Archäologie für Flüchtlingskinder

Thomas Weber-Karyotakis erhält für Projekt in jordanischem Flüchtlingslager Bundesverdienstkreuz

Thomas Weber-Karyotakis mit Ehefrau Katerina.
Thomas Weber-Karyotakis mit Ehefrau Katerina.

Mitten in der jordanischen Wüste, unweit der Grenze zu Syrien, leben 80 000 syrische Flüchtlinge im zweitgrößten Flüchtlingslager der Welt. Vor allem für die vielen Kinder in Zaatari ist die Lage bedrückend. Viele sind traumatisiert, ohne Perspektive und kennen nur das Lager.  

Ihnen hilft Thomas Weber-Karyotakis mit einem ungewöhnlichen Projekt. Der Mainzer Archäologieprofessor mit Riedstädter Wurzeln, der auf Deutschlandbesuch gerne seine beiden Brüder und ihre Familien in Riedstadt besucht, forschte lange in Syrien, Jordanien sowie im Libanon und lehrt seit 2016 als Langzeitdozent des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der Deutsch-Jordanischen Universität Amman. Mit finanzieller Unterstützung der Düsseldorfer Gerda-Henkel-Stiftung hat er Archäologie-Klassen für syrische Flüchtlingskinder eingerichtet. Hier erleben syrische Kinder zusammen mit jordanischen Kindern aus den umliegenden Dörfern ihre gemeinsame, so ungemein reiche Kulturgeschichte.  

Die meisten von ihnen erfahren zum ersten Mal von den vielen beeindruckenden Kulturschätzen ihrer Heimatregion. Denn sie alle waren hier: Nabäer, Griechen, Römer und Byzantiner, die Umayyaden und Abbasiden haben ihre Spuren hinterlassen. Rund um das Flüchtlingslager und nahe der syrischen Grenze liegen einige der bedeutendsten archäologischen Fundstellen Jordaniens. Wie etwa Umm el-Jimal, eine komplette Ruinenstadt aus der Zeit um Christi Geburt. Hier erklären die Archäologen den Kindern uralte Inschriften, lassen sie abzeichnen, töpfern und Mosaike legen – oder zeigen ihnen anschaulich mit einer von den Kindern gebauten Bauklötzchen-Stadt auf einem Erdbebensimulator, wieso aus Umm el-Jimal eine Ruinenstadt wurde.  

Ein einzigartiges identitätsstiftendes Projekt, für das Thomas Weber-Karyotakis nun von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen hat. Bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft in Amman überreichte Botschafterin Birgitta Siefker-Eberle dem Archäologieprofessor die Ordensinsignien.