Berufsvielfalt bei der Stadt

Erste Ausbildungstage im Rathaus Riedstadt für achte Klassen der Martin-Niemöller-Schule

Bürgermeister Marcus Kretschmann begrüßte die Achtklässler
Bürgermeister Marcus Kretschmann begrüßte die Achtklässler
Salam Shatlo berichtet über seine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik. Neben ihm Simone Schellhaas
Salam Shatlo berichtet über seine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik. Neben ihm Simone Schellhaas
Landschaftsgärtner Detlef Warren und Simone Schellhaas
Landschaftsgärtner Detlef Warren und Simone Schellhaas

Zum ersten Mal hat die Stadt Riedstadt Ausbildungstage für die achte Jahrgangsstufe der Martin-Niemöller-Schule veranstaltet. Je zwei Klassen erlebten an drei Vormittage, wie viele verschiedene Ausbildungsberufe es bei der Stadt gibt. Ausbildungsleiterin Simone Schellhaas hatte überwiegend junge Menschen, die selber noch in der Ausbildung stehen, für die drei Tage organisiert, die den nur wenige Jahre jüngeren Schülerinnen und Schülern lebendig von ihren Erfahrungen berichteten. Infos an Stellwänden und eine kleine Ausstellung ergänzten die Berichte – da bestaunten die Achtklässler unter anderem die verschiedenen Gerätschaften von der Motorsäge bis zur Heckenschere, die bei den Landschaftsgärtnern des Bauhofs zum Einsatz kommen.  

„Ein Beruf wird heutzutage nicht nur einmal erlernt. Sondern immer wieder neu, weil er ständigen Veränderungen unterworfen ist“, sagte Bürgermeister Marcus Kretschmann, als er am ersten Tag die Klassen 8b und 8c begrüßte. Dementsprechend sei die Entscheidung für eine bestimmte Berufsausbildung auch keine Entscheidung fürs Leben, aber für eine Richtung. „Ich hoffe, dass wir euch eine Entscheidungshilfe geben können“, erklärte er. Schulleiter Martin Buhl freute sich über die „tolle Möglichkeit“ für seine Schüler, die verschiedenen Berufsfelder bei der Stadt kennenzulernen. „Immer weiter Schule ist nicht immer der richtige Weg, eine Ausbildung ist oft besser“, riet er den Achtklässlern.  

„Richtig cool“ findet Fachoberschüler (Fachrichtung Wirtschaft) Ruven Stolz die Kombination aus drei Tagen Praxis im Rathaus und zwei Tagen Unterricht an den Beruflichen Schulen Groß-Gerau im ersten Fachoberschuljahr. „Es ist sehr abwechslungsreich und man bekommt Einblicke in viele verschiedene Bereiche“, erklärte er – verschwieg aber auch nicht, dass die Festlegung auf Wirtschaft oder Technik und der sehr kompakte Unterricht zu Anfang „ein kleiner Kulturschock“ gewesen seien.  

Als eine gute Möglichkeit, nach der Schule eine Berufsrichtung auszuprobieren, wenn man noch unsicher über den einzuschlagenden Weg sei, empfindet Hannah Roth das Freiwillige Soziale Jahr, das sie zur Zeit bei der Kita Sonnenschein in Riedstadt-Erfelden absolviert. „Es macht mir sehr viel Spaß. Aber ich weiß jetzt, dass Erzieherin nicht der Beruf ist, den ich jahrelang ausüben möchte“, berichtete sie über ihre Erfahrungen.

„Mir gefällt es richtig gut hier“, erzählte Julia Galley, die im ersten Ausbildungsjahr zur Verwaltungsfachangestellten im Rathaus ist. Angefangen habe sie ihre Ausbildung im Büro des Bürgermeisters, werde aber auch noch in die Fachbereiche Finanzen, Stadtentwicklung und Umweltplanung, Öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Kinder, Jugend und Soziales gelangen. „Am Anfang habe ich gedacht, was soll ich damit – Fenster einschlagen?“ erzählte sie unter Gelächter der Achtklässler über ihre ersten Eindrücke angesichts des dicken Wälzers „Vorschriftensammlung für die Verwaltung in Hessen.“ Doch dann habe sie zu ihrer Überraschung festgestellt, dass Gesetze lesen durchaus spannend sein könne.  

Toller Beruf, aber eine lange Ausbildungszeit, die erst im letzten Jahr vergütet werde, bilanzierte Julia Trumpfheller von der Kita am Park, die sich jetzt im Anerkennungsjahr zur Erzieherin befindet. Denn wer eine Mittlere Reife hat, muss erst eine zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten machen, bevor sich die dreijährige Erzieherausbildung anschließt. Die Stadt sei sich dieser langen Durststrecke bewusst, erklärte dazu der Bürgermeister. „Wir prüfen zurzeit, wie wir dies ein wenig abfedern können.“  

Laborarbeiten, Elektrotechnik, Schweißen und Zimmermanntätigkeiten – all das gehört zum Beruf der Fachkraft für Abwassertechnik, erfuhren die erstaunten Gesamtschüler erst durch einen Film und dann durch Azubi Salam Shatlo. Ein Landschaftsgärtner wiederum pflegt nicht nur das städtische Grün und muss mit schweren Maschinen umgehen können, sondern pflastert zum Beispiel auch Flächen wie im Freibad Goddelau, berichteten Inga Bender und Detlef Warren vom Bauhof. „Wir suchen dringend einen Azubi“, warb Bender – und erhielt sofort interessierte Nachfragen über ein Schnupperpraktikum.  

Am Schluss der Veranstaltung konnten die Achtklässler auf einem Flip-Chart den Beruf, den sie am spannendsten gefunden hatten, mit einem Stempel versehen. Lagen bei der 8b und 8c noch die Fachoberschule (FOS), gefolgt von den Landschaftsgärtnern ganz vorne, favorisierten die 8d und 8f am zweiten Tag mit großer Mehrheit die Erzieher, während FOS und Landschaftsgärtner mit nur einer Stimme Unterschied auf den Plätzen zwei und drei landeten.