Bäume in der Stadt

Fachgruppe Umwelt wirbt um Verständnis für die Ziele des städtischen Grünflächenmanagement

Bäume machen Jahreszeiten erlebbar: Felsenahorn, wie er beispielsweise in Erfelden gepflanzt wurde
Bäume machen Jahreszeiten erlebbar: Felsenahorn, wie er beispielsweise in Erfelden gepflanzt wurde
Bäume sind ortsbildprägend: Blick auf die Goddelauer Ortsmitte vom Rathausdach aus
Bäume sind ortsbildprägend: Blick auf die Goddelauer Ortsmitte vom Rathausdach aus

Bei der Riedstädter Stadtverwaltung ist der Landschaftsarchitekt Matthias Harnisch in der Fachgruppe Umwelt für das Thema Grünflächen und Bäume zuständig. Wie wichtig der Erhalt der Grünbestände ist und welche Rolle insbesondere die Bäume in der Stadt für das Siedlungsklima spielen, wird ihm tagtäglich vor Augen geführt. Deshalb wirbt die Verwaltung für das bereits im Jahr 2012 beschlossene Leitbild „Bäume in der Stadt“.  

Riedstadt liegt mit Jahresmitteltemperaturen von 11 bis 12 Grad Celsius und Niederschlagsmengen von 550 Millimeter pro Jahr in einem der wärmsten und trockensten Gebiete Deutschlands. Das Bioklima ist auf Grund der Kombination aus hoher Luftfeuchte mit hohen Temperaturen und geringen Windgeschwindigkeiten als intensiv belastend einzustufen. Mit mehr als 30 Tagen mit Wärmebelastung pro Jahr gehört Riedstadt zu den Bereichen in Hessen mit der höchsten bioklimatischen Belastung. In den Sommermonaten treten zudem häufig erhöhte bodennahe Ozonkonzentrationen auf. Es bilden sich häufig Inversionswetterlagen, die zu einer Anreicherung von Schadstoffen in der Atmosphäre führen können. Räume für Kalt- und Frischluftentstehung sind im Gebiet nur in geringer Fläche vorhanden, die Waldfläche ist sehr klein.  

Diese Ausgangslage wird durch den in Gang befindlichen Klimawandel noch verstärkt. Aktuelle Szenarien gehen von einer Erwärmung der Temperatur von + 1,4 bis + 6,3 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 in Deutschland aus. Generell wird damit gerechnet, dass mit dem Temperaturanstieg auch die klimatischen Extreme in Mitteleuropa zunehmen werden: Es wird mehr heißere Tage pro Jahr geben, weniger Sommerniederschläge, mehr Starkniederschlagsereignisse sowie häufigere und heftigere Stürme (alle Daten aus dem Umweltatlas Hessen).  

Für das Siedlungsklima nehmen Bäume folgende Funktionen wahr: Sie verbrauchen Kohlendioxid und erzeugen Sauerstoff, filtern Staub, Feinstaub und gasförmige Schadstoffe aus der Luft, sorgen für Wasserspeicherung und kontrollierte Verdunstung und erhöhen damit die Luftfeuchtigkeit. Hinzu kommt, dass Bäume für Beschattung sorgen und so das Aufheizen von versiegelten Flächen verhindern. Sie dienen damit der Minderung von Temperaturextremen im bebauten Bereich: Eine Straße mit großen Bäumen ist um bis zu 6 Grad Celsius kühler als eine baumlose.  

Über diese positive und im Zuge des Klimawandels immer wichtiger werdende klimatische Bedeutung hinaus haben Bäume im besiedelten Bereich weitere Funktionen: Sie gliedern und strukturieren den Siedlungsbereich, dienen als Lebensraum für viele Tierarten – Vögel, Insekten, Spinnen, Käfer, fördern die körperliche Gesundheit (Luft- und Klimaverbesserung) und das seelische Wohlbefinden (Ausgleichende und beruhigende Wirkung). Bäume stärken das Umwelterleben und die Umweltbildung (Jahreszeitenwandel, Zyklus von Blüte-Frucht-Samen, Artenkenntnis usw.).  

Am besten können alle genannten Funktionen von großen, ausgewachsenen und gesunden Bäumen wahrgenommen werden. Junge, neu gepflanzte Bäume benötigen dagegen Jahrzehnte, bis sie die vollen positiven Wirkungen auf das Klima, als Lebensraum oder das Ortsbild erreichen können.  

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Riedstadt im Jahr 2012 ein Leitbild zum Umgang mit städtischen Bäumen beschlossen. Ziel der Stadt Riedstadt ist es demnach, den vorhandenen Baumbestand zu erhalten und zu pflegen. Die Entnahme von Bäumen erfolgt nur bei mangelnder Verkehrssicherheit, bei genehmigten baulichen Eingriffen am Baumstandort oder anderen gravierenden Schäden, die vom Baum ausgehen und einer Erhaltung entgegenstehen. Für gefällte Bäume werden Ersatzpflanzungen vorgesehen, nach Möglichkeit am gleichen oder einem benachbarten Standort. Die Stadt prüft, in welchen Grünanlagen und sonstigen Standorten darüber hinaus eine Durchgrünung mit Bäumen möglich ist.  

Sie sorgt dafür, dass für Bäume gute Standortbedingungen bestehen oder diese bei Bedarf verbessert werden (ausreichend dimensionierte Baumscheiben, ausreichend durchwurzelbares Bodenvolumen). Bäume werden soweit wie möglich vor Beschädigungen geschützt (Anfahren, Überfahren der Baumscheiben, Streusalz).  

Die Stadt Riedstadt lässt die Verkehrssicherheit und die Baumgesundheit der städtischen Bäume im Siedlungsbereich regelmäßig von Sachverständigen überprüfen und nimmt die Ergebnisse in einem digitalen Kataster auf. Das laufend aktualisierte Baumkataster bildet die Grundlage für die Beurteilung der Verkehrssicherheit der städtischen Bäume und für die Festlegung von Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen.  

Der Projektleiter für das Grünflächenmanagement, Matthias Harnisch steht für weitere Informationen und Anregungen gerne telefonisch unter der Rufnummer 06158 181-322 oder per E-Mail (m.harnisch(at)riedstadt.de) zur Verfügung.

Mehr Informationen unter Leben in Riedstadt - Abfall, Energie, Umwelt Natur - Natur, Landschaft, Garten - Bäume in der Stadt.