Belebungsbecken saniert

Erfolgreicher Probebetrieb nach Ende der Bauarbeiten in Riedstädter Zentralkläranlage

Stadtwerkeleiterin Saskia Kirsch und Bürgermeister Marcus Kretschmann  am frisch sanierten Belebungsbecken.Stadtwerkeleiterin Saskia Kirsch und Bürgermeister Marcus Kretschmann  am frisch sanierten Belebungsbecken.
Stadtwerkeleiterin Saskia Kirsch und Bürgermeister Marcus Kretschmann am frisch sanierten Belebungsbecken.
Mitarbeiter der Stadtwerke beim Ausbau der Dammbalkenwand zwischen den einzelnen Kammern der Belebung.
Mitarbeiter der Stadtwerke beim Ausbau der Dammbalkenwand zwischen den einzelnen Kammern der Belebung.
Die alten – jetzt ausgebauten – Belüftungsteller waren etwa 30 cm über der Sohle des Beckens montiert.
Die alten – jetzt ausgebauten – Belüftungsteller waren etwa 30 cm über der Sohle des Beckens montiert.

Zwei Jahre lang wurde das Belebungsbecken der Riedstädter Zentralkläranlage im Stadtteil Goddelau aufwendig generalüberholt und dabei seine Leistungsfähigkeit deutlich verbessert. Seit Herbst letzten Jahres läuft das sanierte Herzstück der Kläranlage im Probebetrieb und Stadtwerkeleiterin Saskia Kirsch ist begeistert: „Bis jetzt laufen wir in einem perfekten Zustand.“  

Die Sanierung war dringend notwendig, schließlich ist die Zentralkläranlage seit 1993 in Betrieb. Seit 2007 wird an der Optimierung der Anlage gearbeitet, um sie fit für die stetig steigenden Grenzwertanforderungen an die Reinigungsleistung zu halten und ihre Kapazität zu erhöhen. Im Jahr 2012 wurde als erster Schritt die Anlage um eine eigene Schlammentwässerung ergänzt und seit 2015 in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Darmstadt die Sanierung der Belebungsanlage geplant. In der zentralen Reinigungsstufe der Kläranlage bauen Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze organische Stoffe im Abwasser ab.  

„Normalerweise würde man von vorne nach hinten sanieren. Aber wir mussten in der Mitte mit dem Belebungsbecken anfangen, weil es technisch nicht mehr anders ging“, erklärt die Stadtwerkeleiterin. Es wurde eine Mammutaufgabe: Unter anderem mussten acht Rührwerke, zehn Pumpen, drei Verdichter und 500 Meter Leitungen ausgetauscht und durch neue Teile ersetzt werden. Rund 5.600 Quadratmeter Betonwände und –böden wurden auf Schäden untersucht, Schadstellen saniert und alle 600 Meter Bauwerksfugen erneuert. Die 1.200 Meter lange Beckenkrone musste gereinigt und neu beschichtet und die Fundamente im Pumpenkeller den neuen Pumpen angepasst werden. Zudem wurde die komplette Mess- und Regeltechnik ausgebaut und durch 16 neue Schaltanlagen ersetzt. Was bedeutete, dass alleine in den Schaltanlagen zehn Kilometer Kabel und im Außenbereich des Beckens nochmal mehr als zwei Kilometer Kabel verlegt wurden.  

Damit nicht genug der Herausforderungen, musste die Sanierung im laufenden Betrieb von statten gehen. Weshalb 2017 die erste von zwei Straßen des Belebungsbeckens saniert wurde und im darauffolgenden Jahr die zweite. Auch wenn die Generalüberholung eine echte Aufgabe war, ist Kirsch dankbar, dass sie nicht neu bauen lassen musste. „Im hessischen Ried mit seinem vielen Grundwasser bedeutet das große Mengen an Beton und hohe Kosten.“  

Das Grundwasser machte der Stadtwerkeleiterin auch die größten Sorgen während der Sanierung. Schließlich bedeutet eine leere, weil gerade reparierte Straße und eine Straße im Betrieb eine ungleiche Gewichtsverteilung, auf die das Belebungsbecken nicht ausgerichtet ist. Zugute kam den Sanierungsarbeiten die trockenen Sommer 2017 und 2018 mit einem entsprechend niedrigen Grundwasserstand. Nach Abschluss der Arbeiten kann Kirsch erleichtert bilanzieren: „Wir hatten keinen einzigen Störfall und haben die Grenzwerte immer eingehalten.“  

Nun stehen noch Restarbeiten an wie die Programmierung der Steuer- und Regeltechnik, damit etwa die Luftzufuhr in Zukunft vollautomatisch ablaufen kann. Im Juli/August sollte dann der Probebetrieb in den Bestandsbetrieb wechseln können, schätzt Kirsch. Die Schlussrechnung liegt noch nicht auf dem Tisch, veranschlagt waren die Gesamtkosten mit rund 2,44 Millionen Euro. War die alte Anlage auf 31.000 Einwohnergleichwerte (Einwohner plus Gewerbe) zugelassen, hofft die Stadtwerkeleiterin nach Abschluss aller Sanierungsarbeiten auf 46.000 bis 48.000 EG. Nachdem das Belebungsbecken ertüchtigt wurde, steht nun als nächstes die Nachklärung auf dem Programm.