 16 Jahre herabgesetzt werden soll, hatte die Klasse 8D der Martin-Niemöller-Schule  während des Festwochenendes zu Riedstadts Verschwisterungsjubiläen eindrucksvoll gezeigt, mit welchem Engagement Jugendliche demokratische Beteiligungsmöglichkeiten gestalten wollen (wir haben berichtet). Wie daraus dauerhafte Partizipationsformen entstehen können, war das Anliegen der Workshop-Teilnehmer. Dazu hatten sie sich Tobias Trautmann von der Kreisjugendförderung und Fabian Pausch von der Jugendförderung Mörfelden-Walldorf eingeladen.  

Drei verschiedene Formen der Jugendbeteiligung gibt es bereits im Kreis Groß-Gerau, berichtete Trautmann: Das seit 1999 bestehende Kinder- und Jugendparlament in Nauheim, der Kinder- und Jugendbeirat Kelsterbach und das Kinder- und Jugendforum Mörfelden-Walldorf. Egal welche Beteiligungsform – entscheidend sei, dass es eine hauptamtliche Begleitung und idealerweise einen eigenen Etat gebe und dass Politik und Verwaltung bereit seien, Macht abzugeben, betonte Trautmann.  

In Nauheim hat man sich vor 20 Jahren für die parlamentarische Form entschieden, die Abgeordneten werden für zwei Jahre auf dem Kinder- und Jugendfest der Stadt gewählt. Auch nur ein Jahr jünger ist der Kinder- und Jugendbeirat, der nach dem Delegiertenprinzip funktioniert – Schulen, Kirchengemeinden und Moscheegemeinde entsenden Aktive in den Beirat, der ebenfalls zwei Jahre amtiert „Sie sind mehr oder weniger zwangsverpflichtet. Zumindest am Anfang läuft das auch ganz gut“, so Trautmann.    

Als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnete Trautmann das seit 2002 bestehende Kinder- und Jugendforum Mörfelden-Walldorf mit seinen verschiedenen Beteiligungsmöglichkeiten. Denn es hat mit Pausch nicht nur einen hauptamtlichen Begleiter, der sich ausschließlich um das Forum kümmert und ein jährliches Budget von 9.800 Euro (plus 4.000 Euro für das vom Jugendforum organisierte Open-Air-Kino) zur Verfügung hat, sondern sieht auch verschiedene Beteiligungsformen je nach Interessen und Einsatzbereitschaft vor.  

Pausch stellte sie detailliert vor. So besteht das Kinder- und Jugendforum aus drei Säulen: Das Plenum aus Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 21 Jahren ist die Plattform, auf der Themen angestoßen werden sowie der Jugendbeirat aus mindestens fünf und maximal neun Mitgliedern für ein Jahr gewählt wird. Der verwaltet das Budget, organisiert Veranstaltungen, unterstützt die verschiedenen Arbeitsgruppen und hat in allen politischen Gremien der Stadt Rede- und Antragsrecht. Die Arbeitsgruppen wiederum bilden sich aus dem Plenum zu einem konkreten Thema, wenn sich mindestens fünf Mitglieder finden. „Es ist ideal für diejenigen, die sich nur für ein bestimmtes Projekt engagieren möchten“, erklärte Pausch und nannte als Beispiele die Mountainbike- und die Gaming-AG.  

„Jugendbeteiligung kann nur funktionieren, wenn es eine Begegnung auf Augenhöhe gibt und sich die Politik auch wirklich darauf einlässt“, fasste Bürgermeister Marcus Kretschmann die  wichtigsten Schlussfolgerungen aus dem Gesagten zusammen. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass Riedstadts fünf Stadtteile eine besondere Herausforderung bedeuten. Als nächsten Schritt will nun die Verwaltung weitere Informationen über verschiedene Beteiligungsmodelle sammeln. Dann soll in einer Arbeitsgruppe, für die jede Fraktion einen Ansprechpartner benennt, weiter beraten werden.

Das Foto vom Jugendparlament am 25. Mai wurde uns freundlicherweise von Harald Benz, Erfelden, zur Verfügung gestellt.