„Ankommen - Verstehen – Zurechtfinden“

Städtische Flüchtlingshilfe läuft im Netzwerk mit ehrenamtlichen Helfern und der Diakonie

Beim Begegnungsfest des Freundeskreises am Altrhein
Beim Begegnungsfest des Freundeskreises am Altrhein

Mit den Leitmotiven „Ankommen – Verstehen – Zurechtfinden“ wird bei der Stadtverwaltung Riedstadt die kommunale Flüchtlingshilfe und Integrationsarbeit umschrieben. Bürgermeister Marcus Kretschmann erläutert, wie die Stadt sich mittlerweile in dieser wichtigen Tätigkeit aufgestellt hat. Ab 2019 wird ein Sozial- und Integrationsbüro im Fachbereich „Kinder und Soziales“ hierfür eingerichtet und die bereits vorhandenen Beschäftigten entsprechend zusammengefasst.  

Das Ankommen der geflüchteten Menschen in Deutschland im Jahr 2015 hilfreich zu begleiten und in einen gelingenden Integrationsprozess zu wandeln ist eine bis heute anspruchsvolle Aufgabe in den Kommunen. Die Anzahl der geflüchteten Personen berechnet sich nach der Einwohnerzahl der Kommune im Verhältnis zu ihrem Ausländeranteil. Konkret für Riedstadt bedeutet dies eine Aufnahmekapazität von 400 Flüchtlingen, die zunächst überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften, zu einem kleinen Teil auch in Privatunterkünften untergebracht werden. Sowohl die Anmietung von Unterkünften als auch die Organisation der Belegung ist Aufgabe des Kreises Groß-Gerau.  

Die geflüchteten Menschen stammen aus Kriegs- und Krisengebieten, in denen ihnen die Grundlagen für ein friedliches Leben genommen wurden. Viele von Ihnen waren sehr lange auf der Flucht und haben eine regelrechte Odyssee hinter sich. `Geflüchtet sein` bedeutet für betroffene Menschen, soziale Beziehungen, bekannte Infrastrukturen, vertraute Familienangehörige, sprachliche Verständigung „zurücklassen“ zu müssen. Ungewiss werden plötzlich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen.  

Das Verstehen der Grundlagen unseres Rechtsstaates (Frauengleichberechtigung, Religionsfreiheit u.a.) und unserer Kultur – nicht zuletzt des Erlernen der deutschen Sprache erfordert Anpassungswillen, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen. Die in den vergangenen Jahren und Monaten nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge leben heute in Riedstadt, in unserer Nachbarschaft und in neuen sozialen Kontakten. Immer wieder wird betont, wie wichtig Integration vor Ort sei. Integration bedeutet auch, dass sich Gesellschaft im Miteinander und in Vielfalt versteht, Gemeinsamkeiten dadurch stärker in den Fokus rücken und Unterschiedliches respektvoll nebeneinander bestehen darf.  

Wenn im Umgang und Alltagsleben einer Kommune das Miteinander in Vielfalt funktioniert, profitiert davon die gesamte Gesellschaft.  

Mittlerweile greifen alle in den letzten Monaten geschaffenen Strukturen gut ineinander, sowohl auf kommunaler, als auch auf übergeordneter behördlicher Seite. Zu betonen ist hierbei, dass es bei kommunalen Angeboten keine Extraangebote „nur für Geflüchtete“ gibt. Die Angelegenheiten dieser Menschen sind wie alle anderen auch in die allgemeinen Beratungs- und Aufklärungsangebote eingebunden worden.  

Von städtischer Seite wurde 2016 mit Fördergeldern des Landes eine halbe Stelle „Koordination Flüchtlinge“ geschaffen, die noch bis Ende 2018 von Andrea Kliegl besetzt wird.  

In Riedstadt arbeiten drei hauptamtliche Sozialbetreuer*innen, mit dem Schwerpunkt in der Flüchtlingssozialarbeit. Für die Stadt Riedstadt: Elke Muhly, für das Diakonische Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim: Frau Katharine Heyl und Herr Suresh Varghese. Langjährige und verlässliche Kooperation zwischen Diakonie und der Stadtverwaltung Riedstadt bedeuten auch Verlässlichkeit und Kontinuität in der Beratung und Begleitung geflüchteter Menschen.  

Zurechtfinden bedeutet für einen mittelfristigen Zeitraum, Orientierung, Aufklärung und Beratung durch die Flüchtlingssozialarbeit zu erhalten. Vom Ankommen bis zum selbständigen Zurechtfinden im „neuen Zuhause“ begleiten die Flüchtlingssozial-betreuer*innen mit einem derzeitigen Personalschlüssel 1:100. Aktuell leben rund 350 geflüchtete Menschen in den fünf Riedstädter Stadtteilen.  

Viele haben in den letzten Jahren hier bereits Fuß gefasst. Sie konnten Wohnraum und Arbeit finden. Andere sind noch auf der Suche. Ihre Kinder besuchen die Schule oder den Kindergarten und sind darüber hinaus in Vereinen oder beim Jugendbüro Riedstadt angekommen.  

Unterstützt werden die hauptamtlichen Sozialarbeiter*innen von ehrenamtlichen Helfer*innen, die einen wesentlichen Beitrag zur Integration leisten. Die meisten sind organisiert im `Freundeskreis Flüchtlinge Riedstadt`, den es schon seit 2014 in Riedstadt gibt. Pfarrer Jürgen Bode hatte sich maßgeblich um seine Gründung bemüht und 2015 konnte so schnell ein eingespielter und wachsender Kreis von Helfer*innen auf die größere Zahl Geflüchteter reagieren. Ohne die Hilfe und Unterstützung der zahlreichen Ehrenamtlichen wäre die Situation kaum zu bewältigen gewesen. Deutschunterricht findet bis heute statt, Hilfen bei Behördengängen oder bei Arztbesuchen werden angeboten und vieles mehr. Mittlerweile sind Freundschaften und ein gemeinschaftliches Geben und Nehmen gewachsen.  

Dem Freundeskreis Flüchtlinge Riedstadt spricht die Stadt ein großes Dankeschön aus. 2018 wird der Freundeskreis Flüchtlinge Riedstadt auf Vorschlag von Bürgermeister Marcus Kretschmann mit dem „Come-Together-Preis für Demokratie und Menschenrechte“ des Landkreises Groß-Gerau ausgezeichnet. Die Preisverleihung wird am 13. November im Georg-Büchner-Saal des Landratsamtes stattfinden.    

Auch weiterhin werden Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten flüchten und in Riedstadt ankommen. Das kooperierende Team des Diakonischen Werks und die Stadt Riedstadt bleiben professionelle Ansprechpartner für diese Menschen, unterstützt durch ein unverzichtbares und funktionierendes Ehrenamt.  

Ab 2019 startet die Stadt Riedstadt ein Sozial- und Integrationsbüro mit dem besonderen Themenschwerpunkt Wohnungswesen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit unserer Arbeit zur Integration sehr gut und zukunftssicher aufgestellt sind. Auf dieser Basis werden wir erfolgreich weiterarbeiten.“, so Bürgermeister Marcus Kretschmann abschließend.

Das Foto wurde uns freundlicherweise vom Freundeskreis Flüchtlinge Riedstadt zur Verfügung gestellt.

Mehr Informationen zum Thema unter Flüchtliche sind in Riedstadt willkommen.