Baustopp für Breitbandausbau

Weiter Ärger mit dem Internetausbau durch Firma Inexio in Crumstadt und Erfelden

Internetausbau: Stadt verhängt Baustopp
Internetausbau: Stadt verhängt Baustopp

Die Stadt Riedstadt hat vergangene Woche die beiden Baustellen zum Breitbandausbau in den Stadtteilen Crumstadt und Erfelden stillgelegt. In einem Schreiben an die Firma Inexio, die den Auftrag für schnelles Internet durch die Bundesnetzagentur erhalten hat, wird dies damit begründet, dass die von dort beauftragte Firma „keinerlei Fachkenntnis erkennen lässt“.  

„Die Geschichte des Internetausbaus mit der Firma Inexio ist leider von viel Ärger, Kommunikationsmängeln und Verzögerungen geprägt“, erläutert Bürgermeister Marcus Kretschmann, der letztendlich die Einstellung der Baustellen verfügt hat. Schon in der Vergangenheit habe es Konflikte mit Inexio gegeben, da die von dort gewünschte Verlegung der Kabel im Spülbohrverfahren oder durch Erdraketen von der Stadt zum Schutz der Infrastruktur nicht akzeptiert wurde. Erst nach einigem öffentlichen Druck habe sich die Firma dazu bewegen lassen, die Leitungen zumindest innerorts nach herkömmlichen Verfahren also in offener Bauweise durch Aufgrabungen der Bürgersteige auszuführen (wir haben berichtet).  

Mittlerweile wurde von dem Unternehmen Inexio ein Bremer Vermessungsbüro mit polnischem Subunternehmen mit den Verlegearbeiten beauftragt. Dieses Subunternehmen ist jedoch offensichtlich der Sache fachlich nicht gewachsen. In der Gemarkung Crumstadt wurde infolge der völligen Unkenntnis von Planunterlagen am 27. Juli sogar die Gas-Fernleitung angebohrt.  

„Ein Wunder, dass es damals zu keinem größeren Unfall gekommen ist“, so Bürgermeister Kretschmann. Offensichtlich hatte die Firma vor den Bauarbeiten keinerlei Leitungspläne eingesehen, obwohl die Gasfernleitung – und auch eine große Wasserfernleitung – in dem Areal entlang laufen. Mittlerweile sind die Baumaßnahmen nun in die beiden Stadtteile vorgerückt – ohne dass die Ausführungsprobleme mit der Baufirma weniger geworden wären.  

Die städtische Bauverwaltung listet in ihrer Verfügung des Baustopps die festgestellten und trotz mündlicher Aufforderung nicht abgestellten Mängel in der Bauausführung einzeln auf. Hauptursache ist insbesondere der Umstand, dass die Bauarbeiter vor Ort alle nicht der deutschen Sprache mächtig sind. Zwischenzeitlich sei zwar ein neuer Bauleiter für beide Baustellen tätig, der spreche zwar deutsch– sei aber nach eigenen Angaben „Ökonom“ und bringe keine Fachkenntnisse mit, heißt es aus der Bauverwaltung.  

Die Stadt Riedstadt hat eine Weiterarbeit des Bauunternehmens untersagt und die Firma Inexio aufgefordert, ein Fachunternehmen mit fundierten Kenntnissen im Straßenbau, vor allem der geltenden Regeln der Technik, DIN-Normen usw. zu beauftragen. Ein Nachweis über diese Fachkunde ist der Stadt vorzulegen.  

„Wir bedauern, dass es durch die aufgetretenen Mängel und dem verfügten Baustopp nun vermutlich zu weiteren Verzögerungen kommen wird.“, so der Bürgermeister. Die Verantwortung dafür liege jedoch nicht bei der Stadt, sondern ausschließlich bei den fachlich überforderten Privatunternehmen.  

Die aktuellen Erfahrungen machen für Bürgermeister Kretschmann deutlich, wie richtig die Entscheidung war, auf eine konventionelle Bauausführung der Erdarbeiten zu bestehen. Außerdem beweist sich einmal mehr, dass der Kontrollaufwand bei öffentlichen Aufträgen rentiert. „Hier machen sich die beiden zuständigen Mitarbeiter des Bauamtes der Stadt mehr als bezahlt“, so der Rathauschef abschließend.  

Zwischenzeitlich hat Firma Inexio auf den Baustopp und die Liste der Baumängel reagiert. Man bedauert die Vorfälle außerordentlich und hat (Zitat) „in einem intensiven Dialog mit unserem Auftragnehmer die bestehenden Mängel aufgezeigt und Maßnahmen zur Beseitigung bzw. zur zukünftigen Vermeidung eingefordert.“ Die Geschäftsführung habe zugesagt, „schnellstmöglich die Situation mit den Verantwortlichen zu klären und auf eine vertragsgemäße Bauausführung hinzuwirken, damit in Abstimmung mit der Stadt Riedstadt der Ausbau wieder zügig aufgenommen werden kann.“  

Über die konkreten zeitlichen Perspektiven wird in dem Antwortbrief keine Aussage getroffen. Auf der Internetseite www.myquix.de, wo man mit einem „Verfügbarkeitscheck“ feststellen kann, ob Inexio mit dem Glasfaserkabel am eigenen Wohnhaus ankommt, steht derzeit leider noch: „ab Dezember 2017 versorgbar“.