Balu im brennenden Wald

Ungewöhnliche Ausstellung von Achtklässlern der Martin-Niemöller-Schule im Riedstädter Rathaus

Fünf Jugendliche auf einer Treppe vor bunten Zeichnungen
Die jungen Künstler Giorgia Iaccarino, Connor Proksch, Berfin Karayilan, Matthias Menke und Chaymae El Haddadi (von links).

Der sonst immer bestens aufgelegte SpongeBob Schwammkopf schaut völlig entgeistert angesichts des Mülls, der da vor seiner Nase durch das Meereswasser dümpelt. „Stopp Plastik!“, verkündet eine Schrift in schwarzen Lettern auf dem Bild. „Ich mag SpongeBob. Er lebt im Meer, aber das ist verschmutzt durch ganz viel Plastikmüll“, erklärt Giorgia Iaccarino zu ihrem Bild.  

Die Klassen 8b und 8c der Martin Niemöller Schule (MNS) haben im Kunstunterricht mit ihrer Lehrerin Andrea Leonhard ganz ungewöhnliche Bilder geschaffen: Bekannte Comicfiguren setzten sie in eine realistische, deprimierende Umgebung. Durch den Gegensatz von Heile-Welt-Figuren und realer Bedrohungen durch Umweltverschmutzung, Klimawandel oder Krieg wirken die kolorierten Zeichnungen umso aufrüttelnder. Die Werke sind durch eine Kooperation von MNS und Büchnerstadt Riedstadt unter dem Titel „Comic meets reality“ seit dem 23. Januar in der Treppenhausgalerie des Riedstädter Rathauses, Rathausplatz 1 in Riedstadt-Goddelau, zu sehen.  

„Kunst ist Kommunikation. Den Kindern war es wichtig, über diesen Kommunikationsweg Menschen zu erreichen mit Themen, die ihnen Angst machen und uns allen auf der Seele brennen. Es ging wirklich darum, diese Ängste zu formulieren“, beschreibt Kunstlehrerin Leonhard den etwa ein halbes Jahr dauernden Entstehungsprozess. Da erfolgreiche Kommunikation Öffentlichkeit braucht, ist sie der Stadt sehr dankbar für die Kooperation. „Es ist gut, Jugendlichen einen Raum zu geben und auch ihrer Botschaft eine Chance“, erklärt Kulturbüroleiter Marco Hardy, warum die Stadt sofort bereit war, ihre Treppenhausgalerie für die Kunstwerke der Achtklässler zur Verfügung zu stellen.  

Entstanden sind beeindruckende Bilder, die lange im Kopf bleiben. Dagobert Duck hortet seine Geldsäcke unter der Überschrift „Keine Hühnersklaven“, der Eisprinzessin schmilzt das Eis unter den Füßen weg und Balu, der Bär, tanzt durch einen brennenden Wald. Aladdin wiederum ist unter der Überschrift „Kein Krieg!“ umzingelt von Panzern, Scharfschützen und einem Kampfflieger im Anflug.   „Es ist besonders gut gelungen, Aufmerksamkeit zu schaffen für die drängenden Fragen unserer Zeit. Ich bin sehr beeindruckt von den Bildern“, beglückwünschte Bürgermeister Marcus Kretschmann bei der Vernissage die jugendlichen Künstlerinnen und Künstler und beschrieb, wie bereits während des Aufbaus in den letzten zwei Tagen immer wieder Leute stehen geblieben seien, um sich die Werke intensiv anzuschauen.  

Doch die Jugendlichen wollten nicht nur ausdrücken, was ihnen Angst macht, sondern auch Anregungen geben, was jede und jeder angesichts der realen Bedrohungen tun kann. So ergänzen zahlreiche Plakate mit Informationen und Tipps die Ausstellung. Kategorien sind etwa „Essen, das der Umwelt nicht schadet“, oder das Thema Trinkwasser. „Leitungswasser ist gut fürs Klima!“ Bei der Ausstellungseröffnung gab es zudem Informationen über das Gemüsenetzwerk Gernsheim. Für das leibliche Wohl hatten außerdem die neunten Klassen gesorgt, die im Wahlpflichtunterricht Leckereien wie Obst- und Käse-Weintraubenspieße sowie Häppchen mit selbst gemachten Frischkäsecremes zubereitet hatten, die im Nu von den vielen Besuchern der Vernissage vertilgt wurden.  

Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen: montags, mittwochs, donnerstags und freitags von 7:30 bis 12:00 Uhr, dienstags von 7:00 bis 12:00 Uhr und donnerstags noch zusätzlich von 14:00 bis 18:00 Uhr.

Das Foto wurde uns freundlicherweise von Sebastian Hauptmann zur Verfügung gestellt.